24.08.2006
Großwallstadt. Die Vorfreude, aber auch die Spannung ist bei Handballern, Betreuern und Fans des TV Großwallstadt zwei Tage vor der neuen Saison auf dem Höhepunkt angelangt. Platz sieben in der Endabrechnung war die Ausbeute im Vorjahr, als dem TVG läppische 13 Torerfolge zum Europapokal-Startplatz fehlten. Was wird heuer? Kann die Mannschaft erneut im Konzert der Großen mitmischen? Ein Interview mit Trainer Michael Roth, der voller Selbstvertrauen in seine zweite Saison beim TVG geht.
Am Samstag wird es ernst. Wie ist die Vorbereitung gelaufen?
Die Mannschaft ist in einem sehr guten Zustand. Das neue Kardio-Training, auf das unser Co-Trainer Raimo Wilde ein ganz besonderes Auge hat, hat sich sehr bewährt. Wir konnten so nach und nach unser Pensum erhöhen, so dass die Jungs so fit sind wie noch nie.
Wie hat die Mannschaft die taktischen Vorgaben umgesetzt?
Hervorragend. Wir haben an unserem Abwehrsystem gefeilt, können nun zwei Varianten spielen. Das wird mit Sicherheit sehr nützlich sein. Was machbar war, haben wir gemacht. Die neuen Spieler haben sich gut integriert, wie zum Beispiel Anders Oechsler. Er ist ein sehr guter Mann und fühlt sich hier pudelwohl. Spieler wie Lochman und Immel sind zurückgekommen und haben sich nahtlos eingefügt.
Stichwort Immel. Wie weit können Sie ihn einsetzen?
Jan-Olaf ist in der Abwehr auf jeden Fall einsetzbar und hilft uns hier enorm weiter. Allerdings kann er noch nicht so werfen, wie er es gerne möchte. Das heißt, er ist im Moment nicht in der Lage, Erstliga-Angriffshandball zu spielen. Aber er ist nach wie vor in einem Reha-Training in Frankfurt, hat deutliche Fortschritte gemacht und ist auf einem guten Weg. »In der Mannschaft steckt unheimlich viel Potenzial. Das gilt es herauszuholen«
Und Slava Lochman?
Slava ist auf dem Stand, wie wir ihn erwartet haben. Das ist sehr positiv für uns. Aber auch die Neuen, wie Marco Hauk oder Hannes Volk, passen gut in unser Team. Die Müller-Zwillinge sollen sich zunächst einmal in der Zweiten Liga in Obernburg austoben, ebenso wie Philipp Reuter. Er ist ja erst 19. Aber er trainiert bei uns mit und ist gut dabei. Und Gregor Schmeißer ist sowieso ein fester Kaderspieler. Er und Marco Hauk gehören zum Stamm, werden aber, wenn wir nicht spielen, beim TV Kirchzell zum Einsatz kommen. Sehr positiv überrascht hat mich auch Hannes Volk. Er wird seinen Weg gehen.
Wie lautet Ihr Saisonziel?
Ganz klar: Wir gehören unter die ersten Acht, und wir sollten damit auch nicht hinter dem Berg halten. Wir sind eine interessante Mannschaft mit geringen Mitteln.
Was heißt das?
Das heißt, dass es schon noch einen Unterschied zwischen einem Saisonetat von zwei oder vier, fünf Millionen Euro gibt. Andere Vereine kaufen sich fertige Spieler, wir haben viele junge. Von daher müssen wir noch viel arbeiten. Doch in der Mannschaft steckt unheimlich viel Potenzial. Das gilt es herauszuholen. Andererseits dürfen wir nicht vergessen, wir sind letzte Saison mit vielen Verletzten gestartet und trotzdem Siebter geworden.
Sie haben mit dem Perspektivspieler Philipp Reuter 20 Mann - einen Kader so groß wie noch nie.
