Interview mit Stefan Hecker
20.07.2006
Fragt man ihn nach der exakten Zahl seiner Bundesliga-Einsätze, so bleibt er die Antwort schuldig. Kein Wunder, wenn man wie Stefan Hecker nahezu 25 Jahre in der Liga aktiv war.
Seit etwas mehr als einem Jahr Stefan Hecker ist der 159-fache Nationalkeeper als Geschäftsführer des VfL Gummersbach tätig. Und hat in diesem Sommer alle Hände voll zu tun: Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte qualifizierten sich die Oberbergischen für die Champions League, zugleich gilt es, acht Zugänge zu integrieren.
Herr Hecker, kürzlich war zu lesen, dass Sie souverän das erste Golfturnier der neu gegründeten "Golfhands" – der golfspielenden Handballfreunde – gewonnen haben. Darf man dazu gratulieren?
Hecker: Eigentlich nicht. Ich habe überhaupt keine Ahnung, wie es zu dieser Meldung kam. Ich habe zwar mitgespielt, aber ich war an diesem Tag alles andere als gut. Dass ich gewonnen habe, muss ein Gerücht sein, weil ich im Golf eher ein Totalausfall bin. Auch, weil ich zurzeit nur wenig Zeit habe, mich zu verbessern.
In Gummersbach verlief die Sommerpause nach der Qualifikation zur Champions League durchaus turbulent ...
Hecker: Das mag so erscheinen, angesichts der zahlreichen Zu- und Abgänge innerhalb unseres Kaders. Aber turbulent war eigentlich eher der Januar, als wir versuchten, mit Nick (Kyung-Shin Yoon, die Red.) einen neuen Vertrag auszuhandeln und wir uns nicht einig wurden. Andererseits muss man das eben auch locker sehen, wenn Spieler andere Ziele haben und den Verein verlassen möchten. Das muss man halt akzeptieren.
Acht Spieler, darunter so prominente wie Yoon und von Behren, gingen, acht neue kamen: Das nennt man wohl einen Totalumbruch.
Hecker: Das sehe ich anders. Wir haben lediglich zwei Spieler aus der ersten Sieben ziehen lassen müssen. Viele Spieler, die sich für einen Wechsel entschieden haben, standen bei uns in der zweiten Reihe und wollen nun bei anderen Vereinen ihre Chance suchen. Dafür habe ich vollstes Verständnis. Außerdem sind wir doch nicht blöd: Wir haben uns mit den Wechseln keineswegs selbst geschwächt. Wir setzen das Konzept der Verjüngung der Mannschaft konsequent um und haben durchaus sehr gute Spieler für die kommende Saison verpflichtet.
Dennoch: War denn ein solch radikaler Schritt notwendig?
Hecker: Ich denke schon. Allein Nick hätten wir gern behalten, aber das war am Ende finanzielle nicht mehr zu machen. Wir wollen hier vernünftig wirtschaften, ergo haben wir geringere Möglichkeiten als die Branchenführer andernorts. Das versuchen wir zu kompensieren, indem ich von morgens bis abends durch die Gegend fahre und versuche, Sponsoren zu akquirieren.
Man darf aber davon ausgehen, dass die personellen Planungen damit abgeschlossen sind, oder?
Hecker: Ja, davon darf man ausgehen. Natürlich hätte ich gern noch einen Super-Mittelmann verpflichtet, um über entsprechende Alternativen zu verfügen. Aber wie gesagt: Dazu fehlen uns die finanziellen Mittel und wir wollen auch weiterhin vernünftig wirtschaften.
Zudem präsentierte Aufsichtsratschef Hans-Peter Krämer eine überraschende Wende in der Trainerfrage.
Hecker: Velimir Kljaic hat erklärt, dass er gerne mehr Ruhe hätte, um sich um private Dinge zu kümmern. Zudem kam uns – das will ich nicht verhehlen – die Bitte Velkos, seinen Vertrag aufzulösen, nicht ganz ungelegen. Alfred Gislason hätte spätestens im kommenden Sommer ohnehin das Team übernommen. Ergo konnten wir mit ihm schon heute eine Langfristige Lösung anbieten. Dass er das Team von Beginn an neu formieren kann, betrachte ich als absolut positiv.
Geschah die Trennung von Velimir Kljaic tatsächlich wie allerorts behauptet in gegenseitigem Einvernehmen?
Hecker: Das kann man wohl sagen. Wie anders ist es zu erklären, dass Velko noch immer beim Training auftaucht und Alfred Gislason hilft, die Mannschaft rascher kennen zu lernen.
Alfred Gislason, der noch vor wenigen Wochen die isländische Nationalmannschaft gegen Schweden zur WM nach Deutschland führte, trainiert auch weiterhin die Auswahl seines Landes. Kann das gut gehen?
Hecker: Natürlich wird das gut gehen, da es ja nur für einen sehr überschaubaren Zeitraum sein wird, nämlich nur bis zum Ende der WM in Deutschland. Zwei seiner Nationalspieler hat er ja sogar bei uns unter Vertrag. Und während der WM ist von unseren Spielern ja eh kaum jemand hier, da die meisten mit ihren Nationalteams bei der WM sind.
Was macht Kljaic?
Hecker: So wie es aussieht, wird er zunächst einmal ein halbes Jahr in seine Heimat zurückkehren. Und noch ist er ja nicht fort. Er wird mit der Mannschaft noch Abschied feiern und in der kommenden Saison sicher noch zu einigen Spielen zurückkehren.
Und die Kölnarena? Wie viele Spiele des VfL werden in der kommenden Saison dort ausgetragen?
Hecker: Geplant und festgelegt sind bislang insgesamt acht der 17 Heimspiele.
Und wenn der VfL das Finale in der Champions League erreichen sollte, dann wird das doch ganz sicher auch dort stattfinden.
Hecker: Wenn es denn so sein sollte, werden wir darüber ganz sicher nachdenke. Erst einmal aber gilt es, die Vorrunde zu überstehen. Und dann können – je nach Saisonverlauf – schon noch weitere Spiele in der Kölnarena stattfinden.
Wagen Sie bei einer so grundlegend veränderten Mannschaft eine Prognose hinsichtlich des Saisonziels?
Hecker: Ich kann nur sagen, dass für uns die Saison nur schwer vorhersehbar ist. Der THW Kiel ist sicher die Nummer eins. Dahinter gibt es sechs, sieben Teams – darunter der TBV Lemgo, der SC Magdeburg, der Hamburger SV und die SG Flensburg-Handewitt –, die mit dem VfL Gummersbach auf Augenhöhe um die entsprechenden Platzierungen kämpfen.
Das Gespräch führte Arnulf Beckmann