Borussinnen behalten in einem packenden und spielerisch guten Spiel die Nerven : 29:28-Sieg bringt neue Hoffnung
Dortmund, 21.02.2010, Christian Menn
Dortmund. Es war ein packendes Spiel mit gutem Bundesliganiveau. Der 29:28-Erfolg des BVB gegen die Trierer Miezen ist vom Ergebnis her eigentlich nichts Besonderes. Die Situation macht ihn erst zu etwas Außergewöhnlichem, weil den Borussinnen das Wasser bis zum Hals stand.
Und weil der Sieg nach einigen unglücklichen, aber auch einigen äußerst enttäuschen Spielen in dieser Saison so wichtig war, feierten sie, als sei ihnen etwas ganz Großes gelungen. Ausgelassener feiern Meister auch nicht. Ende gut, alles gut?
Als Zuzana Porvaznikova eine halbe Minute vor dem Abpfiff das 29:27 erzielte, kannte der Jubel keine Grenzen mehr, die Zuschauer tanzten, sangen und klatschten sich ab. Dabei hatte sich „Zuzka” mit dem Treffer nur davor bewahrt, die geballte Wut und Enttäuschung der Zuschauer und Mitspielerinnen auf sich zu ziehen. Denn Sekunden zuvor hatte sie völlig „blank” Triers Torfrau Anna Monz angeschossen. Halbhoch. Eine handballerische Todsünde.
Trier glich tatsächlich durch Jung-Nationalspielerin Svenja Huber zum 27:27 aus. Dagmara Kowalska legte von Linksaußen nach (28:27), ehe die Slowakin ihr persönliches Happyend feierte.
Nachher konnte sie wieder lachen: „Ich wusste, dass ich das entscheidende Tor mache. Ja wirklich, das hatte ich im Gefühl.” Ende gut, alles gut?
Noch ist nichts erreicht. Sechs Punkte hat der BVB nun, dessen Freude über den Sieg durch den Celler Punktgewinn gegen Oldenburg (24:24) getrübt wird. 2007 und 2009 stieg er mit jeweils elf Punkten ab. Am 24. März 2007 gab es in Wellinghofen ähnliche Jubelstürme nach dem 31:23-Erfolg gegen Göppingen. Der BVB wähnte sich am sicheren Ufer. Eine Woche später war er Zweitligist.
Auch in dieser Saison werden elf Punkte nicht reichen. Darum kann es jetzt nur heißen: das Trier-Spiel abhaken, in Sindelfingen (27. Februar) und Celle (27. März) sowie gegen Frankfurt (6. März) und den Thüringer HC (10. April) gewinnen. Danach können sie die ganze Nacht tanzen wie am Samstag Abend, kurz vor halb Neun. Punkte gegen Leipzig (10. März) sollten sie besser nicht einkalkulieren.
Spielerisch war es vielleicht die beste Borussia dieser Saison (54 Prozent Effektivität im Angriff), die schon zur Halbzeit hätte führen können. „Das sind typische Spiele, die man am Ende knapp verliert”, unkten die Fans schon zur Pause. Viermal hatten die Dortmun-derinnen bis dahin freistehend vergeben. Und dazu noch naiv, weil nicht nah genug gegen Nadja Nadgornaja (7/1) und Lidia Jakubisova (6) gedeckt. „Dabei hat uns Gustl bis ins Detail gezeigt, wie wir uns gegen sie anstellen sollen”, ärgerte sich nachher die im Angriff überragende Steffi Glathe. Ende gut, alles gut?
„Der BVB hat auf jeden Fall verdient gewonnen”, sagte nachher Thomas Happe, „verdient, weil er vom Kampf und Engegament her bis zum Ende durchgehalten hat. Wir haben es nicht geschafft, uns so, wie es nötig gewesen wäre, dagegen zu stemmen. Ich wünsche dem BVB alles Gute.” Balsam für die in dieser Saison oft geschundenen Seelen.
Gustl Wilke freute besonders, dass „die Mannschaft bis zuletzt an sich geglaubt hat und dass sich alle gegenseitig gepusht haben. Mein besonderer Dank geht aber an die Fans für ihre phantastische Unterstützung.” Jetzt soll ein Fanbus mit nach Sindelfingen. Präsident Reinhard Rauball in Geberlaune: „Übernehmen wir.”
BVB: Roch (bis 36.), Roelofs (ab 36.), Trodler; Kowalska (5), Glathe (7), Köhler (1), Schäfer, Porvaznikova (6/2), Busch, Kramer (3), Cocx (4), Kunze (3), Tomlik.
DREI FRAGEN AN STEFFI GLATHE:
Steffi Glathe kam 2005 aus Riesa zum BVB und nahm 2008 die Herausforderung Bayer Leverkusen an. Nach nur einem Jahr kehrte sie nach Dortmund zurück. Gegen Trier war sie in einer kämpferisch und spielerisch starken Mannschaft die Beste.
Wie ist Ihre Gemütslage nach diesen dramatischen 60 Minuten?
„Tiefe Zufriedenheit drückt meine Gemütslage am besten aus. Wir haben es uns unnötig schwer gemacht und hätten schon einen Vorsprung in die Halbzeit mitnehmen können, wenn wir nicht wieder so schlampig mit unseren Chancen umgegangen wären. Allerdings hatten wir bei einem halben Dutzend Pfostenwürfen auch reichlich Pech.”
Was bewirkt der Sieg für den Rest der Saison, es stehen noch fünf Spiele aus?
„Wir glauben wieder ganz fest an uns, und ich hoffe, dass der Sieg unsere Moral stärkt, denn die war nach einigen unglücklichen Niederlagen in der Hinrunde doch etwas angeknackst.”
Die Abwehr des BVB zeigte zwar Schwächen gegen Nadgornaja und Jakubisova, wirkte aber im Verband wesentlich gefestigter als zuletzt. Nachdem es in Nellingen nur eine Zeitstrafe wegen Meckerns gegeben hatte, zeigte der BVB diesmal auch eine gesunde Härte...
„...wir haben das im Training angesprochen, dass wir alle viel zu lieb sind. Vorne holen wir uns Beulen, hinten langen wir nicht richtig zu. Wir haben beschlossen, uns auch im Training gegenseitig mehr weh zu tun - das ist nicht persönlich gemeint, sondern ein Teil unseres Jobs.”
Christian Menn
Quelle: http://www.derwesten.de/sport/lokalspo…-id2625786.html
1. Tut euch besser nicht zu sehr weh... die Personaldecke ist doch schon dünn genug... und dann fällt jetzt Stefanie Glathe auch noch mit mehrfach gebrochenem Finger an der Wurfhand aus.(guckst du hier: http://www.bvb-handball.de/?Z%1B%E7%F4%9D )
2. Für mich gingen da immer noch zu viel Würfe daneben oder in/an die Hände der Torfrau. Macht man in Dortmund eigentlich kein Wurftraining ?
3. Gewonnen hat tatsächlich die Mannschaft, die mit dem größeren Willen zum Sieg aufgetreten ist.