In der Frankfurter Rundschau steht heute ein interessanter Artikel über den deutschen Basketball. Für die neue Saison gibt es eine TV-Arbeitsteilung zwischen Sat1 und DSF. Ein Basketball-Magazin jeden Sonntag vor ran und ein Live-Spiel jeden Sonntagnachmittag auf DSF.
Interessant finde ich, dass der Ligaverband den Bundesligisten Auflagen gemacht hat, in welchen Hallen sie zu spielen haben, damit man dem Provinz-Turnschuh-Mief entfliehen kann. Wie es scheint, ist Basketball dem Handball eine Nummer voraus.
ZitatAlles anzeigenFrankfurter Rundschau vom 2.10.
Immer mehr Basketball-Bundesligisten entfliehen dem Turnhallen-Mief / WM-Bronze soll auf die Liga abstrahlen
Von Wolfgang Hettfleisch
FRANKFURT A. M. Ist der deutsche Basketball im Aufwind ? Das sensationell gute Abschneiden der Nationalmannschaft mit dem dritten Platz bei der Weltmeisterschaft in Indianapolis legt zumindest die Vermutung nahe. So war denn auch das Verb "nachlegen" eine häufig benutzte Vokabel, als die Klubs der Basketball-Bundesliga (BBL) vorige Woche in Leverkusen einen Ausblick auf die bevorstehende Spielzeit gaben. Es gilt, den Rückenwind zu nutzen, den das Team von Nationaltrainer Henrik Dettmann der höchsten deutschen Spielklasse beschert hat, auch wenn vier der Besten in der Auswahl des Deutschen Basketballbundes (DBB) - Nowitzki, Femerling, Okulaja und Nikagbatse - ihre Brötchen bekanntlich im Ausland verdienen.Gleichwohl sollte der Vorstoß der Nationalmannschaft in die Weltspitze auch ein wenig Glanz auf die BBL abwerfen. Derlei hilft im grimmigen Gerangel der so genannten "1b-Sportarten", populärer Mannschaftssportarten wie Basketball, Handball und Eishockey, um Platz zwei in der Aufmerksamkeit von Fans und Geldgebern hinter dem nicht nur hier zu Lande übermächtigen Fußball.
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Inzwischen ist man mit den Partnern Sat 1 und dem DSF in puncto Vertragsverlängerung übereingekommen. Ein halbstündiges Basketball-Magazin auf Sat 1, das vom 20. Oktober an sonntags vor der Fußball-Show ran ausgestrahlt werden wird, und die bereits gewohnte Live-Übertragung eines Spiels sonntags ab 14.45 Uhr im DSF sollen die Fangemeinde mehren. Noch ist angesichts des drohenden, häppchenweisen Ausverkaufs der Kirch-Kerngruppe indes alles andere als sicher, wie die Zukunft des akut bedrohten Spartensenders DSF aussehen wird, der auf eine Teilübernahme durch die Deutsche Fußballliga hofft.Die Klubs der BBL, wirtschaftlich zunächst auf schwankenden Planken unterwegs, haben unterdessen ihre Hausaufgaben größtenteils gemacht. Das Sponsorensterben, das einige Bundesligisten an den Rand des Ruins gebracht hat, soll ein Ende haben. Dass die eher krisenresistenten Energieversorger den Basketball als Werbeträger entdeckt zu haben scheinen und vielerorts als wichtigster Geldgeber eingestiegen sind, kommt da gelegen.
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Die Liga ist auf dem Weg, sich von der alten Dreifaltigkeit "Turnhalle, Provinz-Hochburg, Akademiker-Milieu" zu verabschieden, ein gutes Stück vorangekommen. Nicht zuletzt das über den großen Teich geschwappte Streetball-Phänomen, in seiner Summe mehr eine Jugend-Subkultur als eine Sportvariante, hat das Spiel unter den Körben zur beliebtesten Sportart bei den 13- bis 29-Jährigen gemacht.
Die Vereine investieren nicht nur in ihre Spieler sondern auch und vor allem in Stahl, Glas und Beton. Neue Hallen allerorten. Mühelos füllte ein Vorbereitungsturnier mit der deutschen Nationalmannschaft vor der Weltmeisterschaft die 8000 Zuschauer fassende Braunschweiger Volkswagenhalle, grandiose Heimspielstätte des örtlichen Bundesligisten TXU Braunschweig. Meister Alba Berlin kommt das Verdienst zu, in der nicht minder beeindruckenden Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg ein hippes, junges und nicht zuletzt gesamtberlinerisches Publikum zu unterhalten.
Die so genannten Kleinen ziehen nach. Der TSK universa Bamberg meldet vor dieser Saison einen Run auf Eintrittskarten für die feine, neue, "Forum" genannte Spielstätte. Der Mitteldeutsche BC erfüllt mit der neuen Weißenfelser Stadthalle den geforderten Ligastandard, vor den Toren Triers entsteht auf einem alten Kasernengelände für 20 Millionen Euro eine multifunktionale Arena. Auch Hagen und Oldenburg haben Umzugstermine fest im Visier. Nur der Traditionsklub aus Gießen ist in Verzug, weil die Neubaupläne im Mittelhessischen Klein-Klein der kommunalpolitischen Auseinandersetzung seziert werden.
Der Modernitätsschub in den guten Stuben des deutschen Basketballs ist Ausdruck klarer Vorgaben der Liga. "Wir haben vor zwei Jahren Standards formuliert, zu welchen Rahmenbedingungen deutscher Spitzen-Basketball in absehbarer Zeit abzulaufen hat, und das setzen wir konsequent um", sagt Reintjes. Wer sich in zwei Jahren nicht vom Turnhallenmief verabschiedet hat, so die klare Ansage der BBL-Verantwortlichen, kann die Lizenz für die höchste Spielklasse vergessen.