Wir Schiedsrichtern haben ein paar Probleme zu lösen:
Wenn ein SR 55 Min eines Spiels gut leitet und dann eine Fehlentscheidung trifft (sie muss nicht mal großartig spielentscheidend sein), dann ist das Geschrei groß: "Was für ein schlechter Schiri" etc.
Dass der SR die längste Zeit des Spiels gut bestritten hat, gerät dabei schnell in Vergessenheit.
Dass du dich über nicht gegebene Rote Karten aufregst: ok, aber da muss man beurteilen können, aus welchem Blickwinkel die SR das ganze beobachten konnten bzw. mussten.
Beim Beobachten sind wir beim nächsten Punkt:
Die Beobachtung ist nur so gut wie die Motivation der SR. Wenn man völlig unmotiviert irgendwohin fährt und sich sagt: Jetzt muss ich noch das blöde Spiel da pfeifen, dann ist die Stimmung vorprogrammiert.
Denn es gibt viele SR, die zu ihrem "Glück" gezwungen werden. Und dass die nicht viel Spaß daran haben, ist wohl mehr als ersichtlich. Und wer keinen Spaß daran hat, der pfeift auch nicht so gut, wie jemand, dem es Spaß macht.
Ich denke außerdem dass niemand SR wird, um anderen den Sport kaputt zu machen. Du als Spieler möchtest dir ja auch nicht vorwerfen lassen, dass du in der Abwehr schlecht stehst, nur um deinen Torwart dumm aussehen zu lassen, weil er dich vor dem Spiel irgendwie schräg angemacht hat, oder?
Und dass sich die Schiedsrichter manchmal 60 Minuten (plus vor und nach dem Spiel) von allen Beteiligten anmaulen (teilweise sogar anschreien) lassen müssen, nur weil die nen schlechten Tag haben oder deren Mannschaft nicht so spielt (oder spielen kann) wie diejenigen sich das vorstellen, ist auch alles andere als fair. Und dass ein SR, wenn er von deiner Mannschaft mehrfach angemault wird, bei der nächsten strittigen Entscheidung nicht für deine Mannschaft entscheidet, ist doch logisch, oder?
Zumal ist die Bezahlung bei den Dingen, die man sich da als Schiedsrichter anhören muss, teilweise mehr als dürftig.
Das Publikum ist entweder nicht fachkundig oder einfach parteiisch, oder sogar beides zusammen. Was an sich nicht so schlimm ist. Nur wenn diese Zuschauer sich dann anmaßen, die Schiedsrichter zu beurteilen, dann passiert das meistens unfair. Manchmal aus Unwissenheit, manchmal halt aus parteilichkeit. Und wie viel auf diese Urteile zu geben ist, liegt dann ja auch auf der Hand.
Im Argument, dass die Jungschiris besser (und umfangreicher) ausgebildet werden sollten, gebe ich dir Recht. Nur scheitert das im Allgemeinen am Geld, bzw. an der Bereitschaft der Ehrenamtlichen. Auch sollten die Jungschiris bei ihren ersten Schritten besser betreut werden, ihnen zu ihren Fehlern Erklärungen geben usw. Hier bietet sich auch die Videoanalyse an. Jedoch ist das wieder ein Problem des Geldes bzw. der Zeit, die die Ehrenamtlichen dafür hergeben müssen.
Auch bin ich durchaus der Meinung, dass die Regeln (zumindestens in den unteren Jugenden) mindestens einmal in der Saison ein Thema sein sollte. Allerdings ist dies gerade im Jugendbereich sehr arbeitsintensiv und auch die Zuwachs- und Abgangsrate ist immens hoch. Will sagen, dass die Spieler immer wieder wechseln, und wenn am Anfang der Saison die Regeln besprochen wurden, dann hat das einer, der zum Winter dazukommt, nicht mitbekommen. Am besten wäre es sicherlich, einmal im Monat zumindestens so etwas wie eine Regelkunde oder -wiederholung zu realisieren. Aber das ist auch Utopie, weil eine Menge Zeit dafür draufgeht, die dann evtl. für das Training fehlt. Außerdem denke ich fehlt hier auch die Akzeptanz gerade der jüngeren Spieler. Die wollen einfach nur spielen und nicht unbedingt die Regeln pauken.
Aber noch einmal: Ich denke dass keiner, der sich als SR auf den Platz stellt, irgendjemandem den Sport kaputt machen will.
Aber nicht dass ich falsch verstanden werde: Es gibt sicherlich Schiedsrichter, die schlecht pfeifen. Aber auch bei denen sollte man überlegen, ob man sie mit Meckern nicht vielleicht noch mehr einschüchtert und sie damit zu noch schlechteren Leistungen bringt.