Der TV Flein ist fast genial
Von Lars Müller-Appenzeller
Handball - Rudolf Wagner ist erleichtert. Mit seinem roten Pullover und dem strahlenden Gesicht sticht er aus der Menschentraube im Foyer der Fleiner Sandberghalle hervor wie eine rote Christbaumkugel aus einer Tanne. „Das war unsere beste Saisonleistung“, sprudelt es aus dem Trainer des Baden-Württemberg-Oberligsten TV Flein, „also die erste Halbzeit – besser geht’s nicht. Das war fast genial.“ Mit 39:31 hat der TV Flein am Samstagabend den TuS Helmlingen abblitzen lassen, sich in der Tabelle mit nun 13 Punkten auf Platz elf geschoben und damit die Abstiegsregion verlassen. Doch ist die Stimmung nach der erfolgreichen Beendigung der Hinrunde im Verein eigenartig. Etwas steht im Raum, was keiner so recht beim Namen nennen will.
Noch ein Rücktritt Dumitru Cartos hat am Freitagabend die Mannschaft darüber informiert, dass er nach dem Helmlingen-Spiel nicht mehr als Co-Trainer zur Verfügung stehen wird. „Ich war jetzt zweieinhalb Jahre hier im Verein“, erzählt Cartos, „erst als Spieler, dann als Spielertrainer und eben zuletzt als Co-Trainer und Trainer der B-Jugend.“ Er habe immer viel Spaß bei der Arbeit gehabt, doch irgendwann sei das Vertrauen des Vereins nicht mehr so da gewesen. „In den letzten drei, vier Wochen habe ich das noch deutlicher gespürt, wenn man beispielsweise nicht darüber informiert wird, was der Verein plant.“ Also hat der Rücktritt Cartos’ zumindest indirekt mit dem Wechsel von Rudolf Wagner zu tun. Zum Saisonende wird, wie berichtet, Wagner von Branko Dobricic beerbt.
Michael Knorr, Abteilungsleiter Handball beim TV Flein, will zum Thema Co-Trainersuche nicht viel sagen: „Wir lassen das auf uns zukommen. Wir haben bis 7. Januar Zeit und werden eine Lösung finden. Nur so viel: Wie man drei Monate vor Rundenende seine Kids in der B-Jugend enttäuschen kann, das kann ich nicht verstehen.“ Es harzt beim TV Flein.
Rudolf Wagner hat mittlerweile sein Strahlen verloren. „Dass Dumitru aufhört, tut mir weh, denn er hat für das Team unheimlich viel getan, Spezial-Trainings gemacht und immer gute Stimmung in die Mannschaft getragen.“ Die Stimmung hat zuletzt etwas gelitten. Der Sieg gegen Helmlingen sei eine persönliche Genugtuung gewesen, so Wagner, denn es habe in den vergangenen Tagen schon viel Unruhe von außen gegeben.
In Gedanken Es dürfte in der Fleiner Oberliga-Truppe in den nächsten Wochen kaum ruhiger werden. Die Spieler machen sich Gedanken, bekommen in diesen Tagen, wie in der Branche üblich, Angebote von anderen Vereinen: Was wird, wenn der neue Trainer da ist? Soll ich wechseln? „Vor allem Oliver Heß macht sich viel zu viele Gedanken, setzt sich viel zu sehr unter Druck“, sagt Rudolf Wagner – und knipste wieder sein Strahlen an: „Aber wichtig ist, dass wir mit einem Erfolgserlebnis in die Rückrunde gehen und jetzt zufrieden zur Weihnachtsfeier ins Foyer gehen.“
Bei Fleischkäs und Bier gingen dort die Spieler die Partie noch einmal durch. Es klappte diesmal alles, auch wenn wieder eine Vielzahl an billigen Gegentoren kassiert wurde. „Helmlingen hat Horkheim und Großsachsen mit jeweils sieben, acht Toren Vorsprung besiegt“, sagt Edin Hadzimuhamedovic, „dann darf man nach einem 39:31-Sieg gegen Helmlingen nicht nach Fehlern schauen.“ Die Spieler des TV Flein scheinen sich die Stimmung nicht vermiesen zu lassen.
TV Flein: Hoffmann, Eberle – Gerstlauer (4), Göppele (4), Schaible (2), Hadzimuhamedovic (10/6), Jelinic (3), Denscheilmann, Vieler (6), Müller (1), Heß (5), Trampusch (3), Geiger (1).
