Hier ein aktuelles Interview aus der Schwäbischen Zeitung:
Das ist nur eine Momentaufnahme!“
HSG Konstanz-Coach Daniel Eblen misst derzeitiger Tabellenführung keine allzu große Bedeutung bei
Plötzlich spitze: Nach Spieltagen führt die HSG Konstanz überraschend die Tabelle der 3. Handball-Liga an. Am Samstag (20 Uhr) reist die Mannschaft von Trainer Daniel Eblen (Foto) zum Spitzenspiel beim punktgleichen Verfolger TV Germania Großsachsen. (Foto: ded)KONSTANZ / sz 2001 war es, als der HSG Konstanz der Sprung in die zweithöchste Spielklasse gelang. Drei Jahre gehörte die seit 1980 bestehende Handball-Spielgemeinschaft der 2. Bundesliga an, ehe sie wieder in die Regionalliga zurück musste. Neun Spieltage sind nun in der aktuellen Saison gespielt, und die HSG Konstanz führt die 3. Liga Süd mit 14:4 Punkten und 248:211 Toren an. In der Schänzle-Halle gelangen vier Siege in vier Heimspielen, zuletzt triumphierten die Konstanzer im Südbaden-Derby gegen Köndringen/Teningen klar. im Gespräch mit SZ-Mitarbeiter Jochen Dedeleit analysierte Trainer Daniel Eblen den derzeitigen Höhenflug.
SZ: Platz eins in der Tabelle der 3. Liga Süd: Haben Sie sich die Tabelle ausgeschnitten?
Daniel Eblen (lacht):Nein. Nach einem Drittel der Saison ist das ja nur eine Momentaufnahme und bei dieser starken Liga kann das in ein, zwei Wochen ganz anders aussehen. Außerdem schaue ich lieber die Videos über unsere kommenden Gegner anstatt auf die Tabelle.
SZ: Müssen Sie Ihre Spieler derzeit bremsen oder nehmen die den Erfolg so gelassen auf wie ihr Trainer?
Eblen: Bremsen muss ich die Jungs definitiv nicht. Die sind alle mit so einer extremen Ernsthaftigkeit bei der Sache, dass man hat das Gefühl hat, dass jeder sich ständig weiterentwickeln will. Diese Ernsthaftigkeit überrascht mich immer aufs Neue und zeigt, wie bodenständig diese Spieler sind.
SZ: Was sind für Sie die Hauptgründe dieser Erfolgserlebnisse?
Eblen: Es war wirklich nicht davon auszugehen, dass wir in Hochdorf (32:31-Sieg, d. Red.) ein solches Spiel in den letzten vier Minuten noch einmal drehen und dass wir in Köndringen (28:18) auf eine personell dermaßen geschwächte Mannschaft treffen. Was Köndringen passiert ist, hätte auch uns passieren können und ist uns auch schon in dem einen oder anderen Jahr passiert.
SZ: Kann die HSG bis zum Schluss um die Plätze ganz vorne mitspielen?
Eblen: Im Moment gehören wir tatsächlich zu den Vereinen, die oben mitspielen. Wohlgemerkt, im Moment. Spiele wie das jetzt anstehende gegen den Tabellenzweiten Großsachsen, Kirchzell (5.), Friedberg (4.), Neuhausen (11.) und so weiter liegen alle noch vor uns, bis Weihnachten gibt es keine einzige leichte Partie. Außerdem kann man sagen, dass wir derzeit einen richtigen Lauf haben. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass so ein Lauf abrupt zu Ende ist.
SZ: Sie betonen immer, dass ihre Mannschaft über den Kampf kommt. Vor allem aber gegen Heilbronn hat Ihr Team enormes spielerisches Potenzial gezeigt.
Eblen: Handball ist ein Kontaktsport. Ohne Kampf und Einsatzbereitschaft gewinnt man keinen einzigen Punkt, wenn man nicht drei Klassen besser ist als der Gegner. Wenn Kampf für die Defensive und spielerische Fähigkeiten für den Angriff stehen, kann man sagen, dass wir die Sicherheit der Defensive brauchen, um ohne Druck und mit spielerischen Mitteln in den Angriff gehen zu können. Kampf ist also die Voraussetzung und Basis unseres Spiels.
SZ: Wo sehen Sie die HSG im spielerischen Bereich?
Eblen: Die spielerischen Mittel bei uns sind zweifelsohne vorhanden. Wir haben da in den letzten zwei bis Jahren immer weiter Fortschritte erzielt und sind sehr viel weiter. Das ist auch der zentrale Trainingsinhalt der letzten Monate: Mannschafts,- Gruppen- und individualtaktisch genauer, flexibler und kreativer handeln zu können.
SZ: Gibt es schon Gespräche mit Sponsoren, falls die HSG auch am Saisonende ganz oben steht? Viele Spieler haben ja schon mehrfach den Wunsch nach der 2. Liga bekundet.
Eblen: Ich weiß, dass unser Team im Hintergrund ständig am obersten Limit ehrenamtlicher Tätigkeit arbeitet und jederzeit dabei ist, neue Ideen zu entwickeln und Kontakte zu knüpfen. Da spielt es keine Rolle, auf welchem Tabellenplatz das Team derzeit steht. Aber ein großes Problem ist eben die bundesweite Profi-Liga. Denn wir sind nun einmal die südlichste Mannschaft, was sich in den Reisekosten empfindlich niederschlägt. Und auf Grund von EM- bzw. WM- sowie sonstigen Länderspielpausen dürfte es vermehrt Spiele unter der Woche in Leipzig und am Wochenende vielleicht in Bad Schwartau geben. Dass der Trainingsumfang gesteigert werden muss, ist ebenfalls verständlich. Und ein viel größerer Zeitaufwand bedeutet höhere Personalkosten.
(Erschienen: 09.11.2012 11:50)