Wallaus Zukunft weiter ungewiss
Von Thorsten Remsperger
Wallau. Fast wie in alten Zeiten. Schon auf dem Weg in die Geschäftsstelle des Bundesligisten SG Wallau/Massenheim diskutiert Handball-Trainer Martin Schwalb mit den Journalisten über das letzte Auswärtsspiel. Lebhaft, ist die tolle Serie der Hessen von 14:2 Punkten doch in Düsseldorf gerissen. Schwalb begibt sich auf seinen Platz, um auf der Pressekonferenz der Form halber zunächst den prallen Bundesliga-Terminkalender für seine Mannschaft bekannt zu geben: Erst am Samstag um 19.30 Uhr gegen TuSEM Essen, dann schon am Dienstag um 20 Uhr gegen den TBV Lemgo, am Sonntag, 24. April (16 Uhr) in Minden und am 26. April wieder in der Höchster Ballsporthalle um 20 Uhr gegen die SG Flensburg/Handewitt.
Dann die erste Frage an Schwalb: «Glaubst Du, Ihr dürft die Spiele noch alle absolvieren?» Er verdreht die Augen, lässt sich in seinen Stuhl zurückfallen. Sein Kommentar: «Die Pressekonferenz hat kaum angefangen und schon bin ich wieder ein nervliches Wrack». Solche Fragen kann Schwalb natürlich nicht beantworten. Für nähere Auskünfte bezüglich der dramatisch schlechten finanziellen Situation seines Arbeitgebers ist am Dienstag laut Pressemitteilung Ralf Jahnke zuständig. Die Informationen gibt es dann aber aus dem Off. Der Sprecher der Spielbetriebs-Gesellschafter konnte, zurück aus seinem USA-Urlaub, nicht nach Wallau fahren, «muss arbeiten» (Schwalb). Den Journalisten ist er per Telefon zugeschaltet. Spätestens bis zum Spiel gegen Flensburg werde man Klarheit haben, so Jahnke, was von den kurzfristigen Sponsorengelder tatsächlich da sei, ob die Sanierung der GmbH erfolgreich verlaufen sei. Er stünde zu den Zahlen im Sanierungsplan, die innerhalb von einer Woche endgültig bewertet werden könnten.
Das sind verhaltene Worte von einem, den manche schon vor einem Monat als den Retter ansahen. Nähere Auskünfte möchte der Wiesbadener Unternehmer nur über die zusätzlichen Einlagen der Gesellschafter (250 000 Euro) machen: «Ganz weit überwiegend» sei dieses Geld eingegangen. Kein Wort über die angesetzten 165 000 Euro an Sponsorengelder, 130 000 Euro vom «Wallauer Freundeskreis» und 15 000 Euro an Spenden. Die Beträge, die teilweise zur kurzfristigen Liquidität dienen sollten, müssen inzwischen alle in Frage gestellt werden. Die vorläufige Insolvenzverwalterin Claudia Jansen hat noch keinen Teil der ausstehenden drei Monatsgehälter an die Spieler überwiesen, obwohl diese Maßnahme auf der Prioritätenliste laut Insolvenzrecht weit oben steht.
«Wenn jetzt Details auf den Tisch kommen, kann es nur nachteilig für das erhoffte positive Ergebnis sein», meint Jahnke. Darüber hinaus, sagt der Gesellschafter, habe Not-Geschäftsführer Daniel Deckers viele Gespräche mit der Handball-Bundesliga (HBL) geführt und bewirkt, dass für die Abgabe verschiedener Unterlagen, die für das Lizenzierungsverfahren für die neue Saison Pflicht sind, Fristen verlängert worden sind. Abermals. Der ursprüngliche Abgabetermin war am 10. März. Mehr will Jahnke nicht sagen, um «niemanden unter Druck zu setzen», weil es auch um Bürgschaften und Freistellungserklärungen gehe, die den Etat sichern sollen. Noch nicht vorliegen kann die notwendige Unbedenklichkeitserklärung des Finanzamtes Hofheim, da die Behörde noch auf 150 000 Euro von der GmbH wartet.
Während die HBL ihrem langjährigen Mitglied großzügig mehr Zeit einräumt, könnte Jansen sich zum Schicksal der SG schon vor der – von den Gesellschaftern erwünschten – neuen Deadline am 26. April äußern. Vermutlich wurde dieser Zeitpunkt genannt, weil bis dato durch die drei Heimspiele gegen Top-Teams frisches Geld in die Kasse strömt. «Jeder kann gegen Essen mit den Ex-Wallauern Rose, Schmetz und Torgowanow durch seinen Eintritt helfen», plädiert Schwalb an die Fans. Immel, Hundt und Jonsson (Bänderriss im Sprunggelenk) müsse er ersetzen. Der erste Journalist war da schon gegangen. Das sportliche Geschehen bei der SG Wallau/ Massenheim interessiert derzeit eben niemanden.
Quelle: FNP-Online