HBW quält sich in Münster zum 32:26
Nach dem Spiel waren sich im Münsterer Lager alle einig – Der Spitzenreiter war nicht in
bester Verfassung beim Aufsteiger aufgelaufen. Dass HBW trotzdem mit zwei Punkten die Heimreise antrat, lag unter anderem daran, dass Gastgeber Münster zu viele Fehler beging, um Balingen/Weilstetten ernsthaft zu gefährden.
Balingen/Weilstetten begann ohne Jörg Kunze, bei Münster fehlte weiterhin Steffen Weber. Überraschungen gab es im Tor beider Teams – bei den Hausherren fing Christoph Lehnert an, bei HBW startete Jürgen Müller. Von Beginn an drückte der Gast aufs Tempo. Münster war anfangs indisponiert, die Gäste konnten auf 1:5 (7.) wegziehen. Wer allerdings dachte, dass die Gäste einen gemütlichen Ausflug vor sich haben würden, sah sich schnell getäuscht. Münster kämpfte sich wieder heran und konnte nach 10 Minuten durch einen Konter von Carsten Bengs wieder ausgleichen 85:5, 10.). Der Tabellenführer konnte die Führung wieder zurückerobern und führte wieder mit zwei toren 88:10), als sich Münster eine doppelte Unterzahl leistete – Bengs ging wegen Foulspiels und Häusler folgte direkt wegen Reklamierens. Statt die eigene Führung auszubauen, baute HBW den Gegner auf. Der angeschlagene Spielmacher Alexander Job („Ich bringe zur Zeit bestenfalls fünfzig Prozent meiner Leistung.“) leistete sich einen Lustwurf, den Christoph Lehnert parierte. Kaum war Münster wieder komplett, musste sich Ziad Rejab mit einer Zeitstrafe verabschieden.
Nach 20 Minuten kam dann Konrad Bansa bei einem Siebenmeter von Alexander Job ins Tor der TSG. Job verwarf und Bansa blieb im Tor. Die Minuten bis ur Halbzeit sahen ein offenes Spiel. Ziad Rejab zeigte einen spektakulären Seitfallwurf zum 10:12. In der 27. Minute wechselte dann auch HBW den Torwart und Milos Slaby kam ins Spiel. Kurz vorher hatte Dr. Rolf Brack in einer Auszeit seine Mannschaft neu eingestellt. Balingen/Weilstetten wechselte im gesamten Spiel häufig, alle Spieler hatten Spielanteile – was dem Spielfluss nicht immer gut tat. Aber der Primus dachte bereits an die Zukunft, wie Alexander Job nach dem Siel anmerkte: „Wir haben am kommenden Wochenende das Spiel der Spiele in Dormagen. Bis dahin müssen wir die angeschlagenen Spieler gesund pflegen und wieder fit werden. Auch deshalb haben wir soviel gewechselt.“ Kurz vor der Halbzeit scheiterte Wolfgang Strobel völlig unbedrängt mit einem Heber vom Kreis, Rejab erzielte im Gegenzug das 12:15 für Münster. Der Tabellenführer antwortete mit einer lehrbuchhaften schnellen Mitte, die Alexander Job sehr zum Ärger von Torwart Conny Bansa zum 12:16 abschließen konnte. Die TSG schaffte dann immerhin noch das 13:16.
Münster starte mit einer 5:1 Abwehr mit Carsten Bengs auf Vorne-Mitte in den zweiten Abschnitt. Weiterhin lieferten beide Teams ein sehr fehlerbehaftetes Spiel ab, wie auch die Trainer nach der Begegnung feststellten: „Wir haben heute für unsere Verhältnisse viele technische Fehler, Fehlwürfe oder Ballverluste gehabt.“ Ähnliches musste auch Heinz-Josef Embs über sein Team feststellen: „Wir haben kein schlechtes, aber auch kein überragendes Spiel abgeliefert. Um zu gewinnen hatten wir eine viel zu hohe Fehlerquote.“ Letztlich scheiterte Münster immer dann, wen sie auf dem Weg waren, den Abstand deutlich zu verringern, an sich selbst. HBW agierte bei weitem nicht so souverän wie in vergangenen Partien. Da nahmen die Spieler um Jens Bürkle die Fehler der Hausherren dankbar an. Torwart Bansa kassierte wegen eine allzu lauten Beschwerde eine Zeitstrafe bei einem Siebenmeter, da auch Eryk Kaluzinski in der gleichen Situation hinausgestellt wurde, musste Münster 4 gegen 6 spielen. Im Angriff wurde zu häufig aus schlechten Positionen geworfen, in der Abwehr kamen die Häusler und Co. oft einen Schritt zu spät. Mit fortschreitender Spieldauer zeigte sich auch Balingen/Weilstettens größte Stärke an diesem Abend: Der Tabellenführer konnte beliebig durchwechseln, ohne das ein Bruch im Spiel erkennbar war. Die Gastgeber dagegen mussten immer mehr auf den schieren Willen setzen, um im Spiel zu bleiben. Trainer Heinz-Josef Embs stellte dies nach dem Spiel klar heraus: „Balingen/Weilstetten kann wechseln, ohne das ein Bruch entsteht.“ Sein Linksaußen Carsten Bengs pflichtete bei: „HBW steht nicht umsonst in der Tabelle vorne. „Eine durchschnittliche Leistung reicht halt nicht, um gegen Balingen zu gewinnen. Da muss bei uns schon alles passen. Wir hatten heute sicher Chancen, aber HBW hat jeden unsere Fehler bestraft und konnte immer wieder neue Spieler bringen.“
