Das war wirklich mal wieder Handball pur und hat gezeigt, warum Handball so ein geiler Sport ist! Es war von beiden Mannschaften kein perfektes Spiel, aber es gab so viele Wendungen, das wirklich viel Gebote wurde.
Ich habe es sehr stark als eine Partie System gegen individuelle Klasse wahrgenommen. Die Füchse begannen wirklich sehr nervös, und bei einem 6-Tore-Rückstand nach 15 min. war Schlimmes zu befürchten. Dann stellte Sigurdsson die Abwehr um, Stochl kam für Heinevetter, vor allem aber ließ er ein asymmetrisches 4-2 System mit Löffler und Reichwien vorgezogen auf der Mitte und Halbrechts, mit beinahe-Manndeckung gegen die jeweiligen HSVler (zumeist Duvnjak und Djordjic) spielen, gegen das der HSV überhaupt kein Mittel fand. Innerhalb von 10 min. drehte das Spiel aus Füchse-Sicht von -6 auf +3.
In der ersten Hälfte der 2. HZ verwalteten die Füchse zunächst den Vorsprung. Die Hamburger fanden sich etwas besser mit der Deckung (die bis zum Schluss durchgehalten wurde) zurecht, indem vor allem Mahé nun öfter von Außen in die Mitte zog und für Gefahr sorgte. Dann kam etwas Hektik ins Spiel, die Füchse haderten mit undurchsichtigen Zeitstrafen, vor allem aber zeigte sich der große Nachteil des Füchse-Systems: Die Abwehr-Spieler Nielsen, Richwien und Löffler waren durch die spezielle Deckung so gebunden, dass sie durchspielen mussten, auch Horak hatte durch das Fehlen von Christophersen keine Pause, und der Wechsel Igropulo-Wiede kam zu spät und für den unerfahrenen Wiede zur Unzeit. Hamburg hingegen konnte einen Spieler nach dem anderen von der Bank bringen. Die Füchse haben es kräftemäßig einfach nicht über die Runden gebracht. Den entscheidenden Gegenstoß hat Löffler, der ansonsten das Spiel seines Lebens gemacht hat, leider verworfen. Trotzdem war es ein sehr gelungener Handballabend mit zwei ironischen Momenten:
Ironie 1: Feierlich wird die Verlängerung von Heinevetter bekannt gegeben, der jedoch kaum ein Ball zu fassen bekommt, während Stochl eine Weltklasse-Leistung abliefert.
Ironie 2: Fredrik Petersen, bekanntlich von Hamburg nach Berlin gewechselt, weil er systembedingt in Hamburg zu wenig spielte und so seine Klasse nicht entfalten konnte, wurde bei seinem ersten offiziellen Füchse-Auftritt ausgerechnet gegen Hamburg nach 15 min. systembedingt ausgewechselt und hat den weiteren Abend auf der Bank verbracht.