Beiträge von Arcosh

    Ketzerisch könnte man jetzt sagen, dass sich da der Unterschied zeigt zwischen Trainern, die während der Auszeit ihrer Mannschaft eine taktische Neuausrichtung vermitteln können und denjenigen die ein- oder zwei Spielzüge aufmalen, die dann genauso abgehandelt werden sollen.

    Ist es unsportlich oder legitim, wenn z.B. ein Co-Trainer via Livestream die Auszeit der gegnerischen Mannschaft verfolgt und die Inhalte direkt an seine Mannschaft weitergibt? Früher wäre ich auch der Ansicht gewesen, dass sich das nicht gehört. Aber seit letztem Jahr hat die HBL, d.h. letztendlich die Vereine, zusammen mit Sportlounge ein Analysetool eingeführt mit dem die Mannschaften während des Spiels bereits Zugriff auf das Videomaterial und statistische Auswertungen haben. Insofern bin ich nicht mehr der Meinung, dass die Inhalte der Auszeit eine besonders vertrauliche Information sein sollten.

    Funkruf:

    Nenn mir ein Beispiel, wo es für ein solches Vergehen einen Strafwurf in den letzten 7 Jahren in der HBL gab.

    Kannst Du ein Beispiel aus der HBL in den letzten 7 Jahren benennen, in dem ein solches Vergehen aufgetreten ist und nicht mit Disqualifikation und Siebenmeter bestraft wurde?

    Derartige Spielsituationen sind selten, da es zum einen überhaupt ein bis in die letzten 30 Spielsekunden ausgeglichenes Spiel braucht und zum anderen die Spieler natürlich die Regeländerung kennen und in ihrem Handeln berücksichtigen.

    @Funkruf

    Den Ansatz zunächst eine Zeitstrafe auszusprechen und dann die zwei Minuten zu nutzen, um in Ruhe zu überprüfen, ob es eine Disqualifikation geben müsste, finde ich sehr gut. Wird aktuell am organisatorischen Aufwand scheitern, aber für die Zukunft könnte dies eine Option sein.


    Was mir im Vergleich zu vielen anderen Sportarten beim Videobeweis negativ auffällt, ist, dass auf dem Feld von den Schiedsrichter*innen keine Entscheidung getroffen wird, die dann gegebenenfalls mittels des Videomaterials überprüft wird. Es ist nicht ersichtlich mit welcher Eigenwahrnehmung die Schiedsrichter*innen an den Monitor treten und daher auch nicht klar, ob die Kameraperspektiven ihre Eigenwahrnehmung bestätigen, widerlegen oder es einfach nicht besser zu erkennen ist als auf dem Feld. Der Leitsatz, dass die Schiedsrichter*innen auf dem Feld eine Entscheidung treffen und diese nur noch ändern, wenn die Videoaufnahmen eindeutig einen abweichenden Sachverhalten zeigen, hat sich in den meisten Sportarten (auch mit komplexem Regelwerk und hoher Dynamik wie z.B. Basketball, Football oder Eishockey) etabliert. Nur der Handball scheint hier einen Sonderweg zu gehen. (Wobei das weniger der HBL anzulasten ist, sondern ursprünglich von der EHF so eingeführt wurde.)

    Und ihr findet nicht, dass der Videobeweis dem deutschen Handball zurzeit einfach nur schadet?

    Die Kombination aus Einführung des Videobeweises und dem Einstieg der Boulevard-Presse ist in meinen Augen problematisch. Der Videobeweis kam diese Saison schon in vielen kniffligen Situationen zum Einsatz, die regeltechnisch selbst für regelmäßige Handball-Zuschauer nicht einfach zu bewerten sind und in manchen Fällen kann ich die Entscheidung der Schiedsrichter auch nicht nachvollziehen bzw. halte sie persönlich für falsch. Aber BILD-Leser*innen, die den Handballsport vorher kaum wahrgenommen haben, werden jetzt täglich Schlagzeilen über Skandale, "Ball-Klau-Theater", "Video-Frust", Hoden-Schläge, u.ä. präsentiert und das kann nicht das mediale Bild sein, das die HBL anstrebt.

    Meine Hauptkritikpunkte bislang sind:

    • Die Bewertung von Szenen in Real-Geschwindigkeit und in Zeitlupe muss gut miteinander abgewogen werden, um zu einer "richtigen" Entscheidung zu kommen. Ich persönlich hatte mehrfach den Eindruck, dass Schiedsrichter auf Basis der Zeitlupe dem Spieler eine Intention in seiner Aktion unterstellt haben, die die Dynamik in Echtzeit nicht bestätigt hat. Das hat dann zu härteren Bestrafungen (z.B. Disqualifikation anstatt Zwei-Minuten-Zeitstrafe) geführt.
    • Ich bin nicht immer glücklich gewesen mit dem Zeitpunkt des Video-Einsatzes. Insgesamt kommt mir der Videobeweis zu häufig zum Einsatz. Das stört den Spielfluss und manche Spielszene sollte auch ohne Videobeweis klar zu erkennen gewesen sein. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Szene im Nordderby Flensburg gegen Kiel. In einem spannenden Spiel waren deutlich weniger als zwei Minuten Restspielzeit und die Schiedsrichter schauen sich sehr lange den Videobeweis an, um zwischen Zeitstrafe und Disqualifikation zu entscheiden. Aufgrund der Spielzeit gibt es de facto keinen Unterschied zwischen den beiden Strafen, aber der langwierige Videobeweis in dieser entscheidenden Phase störte enorm den Spielablauf.

