Original aus der Frankfurter Rundschau vom 19.03.05
Eine Investition, die sich schnell rentieren muss
Dem Hamburger NFL-Europe-Team Sea Devils bleibt nicht viel Zeit, Zuschauer und Sponsoren für sich zu gewinnen
von Sebastian Gehrmann
Die Sonne steht senkrecht über dem provisorischen Zeltdach, vor dem üppigen Buffet schlängeln sich die hungrigen Pressevertreter, während Kathirn Platz einem der Tische fast unbemerkt an ihrer Wasserflasche nippt. Einen Steinwurf entfernt krachen Muskelberge aufeinander, es geht um jeden Meter auf der holprigen Wiese, der Schweiß fließt in Strömen. Im frühlingshaften Florida feilen die sechs Vertreter der NFL-Europe an der Form für die kommende Football-Saison. Die neuformierten Kader under ligaweite Sparkurs bestimmten am Tag darauf die Überschriften.
Von der neuen Managerin der Hamburg Sea Devils, in der anglizistischen Diktion des NFL-Ablegers heißt es Marketing und Sponsorship Director, nimmt kaum einer Notiz. Dabei soll die ehemalige Geschäftsführerin der Frankfurter Galopprennbahn das ehrgeizige Projekt innerhalb kürzester Zeit im Norden etablieren. Es geht um die Zukunft der AUsbildungs- und Vergnügungsliga. Im Herbst, wenn der Businessplan für die NFLE abermals verhandelt wird, wird die Diskussion um die Tochterliga von den NFL-Teameignern neu entfacht werden. Dann soll das jüngste Ligamitglied, an die Stelle der unprofitablen Scottish Claymores gerückt, bereits seine Erfolgsgeschichte in der Hansestadt schreiben.
"Wir kommen in einen Standort mit Entwicklungspotenzial, werden aber im ersten Jahr kaum schwarze Zahlen schreiben", sagt Platz. Eine schleppende Anlaufphase, wie die der Cologne Centurions 2004, können sich die Norddeutschen jedoch kaum erlauben. Tilman Engel, ehemaliger Platz-Lebensgefährte, Macher beim Liga-Dino Frankfurt Galaxy, und von der New Yorker NFL-Zentrale mit dem Standortaufbau an der Elbe beauftragt, sagt "dass Hamburg eine große Bedeutung zukommt". Kein Wunder, dass von den 300 000 US-Dollar, die jede NFL-Franchise jährlich in die Europaliga steckt, ein nicht unerheblicher Teil in die "Seeteufel" gepumpt wurde. Allein das Marketing-Budget verschlingt im ersten Jahr die doppelte Summe von dem, was Engel für Werbemittel bei der Galaxy ausgibt.
Zähe Verhandlungen
Seit geraumer Zeit wurde Hamburg auf seinen Wettbewerbs-Tauglichkeit evaluiert, um nicht zu einem Verlustgeschäft auf Zeit zu werden, so wie einst die Geldvernichtungsmaschine der London Monarchs. "Verhandlungen und Abstimmungen haben wir provisorisch führen müssen", sagt Engel, "weil wir vor der offiziellen Entscheidung nichts machen durften." Kontakte zur Landespolitik und der regionalen Wirtschaft knüpfen, mit den Blue Devils, dem traditionellen Football-Bundesligisten einer Kooperation vereinbaren und mit dem Hamburger Sportverein, Miteigentümer der AOL-Arena, über die Nutzung des Stadions verhandeln, standen ganz oben auf der Liste der Abgesandten. Die Stadionfrage klärte sich erst nach zähen Gesprächen.
"Zu Beginn gibt es viele Posten, die viel Geld kosten und nichts einbringen", sagt Engel. Das Teamhotel steht mit 300 000 Euro im Etat, die schmucke Geschäftsstelle steht zwischen Außenalster und Stadtpark. Aber noch fehlen neben den ligaweiten Sponsoren (700 000 Euro pro Team) die großen heimischen Geldgeber. Auch dehslab gab es bereits vor Monaten mit den lokalen Medien, insbesondere dem Springer-Verlag, Vorgespräche um den Neuling promoten zu können und zugleich "störende Nebengeräusche" (Engel) zu vermeiden. In drei Jahren soll die Marke von 25 000 verkauften Tickets pro Spiel erreicht werden. Einen Zuschauerschnitt von unter 15 000 können sich die Hamburger jedoch selbst im ersten Jahr kaum erlauben, gilt doch die Besucherzahl als entscheidender Indikator bei den Verhandlungen jenseits des Atlantiks.