Qualis!
Zwei Qualis hatte Harmi als Trainer hinter sich. Spannung pur, jedes mal im letzten Spiel den Einzug in die höchste deutsche Jugendspielklasse mit seinen Mädels geschafft. Das hat so viel Nerven gekostet, dass Harmi mal ein wenig Pause brauchte. Die Jugendwartin hatte für ihn die weibliche B2 ausgesucht, aber die spielen noch bis Anfang Mai. Also macht Harmi mal zwei Monate Handballpause und freut sich darauf, nach fünf Jahren seiner Tochter mal wieder von der Tribüne beim Spiel zuzusehen. Die B1 ähnelt der Truppe, die Harmi in der vorletzten Saison an den Rande des Wahnsinns getrieben hatte. 
Erstes Turnier. Harmi hat seinen Smart Forfour gesattelt und düst mit drei Mädels über die A1 ins Cloppenburgische. Schicke Halle! Cafeteria auch gut besetzt, da kann ja nix schief gehen. Der leckere Senf nötigt Harmi zu drei Bockwürstchen.
Harmis Ex-Mädels spielen 3:2:1. Interessant anzusehen, wie einige Angreiferinnen verzweifelt den Ball abspielen, da sie ständig einer Überzahl gegenüberstehen. Der erste Gegner besteht nahezu nur aus einer bärenstarken Linksaußen, die fünf von sechs Buden macht, der zweite Gegner hat eine Linkshänderin, die sieben von acht Toren ihrer Mannschaft aus dem Rückraum erzielt. Zickenbändiger hätte sich mit Harmi an diesem Mädel erfreut. 
Zwei Spiele gewonnen, nächste Runde erreicht. Im letzten Spiel gegen den ebenfalls zweifachen Sieger geht es nur noch um den ersten Platz, der dazu berechtigt, in der zweiten Runde Ausrichter zu sein. Cafeteria bringt ja immer was in die Mannschaftskasse….
Auch das letzte Spiel wird gewonnen. Megaspannendes Spiel. Gegners Trainer zieht die Sympathie einer ganzen Halle auf sich, als er zu einer verletzten Spielerin aufs Feld gewunken wird und erst mal die fünf Mitspielerinnen einzeln zusammenscheißt. Keine Reaktion der Schiris…. 
Zweite Runde, Heimrecht.
Harmi bekommt die ehrenvolle Aufgabe der Aufsicht aufgedrückt. Schiris betreuen, Gegner begrüßen, Turnierablauf überwachen, usw. Da Harmis Frau auf Kegeltour ist, ist Harmi auch noch für den Cafeteria-Teil der Familie Harmi zuständig. Fünf Fitnessbrötchen und Trockentücher stehen auf dem Sonntagzurqualimitbringenzettel. Fitnessbrötchen? Na ja, notfalls kann man die Dinger ja fertig kaufen, immer noch besser, als Kuchen backen.
Sonntag, 8:00 Uhr. Harmi fährt zur Bäckerei. Dort gibt es Sonntags allerdings keine Fitnessbrötchen, die Verkäuferin erklärt Harmi liebenswerterweise, wie man die Dinger selbst macht. Also muss Harmi selber ran. Auch das noch! Hätten es nicht ein paar Zwiebäcke mit Butter und Zucker getan? Zur nächsten Cafeteria bringt Harmi zwei Gläser Heißwürstchen und Senf mit! Oder ne Kühltasche voll Bier für das „Apres Quali…". 
Harmi schmiert und belegt die Brötchen liebevoll, sucht Trockentücher und fährt mit Jenne zur Halle. Erster! Harmis Lieblingsmütter der vorletzten Saison treffen auch gerade ein. Klar, dass die nicht fehlen durften. Bevor Harmi sich über die Einteilung der Mitbringsel für die Cafeteria beschweren kann, haben die beiden Powerfrauen ihm schon den Wind aus den Segeln genommen. „Mensch Harmi, wo kriegt man denn so tolle Fitnessbrötchen? Die hast du doch nicht selbst geschmiert?“
Edda steht kurz vor ihrer dreiundzwanzigsten Fast-Ermordung durch Harmi. Klara kennt Harmi besser, weiß, dass er der perfekte Hausmann ist, lobt ihn für die tollen Brötchen und bittet ihn, den mitgebrachten französischen Antlantik-Kies und die Norderney-Muscheln gemeinsam mit den Teelichtern auf den Tischen zu einem netten Arrangement zu drapieren. Ja nee, is klar…. 
Dann geht sie in die Küche und fragt, ob die „superschicken“ bunt gemischten Trockentücher aus der Altkleidersammlung stammen. Harmi steht kurz vor einem zweifachen Mord an zwei Powerfrauen und erklärt Klara, dass es sich um ein sorgfältig zusammen gestelltes Ensemble aus Bertas Aussteuer sowie dem Nachlass seiner Urgroßmütter mütterlicherseits handle und er die Dinger eigentlich immer zum Fahrrad putzen gebrauche. Und aufgrund der vielen bunten Farben ließe sich sicher eins finden, das Klara dann als Schürze passend zur Tischdeko tragen könne, falls ihre Bluse sich mit den Servietten beißt. Die kurzzeitige Sprachlosigkeit nutzt Harmi, um sich in die Halle abzusetzen und dort das Turnier vorzubereiten. Der hinterher fliegende Sack voll Ikea – Teelichter verfehlt Harmi nur knapp.
Turnierbeginn. Unsere Mädels sind gut eingestellt und gewinnen das erste Spiel.
Harmis Job als Aufsicht ist nicht so spannend, da muss man sich mit Kaffee wach halten. Harmis Fitnessbrötchen waren übrigens schneller ausverkauft als der frische Erdbeerkuchen. Die Tischdeko kommt gut an, vor allem bei kleineren Kindern. Klara dürfte abends einen immensen Verlust an Muscheln zu beklagen haben.
Das zweite Spiel verlieren die Mädels leider. Also Spannung bis zum letzten Spiel.
Die ersten beiden Mannschaften sind für die Landesliga qualifiziert und dürften dann auch an der Quali zur Oberliga Nordsee teilnehmen. Da könnte Klara dann bei einem Auswärtsspiel gegen Cosmos Neuharlingersiel, Barfuß Baltrum oder Rückwärts Helgoland ihre Tischdeko wieder aufstocken. 
Endlich das letzte Spiel. Nach kurzen Anfangsschwierigkeiten fangen sich die Mädels und besiegen den Gegner deutlich. Uff, geschafft. Schiris bezahlen, aufräumen und dann ab in die Cafeteria. Der prall gefüllte Kühlschrank hatte wohl ein Problem mit dem Thermostaten. Sechs Flaschen sind geplatzt, der Rest der Hopfenkaltschalte lässt sich nur lutschen. Nächstes mal muss unbedingt ein Mann bei der Cafeteria helfen, das geht ja gar nicht!