Ja, das stimmt schon. Aber wie gesagt, wir haben sehr viele junge Leute, die wir in der ersten Liga noch nicht voll einsetzen können. Und man weiß ja nie, was passiert in Bezug auf Verletzungen. Ruckzuck hat einen die Realität wieder eingeholt.
Die Konkurrenz hat durch die Bank weg enorm aufgerüstet.
Ja. Wenn ich mir vorstelle, dass Melsungen mittlerweile auch bei vier Millionen gelandet ist - verrückt. Doch wir müssen nach uns gucken und sehen, dass wir die ersten drei Heimspiele gewinnen, um einen guten Start hinzulegen.
»Ich bin kein Wandervogelund will auch nicht mit anderen Angeboten kokettieren«Der TVG hat ein ziemlich kniffliges Auftaktprogramm.
Wir haben am Samstag Kiel, am Mittwoch schon wieder Wetzlar. Danach geht es mit Melsungen, Lübbecke, den Kröstis und Gummersbach Schlag auf Schlag. Ende September noch ein Pokalspiel. Das heißt, wir haben gleich zu Beginn zwei englische Wochen zu überstehen. Aber da habe ich keine Bedenken, denn die Mannschaft ist fit. Wir sind gut vorbereitet.
Apropos vorbereitet. Wie stellen Sie Ihre Mannschaft auf das erste Rundenspiel beim deutschen Meister Kiel ein?
Ach, das ist doch mit das leichteste Spiel. Das ist so ein Spiel, das sich jeder Trainer zu Beginn der Saison wünscht. Nein, im Ernst. Wir haben dort absolut nichts zu verlieren. Vielleicht ist es sogar ein Vorteil für uns, denn Kiel ist eventuell noch nicht so eingespielt. Wir werden uns auf jeden Fall sehr sorgfältig darauf vorbereiten, fahren schon am Freitag los, damit wir ausgeruht am Samstag in die Partie gehen können.Dort gibt es ein Wiedersehen mit Dominik Klein. Wie schwer wiegt sein Verlust für den TVG?
Natürlich ist der Verlust da, denn jeder, der Dominik hat spielen sehen, weiß um seine Stärken. Aber wir wussten es frühzeitig und konnten uns darauf einstellen. Er kann super spielen und ist verdammt schnell. Aber er ist nur ein Linksaußen. Und da wird kein Spiel gewonnen. Die Spiele werden aus dem Rückraum gewonnen.
Ein Wort zu Ihnen. Ihr Vertrag läuft Ende der Saison aus. Wie geht es weiter mit Michael Roth und dem TVG?
Obwohl es noch früh ist, haben wir schon Gespräche geführt. Ich habe nebenbei noch eine Agentur und dann ist ja da auch noch meine Familie. Ich denke aber, dass ich die erfolgreiche Arbeit fortsetzen kann. Ich bin kein Wandervogel und will auch nicht mit anderen Angeboten kokettieren. Ich bin auch kein Profitrainer, denn ich arbeite nebenbei noch. Und das gibt es in diesem harten Geschäft schon fast nicht mehr.
Die Mannschaft scheint von ihrem Trainer ja richtig begeistert zu sein.
Das ist schön zu hören, denn das Erbe von Peter Meisinger anzutreten, ist wahrlich nicht leicht. Die Skepsis war bei vielen da. Das weiß ich. Ich bin jemand, der viel Wert auf Disziplin legt. Zu mir muss keiner »Sie« sagen oder so was. Das Training soll Spaß machen, aber die Jungs müssen auch wissen, dass es harte Arbeit ist. Wir haben eine interessante Mannschaft mit vielen Perspektiven. Und wir sind auf dem richtigen Weg. Wir wollen einen Schritt nach dem anderen nach oben machen. Alles andere wird sich finden.
Die Fragen stellte Margot Staab
zudem stand heute ein artikel im main echo, in dem der trainer des vfl gummersbach die saison einschätzt und dabei den TVG um die championsleagueplätze mitkämpfend sieht
quelle: main echo