Scouting-Abteilung im Sinne von "mehrere Personen" ist sicherlich zu hoch gegriffen und war von mir auch nicht gemeint.
Man sieht ja im Handball durchaus ganz gut, wieviele Personen in welcher Art und Weise gut miteinander auskommen, wenn Vereine das wahrscheinliche Optimum ihrer Transfermöglichkeiten rausholen.
Es braucht einen Trainer, der mit einer klaren Philosophie weiß, was er will, was er für Spielertypen braucht und der auch das Talent hat, solche Spieler zu sichten und zu finden. Dann braucht es einen Manager, der es schafft, die Wünsche des Trainers weitgehend umzusetzen.
Wie ist denn das Konstrukt beim SCM? Man hat einen Trainer, der selbst scheinbar durchaus in der Lage ist, talentierte Spieler zu erkennen und zu bewerten, ob sie in seine Mannschaft und sein Konzept passen. Bisher schien sich dieses Wissen aber nur auf Deutschland zu beschränken - nimmt man jetzt mal Mertens uns Preuß als die Spieler, die vermutlich am ehesten auf Wiegerts Kappe gehen.
Dann haben wir da noch jemanden, der vielleicht auf Provisionsbasis dabei hilft, Spieler zu finden, die dem Anforderungsprofil des Trainers entsprechen. Öffentlich tituliert wurde das ganze ja zuletzt als Unterstützung bei der Kaderplanung. Wie allerdings ist die Haltung in der Entscheidungsfindung, wenn dieser Zuarbeiter einen Spieler präsentiert, welcher letzten Endes nicht die Qualität hat? Bisher scheint es so, dass diese Spieler dann trotzdem geholt wurden.
Die Frage ist also: Was muss ein Spieler dem SCM bieten, um auch hier untergebracht werden zu können? Reicht es tatsächlich schon aus, über Kontakte hier gefühlt ungeprüft eingestellt zu werden, nur weil man zufällig eine grobe Anforderungsbeschreibung erfüllt?
Warum hat der SCM nichts Besseres gefunden als Molina? Warum hat der SCM nichts Besseres gefunden als Kalarash?
Reichte es bisher bei vielen Transfers einfach aus, auf dem Papier renommierter zu sein als seine vielleicht vorhandenen Mitkonkurrenten?
Bei Mertens und Preuß war das, zumindest vermutlich, anders. Junge Spieler, die sich noch beweisen müssen und zweifelsohne das Zeug dazu haben. Mutige Entscheidungen für die Zukunft, für die der SCM in letzter Zeit beim Großteil seiner Zugänge nun nicht so wirklich bekannt war.
Die Einkaufspolitik folgte bislang überwiegend stur dem Schmedt'schen Mantras der puren Ergebnisse. Maximale Punktausbeute bedeutet letztlich ja auch, dass man sich wahrscheinlich die verfügbaren Spieler holt, die per sofort dieses Ziel am Wahrscheinlichsten machen.
Dabei kann man ja im Grunde genommen, drei Säulen der Spielerfindung ausmachen: "Spieler kennt Spieler", "Svensson", "Wiegert". Der Knackpunkt ist das zweitgenannte Konstrukt. Im Verein muss besser sichergestellt werden, dass diese Spielervorschläge tiefergehend auf Tauglichkeit geprüft werden.
Man kann nur hoffen, dass Wiegerts Standing im Verein und seine Standhaftigkeit soweit sind, dass eben dieses Mantra in der Transferpolitik nicht mehr auf Teufel komm raus verfolgt wird sondern er seine Kaderpolitik führen kann.
Dann bliebe am Ende nur noch die Frage, ob die Spielphilosophie des Trainers passt, aber nicht mehr der Verdacht, dass ihm da zu viele Köche den Brei verderben.
Da offensichtlich dem Trainer Spieler vorgesetzt werden, die seine Anforderung eher bedingt erfüllen, ist es auch immer noch schwer, den Trainer Wiegert zu bewerten.
Seine Art, die besten Spieler im Kader am Meisten einzusetzen, ist nachvollziehbar und entspringt auch einfach den Gesamtanforderungen. Jetzt muss er als GF Sport wirklich dafür sorgen, dass da 14-16 Spieler sind, mit denen er auf dem zu erreichendem Niveau arbeiten kann und nicht nur 10.
Deshalb wäre es auch wichtig, dass der Verein endlich mal aufwacht und eine Personalie so weit stutzt, wie es für den Verein am Besten wäre: Svensson nur noch als Ideengeber und ggf. Headhunter. Alle anderen Funktionen die er noch bekleidet, bringen den Verein insgesamt kein bisschen voran. Wenn er seine Zuarbeit an Spielern allerdings an weiteren Aufgaben koppelt, dann sollte man sich eben einfach trennen.