Aus dem Onlineauftritt der Wilhelmshavener Zeitung vom 17.01.08:
Um 15.37 Uhr war die Trennung offiziell
Am Dienstag traf sich der Trainer mit drei Beiratsmitgliedern. Über die Details der Einigung wurde Stillschweigen vereinbart.
Wilhelmshaven/mün Tage, an denen eine Trainerentlassung durchsickert, haben häufig eine gewisse Dramaturgie. Die Trennung des Handball-Bundesligisten Wilhelmshavener HV mit Michael Biegler machte da keine Ausnahme.
Im Forum des Bundesligisten (siehe Kasten) wusste Anonymus „thorsten“ am Mittwoch bereits um 10.13 Uhr, was später der Verein offiziell mitteilte: „Biegler ist seit gestern Abend weg.“
Was Manager Dieter Koopmann, der mit der Mannschaft zum Leistungs-Check nach Köln gefahren war, in der Folge inoffiziell bestätigte, ging um exakt 15.37 Uhr als Pressemitteilung des Vereins hinaus in die Handball-Welt. Im beiderseitigen Einvernehmen wurde der noch bis Juni 2009 datierte Vertrag mit dem 46-Jährigen mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Über die Vertragsmodalitäten wurde, so heißt es weiter, Stillschweigen vereinbart.
Fest steht: Bei einem Treffen am Dienstag Abend nach dem ersten Training zwischen drei Vertretern des Beirats und Michael Biegler unterzeichneten beide Seiten einen Aufhebungsvertrag.
Vermutlich dürfte es damit nach dem Gezerre in den letzten Wochen um eine vorzeitige Vertragsauflösung, um die Biegler Anfang November gebeten hatte, ein Nullsummenspiel geben. Auf der einen Seite kassiert der Verein für den Coach, der die Mannschaft seit November 2003 betreute, keine Ablösesumme.
100000 Euro waren in diesem Zusammenhang seinerzeit von Vereinsseite für eine vorzeitige Trennung genannt worden. Eine Summe, von der Biegler wiederholt gesagt hatte, sie erlaube es ihm nicht, sich „am Markt zu positionieren“.
Die Klartext-Variante: Der SC Magdeburg hatte den WHV-Trainer nach der Trennung von Bogdan Wenta im November 2007 heftig umworben. Zu einer Einigung mit den „Gladiators“ kam es aber nie, weil sich der WHV-Coach dem Vernehmen nach vehement gegen jede Zahlung einer Ablöse ausgesprochen hatte.
Auf der anderen Seite dürfte dem Verein aber auch kein materieller Schaden durch die jetzt auf die Art und Weise vollzogene Trennung entstehen. Denn – was in der Öffentlichkeit sehr viel weniger bekannt war: Bestandteil des im Februar 2006 unterzeichneten Vertrages zwischen dem Trainer und der Sportmarketing GmbH des Vereins war eine Klausel, dass Biegler – erneut dem Vernehmen nach – bei einer vorzeitigen Trennung 60000 Euro zustehen.
Genau dieser Passus dürfte es gewesen sein, der die Verantwortlichen des Vereins in den letzten Wochen so schweigsam werden ließ. Und dass, obwohl der Trainer zuletzt keine Gelegenheit ausließ, kräftig vom Leder zu ziehen. Keine Unterstützung, keine Kommunikation, keine Spieler – all das kulminierte in dem mehrfach zitierten Satz des Trainers, der sich zuletzt als „persona non grata“ sah. „Ich lasse mich nicht wie eine Sau durchs Dorf treiben.“
Dass der Verein aber seit Wochen „kochte“, darf als gesichert gelten. Ein Insider formulierte es gestern eindeutig, ohne genannt werden zu wollen. „Michael Biegler hat seit August seinen Rausschmiss provoziert und alle im Umfeld tyrannisiert. Wir mussten handeln, sonst hätte er die Karre vor die Wand gefahren.“
„Die Karre“, das ist der Klassenerhalt, der nach 19 Saisonspielen, 10:28 Punkten und Platz 15 so gefährdet ist, wie er nach der wochenlangen Verletztenmisere zwangsläufig sein musste.
„Solange wir alle Spieler beieinander hatten, war alles okay. Unter die letzten fünf, sechs Wochen müssen wir jetzt einfach einen Haken machen“, hatte Biegler zurecht am Dienstag beim Trainingsauftakt erklärt.
Der Verein machte jetzt den großen Haken und schloss die Akte Biegler. Der Trainer selbst war im Übrigen gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Man kann es drehen und wenden, wie man will. Die Leistung von Herrn Biegler als Trainer moniert niemand. Seine Auftritte des letzten halben Jahres hatten allerdings nur das Ziel, rausgeschmissen zu werden, am besten mit der oben benannten "Vergütung" in der Tasche. Damit bekommen seine öffentlich genannten, sicherlich nicht unberechtigten Kritikpunkte am Verein WHV eben jenen schalen Beigeschmack und den zu großen Schuss Illoayalität, der die Mehrzahl der Fans in Schlicktown auf die Palme gebracht hat.