„Im Endeffekt werden nur zwei Punkte vergeben“
Handball: TSG Haßloch erwartet am Samstagabend in der Pfalzhalle den TV Hochdorf zum Derby – Einsatz von Borodovskis fraglich
Hassloch. Einmal pro Saison zieht der Handball-Drittligist TSG Haßloch für ein Heimspiel in die Pfalzhalle in der Dorfmitte um: Wenn der nur knapp zehn Kilometer entfernt beheimatete TV Hochdorf zu Gast ist, verlassen die Haßlocher ihr Sportzentrum. Am Samstag, 19.30 Uhr, ist es wieder so weit, wird das Derby Haßloch gegen Hochdorf angepfiffen. Bereits ab 18 Uhr ist die Kasse in der Pfalzhalle geöffnet.
„Aufgrund der zu erwartenden Zuschauerzahl werden wir dieses Spiel traditionell in der Pfalzhalle austragen – sonst müssten wir sicherlich weit über 500 Zuschauer heimschicken, denn unser Sportzentrum fasst maximal 650 Menschen“, begründet Thomas Müller, Sportlicher Leiter der TSG Haßloch, den Umzug. In den Derbys war es immer hoch hergegangen: Im März 2011 hatte der TVH mit einem 31:26-Heimerfolg die Haßlocher runter in die Oberliga geschickt. 2014 hatte der Oberligist TSG den damaligen Dritten der Dritten Liga, TV Hochdorf, im Pfalzpokal-Finale mit 29:24 bezwungen. 2015 hatte die TSG als Aufsteiger beim 34:24 (19:13)-Erfolg den Gästen aus dem Rhein-Pfalz-Kreis keine Chance gelassen. 1400 Zuschauer hatten das Derby in der Pfalzhalle verfolgt. Auch der heutige TSG-Coach Tobias Job war im Publikum gewesen. „Für Haßloch ist das ein besonderes Spiel – es wäre gelogen, wenn wir das nicht sagen würden“, betont er. Um sich an die Pfalzhalle zu gewöhnen – dort ist das Spielfeld an drei Seiten von Zuschauersitzen eingerahmt – lässt Job seine Männer seit vier Wochen zusätzlich freitags dort trainieren. Diese Woche gab es gar drei Übungseinheiten in der Halle des Pfälzer Handballverbandes.Die Freitagsübungsstunden sind allerdings nicht allein dem Derby geschuldet. Denn zum Ende der Woche sollen die beiden kurzfristig zu Saisonbeginn verpflichteten und nicht in der Region arbeitenden Neuzugänge Sebastian Winkelmann und Andreas Röll weiter integriert werden. Rückraumspieler Winkelmann und Torwart Röll helfen bei der TSG aus, weil mit Kevin Seelos, Sebastian Schubert und Daniel Schlingmann gleich drei wichtige Spieler mehrere Wochen verletzt ausfallen. Andreas Röll hatte zunächst für ein Spiel seine Hilfe zugesagt. „Ich helfe aus, so lange Daniel verletzt ist“, sagt der Orthopäde nun, der den gebrochenen Daumen von Schlingmann auch behandelt. „Es ist kein einfacher Bruch gewesen – ich gehe davon aus, dass Daniel zwei, eher drei Monate ausfällt“, informiert der Arzt, der gerade aus dem Urlaub gekommen war, als ihn der Hilferuf aus Haßloch ereilte. „Handballmäßig hatte ich eigentlich seit zwei Jahren Ruhe“, verrät der 40-Jährige. Ende der vorvergangenen Runde habe er noch in der Südbadenliga bei HC Hedos Elgersweier ausgeholfen. „Die Reflexe sind noch da“, sagt Röll, aber man merke ihm schon an, dass die Spielpraxis fehle. Sein Muskelkater halte sich aber in Grenzen, da Tobias Job die Übungseinheiten für ihn „dosiert“. Röll schmunzelnd: „Die Sprintsachen muss ich nicht mehr mitmachen ...“
Röll und Job kennen sich seit der Grundschulzeit. „Sein Bruder Alexander ist mein Jahrgang, wir sind in dieselbe Schulklasse gegangen“, berichtet der Tormann. Für ihn schließt sich nun in Haßloch ein Kreis: „Als junger Spieler habe ich in Haßloch bei den Männern unter Trainer Manfred Müller angefangen. Und jetzt mit 40 beende ich dort meine Karriere.“ Röll war zudem vor drei Jahren TSG-Torwart, als Haßloch am letzten Saisonspieltag als Oberliga-Spitzenreiter nach Budenheim gereist war, dort das Spiel verloren und damit den Aufstieg in Liga drei verspielt hatte. „Es macht Spaß, dass ich so was jetzt noch miterleben darf“, sagt er zu seinen Drittliga-Einsätzen und seinem Team. „Ich bin begeistert von der Truppe.“ Bisher habe immer sein Torwart-Kollege Ilan Eigenmann von Beginn an gespielt. Kein Problem für Röll: „Das war absolut gerechtfertigt. Ilan bringt gute Leistungen im Training und im Spiel.“
Im Vergleich zu seiner Oberliga-Zeit bei der TSG seien nun ganz andere Spielertypen dabei, die Handballer seien athletischer, hat Röll beobachtet. Die TSG-Mannschaft habe Entwicklungspotenzial. „Tobias Job ist einer, der das Spiel verstanden hat – Haßloch wird aus meiner Sicht eine ganz andere Rolle spielen als in der vergangenen Saison“, lobt der Torwart Mannschaft und Trainer.
