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18.09.2006 - Martin Kloth - dpa
Gummersbach und Magdeburg wie im Rausch - Trio mit ersten Niederlagen
Mit Spielen wie im Rausch haben der VfL Gummersbach und der SC Magdeburg ihre Gegner deklassiert und den Kampf um die Spitzenplätze in der Handball-Bundesliga weiter zugespitzt. Rekordmeister Gummersbach deklassierte am Samstagabend den zuvor ungeschlagenen TV Großwallstadt mit 35:22 und verabschiedete sich als Tabellenführer in die zweiwöchige Länderspiel- und DHB-Pokal-Pause. Magdeburg demontierte den TBV Lemgo in dessen Lipperlandhalle dank einer Galavorstellung mit 39:27 und stürzte die zuvor ebenfalls ungeschlagenen Ostwestfalen vom zweiten auf den sechsten Rang. Wie Lemgo und Großwallstadt kassierte die SG Flensburg-Handewitt mit dem 30:31 beim DHB-Pokalfinalisten SG Kronau/Östringen die erste Saisonniederlage.
Supercup-Sieger HSV Hamburg besiegte die HSG Düsseldorf mit 39:28 und kletterte auf Position drei. Im Keller-Duell setzte sich Aufsteiger HBW Balingen-Weilstetten mit 27:22 gegen den TSV GWD Minden durch. Während der Neuling damit seine erste Punkte gewann, wartet Schlusslicht Minden ebenso wie Düsseldorf und die HSG D/M Wetzlar noch immer auf den ersten Zähler. Am Sonntag zitterte sich die HSG Nordhorn gegen Eintracht Hildesheim zu einem knappen 29:28- Heimerfolg.
«Ich bin stolz auf die Mannschaft. Wir waren auf ein knallhartes Spiel vorbereitet, ich hatte eigentlich eine Entscheidung in den letzten Sekunden erwartet. Heute ist einfach alles gelungen», lobte Gummersbachs Trainer Alfred Gislason. Gudjon Valur Sigurdsson (10) und Daniel Narcisse (7) waren neben Torhüter Nandor Fazekas die Sieggaranten vor 2031 Zuschauern in der kleinen Eugen-Haas-Halle. «Das war ein famoser Sieg des VfL. Wir sind zu einem so genannten Spitzenspiel gefahren und hatten uns vorgenommen, die Serie von fünf Spielen ohne Niederlage fortzusetzen. Aber wir haben heute nur eine Spitzenmannschaft gesehen. Die Art und Weise der Niederlage war deprimierend. Der VfL spielte sich dann in einen Rausch», anerkannte Großwallstadts Trainer Michael Roth.
Nur drei Tage nach dem überraschenden Punktgewinn bei der SG Flensburg-Handewitt erlebte Lemgo ein Debakel. «Uns ist die Euphorie noch dem Spiel in Flensburg zum Verhängnis geworden», bekannte Lemgos Manager Fynn Holpert. Vor allem das Magdeburger Polen-Trio Karol Bielecki (8), Bartosz Jurecki (7) und Grzegorz Tkaczyk (6), das am Samstag und Sonntag mit der Nationalmannschaft in zwei Länderspielen der deutschen Auswahl gegenüber steht, war kaum zu bremsen.
«Ich bin selbst überrascht, dass heute alles so gut geklappt hat. Wir sind mit einigem Respekt hierhin gefahren, da wir das Video des TBV in Flensburg gesehen haben», sagte Bogdan Wenta, Trainer des SC Magdeburg und der polnischen Auswahl in Personalunion. Der starke Nationaltorhüter Johannes Bitter wollte den Erfolg aber nicht überbewerten. «Wir haben voriges Jahr in Flensburg gewonnen und sind auch nur Vierter geworden. Also: Kirche im Dorf lassen», forderte er.
Die erste Saisonniederlage hat bei der SG Flensburg-Handewitt eine erste Krisensitzung ausgelöst. «Statt eines Super-Starts haben wir nun nur einen normalen Saisonauftakt - darüber müssen wir diskutieren», erklärte Manager Thorsten Storm und fügte an: «Kronau hatte im Prinzip nicht mehr als Oleg Velyky sowie Torwart Kolpak aufgeboten und hat uns sicherlich nicht an die Wand gespielt. Der größere Wille war entscheidend.»