Heinz-Josef Embs gab weiten Teilen seiner Mannschaft Spielanteile, um die Belastung möglichst zu verteilen, schließlich hatte er in Rejab, Thomas Mauch und Eryk Kaluzinski nur drei gestandene Rückraumspieler im Aufgebot. Trotzdem fiel Eryk Kaluzinski mit einem Krampf zehn Minuten vor Ende aus. Die TSG kroch nun sprichwörtlich auf dem letzen Zahnfleisch. Der kämpferischen Einstellung des Teams tat die Personalnot keinen Abbruch. Münster versuchte mit einer offensiven Abwehrvariante Balingen/Weilstetten noch einmal in Bedrängnis zu bringen. Und der Tabellenführer zeigte Nerven: Daniel Sauer leistete sich einen Wechselfehler, wenige Minuten später musste der 24jährige mit der dann dritten Zeitstrafe herunter. Unmittelbar nach dieser Situation warf Markus Roßmeier, der ein eher schwaches Spiel ablieferte, einen Siebenmeter an die Latte. Ein „Knackpunkt“ wie Heinz-Josef Embs anmerkte. Statt 26:28 stand es postwendend 25:29, nachdem Martin Strobel mit seinem fünften Treffer erfolgreich war.
Dr. Rolf Brack war nach dem Auswärtssieg zufrieden: „Wir hatten großen Respekt vor der TSG. Sie spielt einen Superhandball. Ich bin glücklich, dass wir sie in Schach halten konnten.“ Großen Respekt nötigte ihm die läuferische Klasse des Gegners ab: “Was der Gegner insbesondere in der Rückzugsbewegung abgeliefert hat, war mit das Beste, was unsere Gegner bislang gezeigt haben.“ Tatsächlich war Münster auf das schnelle Spiel der Gäste gut eingestellt. Im Angriff versuchten die Gastgeber immer wieder mit Übergängen an den Kreis die Defensive von HBW zu knacken. Der Rückraum versuchte sich dann allerdings zu häufig in Distanzwürfen, anstatt das Spiel über den Kreis zu suchen. Torwart Conny Bansa haderte den auch nach dem Spiel: „Wir hatten heute eine echte Chance. Es wäre mehr drin gewesen, wenn wir eine geringere Fehlerquote gehabt hätten.“ Sein Trainer sah es ähnlich: „HBW war nicht so stark, wie ich sie in anderen Spielen gesehen habe.“ Dr. Rolf Brack konnte sich nur anschließen: „Unser Sieg war letztlich verdient, aber sicher auch ein wenig glücklich.“ Für die Gäste begann bereits auf der Rückfahrt die Vorbereitung auf das Spiel der Spiele in Dormagen. Dr. Rolf Brack präsentierte seinen Spielern ein Video vom Gegner. „Ich freue mich riesig auf das Spiel in Dormagen“ verkündete der HBW-Coach nach der Partie in Münster: „Wir haben in Dormagen nichts zu verlieren, statt desen wollen wir da einen entscheidende Schlag setzen.“ Die Vorbereitung in Münster ist zwar holprig gewesen, aber zumindest erfolgreich.
TSG Münster – HBW Balingen/Weilstetten 26:32 (13:16)
TSG Münster:
Bansa (20. – 60. / 9 Paraden), Lehnert (1.-20. / 5 Paraden);
Rejab (5/1), T. Mauch (3),Clasen, Kaluzinski (6), Rossmeier (2), Bengs (2), Häusler (1), Zapototschny (5), M. Mauch, Kalmann, Christmann, Brendemühl (1), Krekel
HBW Balingen/Weilstetten:
Slaby (27. – 60. / 11 Paraden), Müller (1.-27. / 5 Paraden);
Haller, Job (7/6), Lobedank (2), Sauer (1), Hebisch (1), Ettwein (4), Wolfgang Strobel (5), Martin Strobel (5) Bürkle (3), Klüttermann (3), Illitsch, Kainmüller (1)
Zeitstrafen: 7 (Bansa, Bengs, Häusler 2x, Kaluzinski, Clasen, T. Mauch) - 7 (Sauer 3x, W. Strobel 2x, Klüttermann, Illitsch)
Siebenmeter: 4/1 (Rejab scheitert an Slaby, Roßmeier an die Latte, Kaluznski scheitert an Slaby) - 10 / 6 (Job an den Pfosten, Job scheitert an Lehnert, Kainmüller scheitert 2x an Bansa)
Zuschauer: 400
SR: Kuntz / Schmitz