Andreas Röll hat früher nicht nur in Haßloch, sondern auch schon 2011 in Hochdorf zwischen den Pfosten gestanden. „Für mich ist das ein normales Spiel, ich nehme das ganz locker“, sagt er, rechnet aber mit einem „vollen Haus“. „Im Endeffekt werden aber nur zwei Punkte vergeben.“
Die TSG und der TV haben Personalsorgen. Neben den TSG-Langzeitverletzten waren kürzlich noch Dominic Hartstern (Magen-Darm-Grippe) sowie Michal Kurka (Adduktorenreizung) ausgefallen. Job: „Am Samstag sollten beide dabei sein.“ Ein Fragezeichen steht hinter dem Einsatz des grippekranken Rückraumspielers Elvijs Borodovskis. Der Linkshänder nimmt jeweils Platz drei in der Liga-Torschützenliste mit 28 Treffern sowie in der Siebenmeterschützen-Liste (11/11) ein. Job: „Er konnte diese Woche nicht trainieren, ich hoffe, dass er spielen kann.
Der Gegner: TV Hochdorf mit „Acht-Mann-Kader und Robin“
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„Wir freuen uns total auf dieses Spiel“, erklärt TV Hochdorf-Trainer Stefan Bullacher vor dem Derby bei der TSG Haßloch. „Die Halle wird voll. Das macht richtig Spaß.“ Trotz seines Rumpfkaders verspricht er deshalb eine hochmotivierte Hochdorfer Truppe in der Pfalzhalle.
„Es gab keine Wunderheilungen“ – auch nach einer Woche Spielpause wurde der TVH-Kader nicht größer. Im Gegenteil: „Die Verletzung von Christopher Klee hat sich als schwerwiegender herausgestellt, als zunächst vermutet.“ Der 23-jährige Zwei-Meter-Mann fällt mit einer Muskelverletzung im Oberschenkel längerfristig aus, mit Steffen Bühler fehlt ein weiteres Schwergewicht in der Abwehr. „Wenn wir jetzt beim Boxen wären, dann geht das Wiegen klar an Haßloch“, sieht Bullacher die körperlichen Vorteile bei den Gastgebern. Das werde sich auch auf die eigene Spielweise auswirken. „Wenn Haßloch kompakt kommt, müssen wir im Angriff eben flexibler sein. In der Abwehr brauchen wir schnellere Beine.“ Und mit kompakten Gastgebern rechnet Bullacher auf alle Fälle: „Tobias Job macht da einen super Job. Seine Mannschaft tritt sehr homogen auf und deckt unglaublich gut.“
Immerhin gab es seit dem jüngsten Spiel, dem deutlichen Heimsieg gegen die SG Köndringen/Teningen vor zwei Wochen, auch Lichtblicke im Hochdorfer Lazarett: Daniel Lanninger trainierte nach seinen Rückenproblemen wieder mit, steht ebenso in der Aufstellung wie, erstmals in dieser Saison, auch Junioren-Nationalspieler Robin Egelhof. Der war seinem Trainer vor dieser Runde vom SV 64 Zweibrücken nach Hochdorf gefolgt und ist nach seiner langen Fußverletzung wieder im Aufbautraining. „Damit wird er zwar sicher keine 40 Minuten Einsatzzeit bekommen, aber er gehört zum Kader und ist für Kurzeinsätze vorgesehen“, verrät Bullacher, der, wie schon in den ersten Saisonspielen, von „einem Acht-Mann-Kader und Robin“ spricht.
Die Favoritenrolle will er damit aber nicht den Gastgebern überlassen: „Es ist ein Derby. Ich erwarte ein Kampfspiel, in dem es auf die Abwehrreihen ankommen wird.“ Ein Spiel, dass über die Einstellung gewonnen wird. Als Beispiel blickt er zurück in die Vorsaison: „Da wurde Hochdorf hervorragender Dritter, während Haßloch gerade so die Klasse gehalten hat. Aber im direkten Duell gab es für den TVH in Haßloch eine deutliche Klatsche, und zu Hause reichte es gerade mal so zu einem Unentschieden.“ Gemeinsam mit seinen Spielern arbeitet er daran, dieser Tendenz morgen, Samstag, entgegenzuwirken.