Der WDR hat gestern einmal mehr seine Handball-Kompetenz bewiesen. Mit einer rundum gelungenen Übertragung aus der Lemgoer Lipperlandhalle wurde aus einem tollen Handballspiel zwischen dem TBV und Spaniens Topklub Ciudad Real ein Handballfest. Ganz anders die Situation beim MDR: Mit einer indiskutablen Leistung verärgerte der SC Magdeburg nicht nur seine Fans, sondern auch den Heimatsender MDR.
Als der MDR in der 5. Spielminute live nach Barcelona schaltete, stand es schon 3:0 für die Katalanen. Da wirkte noch der einleitende Spruch von Moderator Wilfried Mohren nach: So ein Spiel wie zwischen Barca und dem SCM müsse man live zeigen, selbst wenn es sportlich um nichts mehr ginge, dass sei so wie im Fußball Real Madrid gegen Bayern München. Spätestens beim 11:1 war den Zuschauern jedoch klar, dass der SCM an diesem Samstag Handball nur bedingt als Profisport ansah. Während in der MDR-Sportredaktion die schlimmsten Befürchtungen wahr wurden, ließ sich der SCM weiter vorführen. Der MDR reagierte prompt und ließ die Halbzeitpause verstreichen, um mit zwei heimischen Fußballtrainern über Gott und die Welt zu plaudern. Erst in der 45. Spielminute leitete Wilfried Mohren wieder rüber nach Spanien, wo mittlerweile beim Stand von 28:17 deutlich wurde, dass der SC Magdeburg kein gesteigertes Interesse hatte, das Spiel vielleicht doch noch zu drehen. Am Ende stand eine 38:25-Blamage zu Buche.
Dies ist umso ärgerlicher, als dass die bisherigen Championsleague-Übertragungen für die TV-Sender frei von Lizenzgebühren waren. Ab dem Achtelfinale verlangt die EHF "richtig Geld", wie es beim MDR hieß. Nach einer derart lustlosen Vorstellung wird es sich der Sender zweimal überlegen, ob er am 20. Dezember das Rückspiel gegen den am Montag zuzulosenden Gegner live aus Magdeburg überträgt. Vom Hinspiel am 13. Dezember, soviel steht jetzt schon fest, wird es keine Livebilder geben.
Zwar war auch das Umfeld der Übertragung nicht besonders glücklich, zu wenig Kontrast bei den Spielertrikots, ein multifunktionales Spielfeld, dass es dem Zuschauer schwer machte, den Kreis zu erkennen, auch dem Moderator war seine Enttäuschung deutlich anzuhören. Trotzdem hat der MDR allen Grund, über den SC Magdeburg verärgert zu sein, denn für die Übertragung wurde extra die Sendezeit erweitert und die übliche Sportberichterstattung deutlich reduziert.
Da wurde der Zuschauer ab 15.00 Uhr im WDR wesentlich besser bedient, was nicht nur am TBV Lemgo lag, der zusammen mit Ciudad Real eine tolle Partie bot. Auchd er WDR war in Höchstform, glänzte mit einem Vorbericht, interessanten Interviews und einem Halbzeit-Special über die Ramota-Brüder. Dazu ein Kommentator, der sein Handwerk verstand. Mit Florian Naß saß ein Mann am Mikrofon, der dem Handballkenner nicht mit Regelerklärungen auf die Nerven ging, dem vorbeizappenden Zuschauer aber trotzdem unauffällig Grundkenntnisse vermittelte. Zudem überzeugte er mit Kommentaren, die ihn als echten Fachmann outeten. Die 105 Minuten Handball pur im WDR waren Werbung für den erfolgreichsten Mannschaftssport Deutschlands.