So ich habe gerade mal Zeit und da unser Edelfan aus Berlin ja auf dem Laufenden bleiben soll, hier mal eine kurze Zusammenfassung der derzeitigen Saison.
Zu Saisonbeginn musste ich schon schwer schlucken. Unser Verein verfügt über keine C-Mädchenmannschaft. Also mussten die aus der D-Mädel hochkommenden Talente direkt den Sprung in die B-Mädel-Kreisliga verkraften.
Auch ein D-Mädel des älteren Jahrgangs hilft teilweise bei uns aus.
Eine Altersspanne von 12 bis 16 Jahren. Kein ganz einfaches Alter für meine Co-Trainerin und mich. Zudem kamen zu Saisonbeginn 4 Anfängerinnen zur Mannschaft hinzu. Also 5 Jahrgänge und zig verschiedene Fähigkeitsstufen.
Die Testspiele waren nicht gerade ermutigend für die Mannschaft, auch wenn man sich als Trainer über Fortschritte freuen konnte, sahen die Mädels eigentlich nur die zum Teil ernüchternden Ergebnisse.
Am 1. Spieltag gab es dann gleich eine Abfuhr 22:7- Niederlage. Kein Wunder, wenn man die körperlichen Unterschiede mit dem Gegner betrachtet. Besonders enttäuschend aber, dass die beiden ältesten Spielerinnen, die per Doppelspielrecht ein zweites Standbein in der zweiten Damenmannschaft haben einen Egotrip fahren und die "Kleinen" im Stich lassen. Die Führunsspielerin des vergangenen Jahres ist der Altersklasse entwachsen, und niemand möchte die Verantwortung übernehmen.
Der Spielplan kommt dem nicht gerade entgegen, denn an den Spieltagen 2-4 kommen die am Ende der Hinrunde auf den Plätzen 1-3 gelegenen Teams als Gegner. Gut fürs Selbstvertrauen ist das nicht... aber mit den ersten Treffern die, die EX-D-Mädchen erzielen wird die Mannschaft stabiler.
Am 5. Spieltag dann endlich der Befreiungsschlag. Der erste Sieg. Und das sehr souverän. Die Stimmung in der Mannschaft wird schlagartig besser und auch die Motivation im Training ist riesengroß. Beim höher platzierten Lokalrivalen hält man bis zu einer ungeschickten roten Karte blendend mit, dann verliert man, aber dennoch spielt man mit viel mehr Sicherheit.
Es folgt ein Kantersieg beim Tabellenschlusslicht, sowie nach einer normalen Niederlage gegen ein Spitzenteam ein hart umkämpfter 12:11-Auswärtssieg.
Gegen den punktgleichen Tabellennachbarn hält man lange mit muss dann aber den Kürzeren ziehen.
Dann der Tiefpunkt aus Trainersicht, denn gegen den Tabellenvorletzten agiert die Mannschaft ungewohnt überheblich und bekommt die Quittung dafür. Nicht nur eine Niederlage sondern eine Demütigung...Dieses Spiel hat mich das ganze Wochenende noch beschäftigt.
Das nächste Training beginnt mit einer Aussprache, angestrebt von der Mannschaft, die keine mehr war. Geredet wurde viel, ob aber wirklich alle die teilweise harsche Kritik untereinander wirklich positiv aufgefasst haben. Ich war gespannt.
Und ein Bestsellerautor hätte es nicht besser schreiben können. Der Tabellenvierte kam am nächsten Spieltag und an diesem Tag wurde mir eindrucksvoll präsentiert, dass die Mädels doch eine Mannschaft sind. Symptomatisch der Gegner: Eine Spielerin erzielte 17 der 19 Tore und vernagelte dazu zu Beginn der zweiten Hälfte auch noch das Tor. Bei uns verteilten sich die Treffer auf alle Schultern gleichmäßig. Dass man diese Spielerin einfach nicht in den Griff bekam ist natürlich bedenklich, interessierte mich aufgrund des Ergebnisses von 19:19 aber recht wenig.
Dennoch gab es "normale" Niederlagen an den letzten beiden Hinrundenspieltagen. Die Rückrunde spielen wir nun gegen die neben uns sechs schlechtplatziertesten Mannschaften.
In Spiel eins der sogenannten Platzierungsrunde unterlagen wir ersatzgeschwächt mit 19:20 gegen den Gegner, den wir in der Hinrunde noch mit einem Treffer bezwangen. In Spiel 2 der Rückrunde gab es keine Probleme und im Spiel vor zwei Wochen waren wir zu Gast beim verlustpunktfreien Tabellenführer der Platzierungsrunde. Mit der besten Abwehrleistung, die ich von meiner Mannschaft bisher gesehen habe kamen wir da zu einem letztlich ungefährdeten 12:17 Sieg.
Das sind die Momente in denen man genau weiß warum man sich Tag für Tag für diese Mannschaft einsetzt und viel Zeit für sie opfert. Die Augen der Mädels nach dem Schlusspfiff versetzen einen so emotionale Menschen wie mich da in eine andere Welt. Die Freude über den Sieg und den Stolz über die eigene Leistung brach förmlich aus den Mädels heraus.
Auch wenn der Spielplan das ganze etwas verzerrt ist ein durchaus positiver Trend zu erkennen. Wir haben in diesem Verein nicht die Möglichkeiten weiter oben mitzuspielen, aber diese "kleinen" Erfolge (für mich ist er nicht klein) sind für uns ebenso wichtig wie für andere Titel. Hätte mir vor der Saison jemand gesagt, dass wir so viele Punkte holen, so hätte ich den für verrückt erklärt. Noch stehen vier Spiele gegen Gegner auf Augenhöhe auf dem Programm und der dritte Platz in der Platzierungsrunde ist möglich.
Zum Schluss fällt mir auch noch etwas Positives auf die etwas Ärgerliche Lage in unserem Verein ein: im nächsten Jahr bleibt die Mannschaft fast so zusammen wie sie nun ist. Schön für mich und vor allem schön für die Mädels.
Gruß
Benni