Testspiel. Heute wird mal alles getestet, was in den letzten Meisterschaftsspielen zu kurz gekommen ist. Mary und Jenne konnten sich gegen unsere Mutantengegner am Kreis nicht so wirklich in Szene setzen, teilweise waren sie hinter den Fleischbergen gar nicht zu sehn. Rückraumspielerinnen haben wir viele, da muss unsere Athletin Caro mal am Kreis ran. Die guckt zunächst wie ein frisch befruchtetes Eichhörnchen, als Harmi ihr den genialen Schachzug mitteilt. Kurze Erläuterung, wie sie sich zu verhalten hat und los geht’s.
Im letzten Testspiel gegen den gleichen Gegner hatte Harmi pflichtbewusst versucht, der RTK zu folgen und eine sehr offensive Verdrängerabwehr gespielt. Unser Gegner hatte es dankbar angenommen und uns in Grund und Boden gespielt. Gleichzeitig hatte der 1:5-Riegel unserem Rückraum nur wenig Entfaltungsmöglichkeiten gegeben. Also weniger Offensive, mehr einrücken, fallen lassen, usw. Vorne viel Parallelstoß geübt. Und natürlich Harmis Lieblingsübungen: Über den Block werfen, Freiwürfe, usw.
Küken und Zwerg Lisa darf zunächst auf der Spielmacherposition ran. Während „Groß-Caro“ am Kreis wühlt, mischt „Klein-Lisa“ den Rückraum zwischen den beiden „Langen“ Hanni und Nanni auf. Ein göttliches Bild. Den ersten genialen Pass von unserer eineinhalb Köpfe kleineren Spielgestalterin bekommt Caro auf die Nase, weil Harmi ihr nicht gesagt hatte, dass sie natürlich auch Bälle fangen und in Richtung generisches Tor befördern darf. Freiwurf, weil sie geschubst wurde. Caro und Nanni stellen eine Mauer, Hanni läuft an und semmelt das Ding in den Winkel. Gegners Eltern staunen auf der Tribüne. Das hatten sie wohl noch nie gesehen, dass bei einem Freiwurf zwei Spielerinnen eine Mauer machen und ein großes Mädchen die Frechheit besitzt, aus zehn Metern aufs Tor zu dreschen. ![]()
Beim zweiten Pass steht Caro im Kreis, den dritten Zuckerpass von Hanni nimmt sie an und setzt sich mit aller Kraft gegen die Wurfhand in Richtung Tor durch. Warum nur Freiwurf? Diesmal läuft Nanni anund dröhnt die Kugel gegen die Latte. Ein Raunen geht durch die Halle. Unser Gegner konzentriert sich jetzt etwas mehr auf Caro, was Hanni und Nanni gleich mal zu weiteren Rückraumtoren über den Block nutzen. Der Gegner wird jetzt etwas offensiver, während die Zuschauer lebhaft diskutieren.
Caro macht sich fürs erste Mal ganz gut am Kreis. Sabine kommt für Nanni, zieht gleich einen Stemmwurf aus zehn Metern in den Winkel ab und wird im weiteren Verlauf des Spiels auch angegriffen. Lisa will Caro unbedingt ein Erfolgserlebnis bescheren, sagt einen vermeintlichen Spielzug für Sabine an und bedient Caro nach einer Passtäuschung aus vollem Lauf. Die lässt sich nicht zweimal bitten und zeigt, dass sie auch vom Kreis aus das Tor treffen kann. Unser Fanblock aus fünf Zuschauern ist lauter als der Heimblock, nicht zuletzt dank Johanns lautstarken und sachkundigen Kommentaren: „Schöööön, toll gespielt, super gesehen, usw.“ ![]()
Prima, erste Erkenntnisse gewonnen, Umstellung. Lisa hat Kopfschmerzen von Johanns lautstarker Unterstützung und muss sich ausruhen. Jenne geht an den Kreis, Caro wandert in den Rückraum. Das Spiel verliert dadurch zwar an technischem Niveau, gewinnt aber enorm an Athletik. Jenne hat ein Video vom letzten Meisterschaftsspiel gesehen. Harmi hatte ihr gezeigt, wie Gegners Kreisläufer immer wieder sperrte, sich freilief, zum Doppelpass anbot, usw. Sie scheint es verinnerlicht zu haben und sperrt sich die Füße wund, stößt in Lücken und steht mehrmals völlig frei. Caros Pässe kommen allerdings viel zu hart, Hanni wird jetzt konsequent angegriffen und Sabine guckt nur beschämt zu ihrem Vater. ![]()
Zweite Halbzeit. Kaum ist Lisa wieder auf dem Feld, macht auch Jenne ein Tor vom Kreis. Unsere Linksaußen haben sich bisher im Ball zurück spielen überboten. Also darf Lotta aus der D-Jugend dort mal ran. Die versenkt gleich drei Dinger hintereinander. Staunen auf der Bank. „Wie oft darf die eigentlich bei uns mitspielen?“ Als Harmi den Mädels erklärt, dass Lotta theoretisch bei jedem C-Jugendspiel mitspielen dürfe, wechseln gewisse Gesichtsfarben in ein dezentes blass.
Sprint- und Wurfwunder Nadine hatte bisher meistens Linksaußen gespielt, da der Positionsangriff und der Parallelstoß nicht ihr Ding sind. Heute muss sie auch mal im Rückraum ran. Es dauert nicht lange, und Torhüters Hände tun weh. Schade, wenn man an den Ball kommt, und der trotzdem ins Tor geht…. Das gibt Auftrieb. Nadine steht sich zwar ohne Ball immer noch die Füße auf ihrem Quadratmeter platt, geht aber nach Ballannahme sofort auf Konfrontationskurs mit ihrer Gegenspielerin, die sie mehrfach nur mit unfairen Mitteln bremsen kann. Der letzte Lattenkracher beschert dem Hausmeister einen neuen Ausbeulsatz für das Alutor.
In der Abwehr läuft es auch rund. Nix mit austanzen lassen! Abwehr scheint Spaß zu machen, wenn man nicht bei 13 Metern rumturnen muss. Aufrücken, zurückfallen lassen, Ballseite verdichten, das sieht doch gut aus. Unser Gegner hat flinke Spielerinnen und spielt gerne mit Tempogegenstößen. Nadine läuft mal wieder Sportabzeichenweltrekord und nimmt gleich dreimal hintereinander ihrer Gegnerin ein paar Meter ab, um sie dann allerdings etwas unsanft zu bremsen. Das üben wir noch…. ![]()
Dann das: eine quirlige Gegenspielern spielt Caro den Ball aus der Hand. Das hätte sie besser nicht tun sollen. Caro setzt ihre Hasskappe auf, verfolgt sie, holt sie ein und drängt sie mit vollem Körpereinsatz Richtung Tribüne. Nur ein „Caro lass“ – Schrei von Harmi hält sie davon ab, ihre Gegnerin in Eishockeymanier gegen die untere Sitzreihe zu drücken oder zum Frühstück zu verarbeiten.
Spielschluss. Wir haben sogar gewonnen! Harmi und Karlchen sind zufrieden. Selbst Klara mit ihren bescheidenen Handballkenntnissen hat bemerkt, dass es ein tolles Spiel war und freut sich mit uns. Johann spricht lauthals vom „besten Spiel, was er je gesehen hat“ und Gegners Eltern diskutieren mit ihm, ob es erlaubt ist, aus zehn Metern aufs Tor zu werfen. ![]()
Gruß, Harmi