Beste Werfer TuS Helmlingen: Posavec (8), Fenyö (7/2), Olovsson (5/1).
Zeitstrafen: Flein 4 – Helmlingen 6.
Siebenmeter: Flein 7 – Helmlingen 5.
Torfolge: 4:4, 10:6, 12:8 (17.), 15:9, 17:11, 19:11 (25.), 23:14 (30.), 24:19, 27:20 (42.), 32:25, 36:30, 39:31.
Schiedsrichterinnen: Jarke/Schuster (Rauenberg/Malsch). Zuschauer: 550.
TSB Horkheim versüßt Feier des TV Großsachsen
Handball - Der TSB Horkheim hat auch sein letztes Auswärtsspiel der Hinrunde der Baden-Württemberg-Oberliga beim TV Großsachsen deutlich mit 24:34 (14:16) verloren. Immer wieder verteilten die Horkheimer Spieler am Samstagabend Geschenke zum Weihnachtsfest in Form von Ballverlusten und unkonzentrierten Würfen.
Der TSB begann das Spiel konzentriert und nahm den Top-Torjäger der „Saasemer“, Tobias Kohl, fast komplett aus dem Spiel. Doch die Hausherren zeigten ebenfalls eine sehr aggressive Deckung, die die Horkheimer vor große Probleme stellte. Pfeilschnell zeigte sich beim TVG immer wieder Mark Wetzel, der mit seinen Gegenstoßtoren die Horkheimer Unzulänglichkeiten eiskalt ausnützte. Lediglich beim 3:2 durch Alexander Huber in der siebten Spielminute lag der TSB in Führung. In der Folge setze sich Großsachsen auf 6:3 ab.
Hoffnung Doch die Horkheimer kämpften, und so war es Felix Knoll, der in der 20. Minute zum 9:9 ausgleichen konnte. Die mehr als 100 mitgereisten Horkheimer Fans, die sich sehr lautstark in der Sachsenhalle bemerkbar machten, hatten wieder Hoffnung. Doch was sie im Anschluss an das 10:10 von Joachim Baum zu sehen bekamen, schlug ihnen mächtig auf die Stimme. Immer wieder vertändelten die Horkheimer fahrlässig den Ball. Fangfehler, ungenaue Abspiele und Schrittfehler waren ab jetzt an der Tagesordnung, so dass sich die Hausherren schnell auf 14:11 absetzten.
Markus Schumacher, dem einzigen gefährlichen Angreifer, gelang kurz vor der Pause der Anschluss zum 14:15. Doch ganz typisch für diesen Tag war der Halbzeittreffer von Florian Sauer: Er nutzte eine Unachtsamkeit in der Deckung und traf mit der Pausensirene zum 16:14 ins Netz von Ergin Toskic.
Seuche Michael Hau kam nach der Pause umgezogen aus der Kabine. Mit einem dicken Verband an der linken Wurfhand machte er sich zusammen mit seinen Eltern auf den Weg ins Krankenhaus. „Michi Hau hat sich eine Risswunde am kleinen Finger der Wurfhand zugezogen und musste zum Nähen. Der hat dieses Jahr die Seuche erwischt“, meinte TSB Co-Trainer Hardy Denninger nach dem Spiel und spielte auf die beiden Kopfverletzungen zu Beginn der Runde an.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit konnte der TSB noch drei Minuten lang mithalten. Beim 17:18 von Kai Herrmann war das Spiel noch offen. Doch der schon typische Einbruch der Horkheimer in der zweiten Halbzeit sollte nicht ausbleiben. Drei Fehlwürfe und drei technische Fehler des TSB später war das Spiel beim Stand von 24:17 entschieden. Am Ende gewann der TV Großsachsen verdient mit 34:24.
Der TSB Horkheim trifft am zweiten Weihnachtsfeiertag in der Porsche-Arena Stuttgart auf die Nachwuchsmannschaft des RSZ „Handballakademie“ Göppingen – die Halle ist ausverkauft, denn im Anschluss empfängt Frisch Auf den TBV Lemgo. Das nächste Spiel in der Oberliga steht für den TSB erst am 12. Januar auf dem Plan. Gast in der Stauwehrhalle ist dann Phönix Sinzheim. ro
Quelle: http://www.stimme.de