    Das sind natürlich beides Kritikpunkte, die mit der wachsenden Praxiserfahrung der Schiedsrichtergespanne besser werden sollten. Aber aktuell gibt die HBL ein unglückliches Bild ab.

    Zunächst einmal:

    Was für ein sensationelles Tor zum 27:26 für Göppingen! :respekt:


    Bei der Roten Karte gegen Kresimir Kozina habe ich den Eindruck, dass sich Loppaschewski/Blumel vom Eindruck der Zeitlupe haben fehlleiten lassen. Es wurde hier im Forum schon auf das Problem hingewiesen wie völlig unterschiedlich der Eindruck von Dynamik und bewussten/unbewussten Bewegungen zwischen Echtzeit und Zeitlupe sein kann.

    Ich persönlich hätte das Foul von Patrick Wiencek wohl auch nur mit einer Zwei-Minuten-Strafe geahndet. Kriterien für eine Disqualifikation nach Regel 8:5 sind "

    die hohe Intensität der Regelwidrigkeit oder die Tatsache, dass diese den Gegenspieler unvorbereitet trifft und er sich deshalb nicht schützen kann." Beim Foul steht Patrick Wiencek zwischen Tom Jansen und dem Tor, sodass man nicht von "unvorbereitet getroffen" sprechen kann. Bleibt also die Frage nach der Intensität des Fouls und on davon eine Gesundheitsgefährdung ausgeht. Das Foul ist grenzwertig, aber im Kontext der allgemeinen Regelauslegung im Profihandball finde ich eine Zeitstrafe in Ordnung. (Eine Disqualifikation wäre aber auch kein Skandal gewesen.)


    Zum Spiel:

    Die Niederlage ist meiner Meinung nach zu hoch ausgefallen. Dass man Kiel nicht mit Tempo-Handball besiegen kann, hätte von vorneherein bekannt sein sollen. Der THW bestraft jeden technischen Fehler und leichtfertigen Ballverlust sofort. Der VfL Gummersbach hätte gut daran getan, zwischendurch etwas Tempo aus dem Spiel zu nehmen - insbesondere in den Phasen, in denen sie von THW-Kontern überrollt wurden.

    Fuechse_Fan_1982:

    Die im TV-Bild von DYN eingeblendete Spielzeit ist (leider) nicht mir der Hallenuhr gekoppelt. Aber für den Videobeweis müssen die Vereine das Zeitsignal zur Verfügung stellen. Sollte das wirklich nicht umgesetzt worden sein, dann würde der Videobeweis weiter ad absurdum geführt.

    Zitat

    Für den Videobeweis werden immer alle verfügbaren Signale verwendet und übermittelt (s. nachstehenden Schaubilder). Zusätzlich werden die Signale Spielzeit (vom Heimverein) und Gamefeed (vom TV) übermittelt und verwendet. Bei einer Level 3-Produktion wird die Super Slomo Analyse-Kamera (KA7) nicht an das VAR-System angeschlossen und eingebunden.

    Quelle: HBL, Richtlinie zur Nutzung des Videobeweises

    Es ist ja nicht so, dass alle übrigen Nationen den Deutschen weit enteilt wären und in der Breite der Leichtathletikdisziplinen klar besser arbeiten würden als der DLV. In der Regel sind es einzelne Disziplinen in denen sich um Ausnahmetalente herum eine Leistungssportgruppe entwickelt und entsprechend gefördert wird. Die Jamaikaner bestimmen die Sprint-Disziplinen, Äthiopien dominiert die Langstrecken, die Spanier haben bei den Gehern alle Medaillen abgeräumt, die Niederländer haben das Ausnahmetalent Femke Bol über 400m und eine Sifan Hassan, die aber ehrlich gesagt genauso in einem anderen europäischen Land hätte landen können. Deutschland hat in der Vergangenheit in den Wurfdisziplinen (Hammer, Diskus, Speer) oft die Medaillen gewonnen.

    Aber welche Nation (außer vielleicht den USA mit ihrer professionellen College-Ausbildung) ist in der Breite aller Leichtathletik-Disziplinen vorne dabei?

    Schaut man auf U20 WW 2022 und U20 EM 2023 dann gibt es durchaus Grund zum Optimismus für den olympischen Zyklus 2024-2028.

    Frisch Auf! Göppingen - Rhein-Neckar Löwen

    TSV Hannover-Burgdorf - ThSV Eisenach

    THW Kiel - VfL Gummersbach

    Bergischer HC - HBW Balingen-Weilstetten

    TVB 1898 Stuttgart - Füchse Berlin

    MT Melsungen - SC DHfK Leipzig

    SC Magdeburg - SG Flensburg-Handewitt

    TBV Lemgo Lippe - HC Erlangen

    Handball Sport Verein Hamburg - HSG Wetzlar

    Ich lese seit x-Jahren schon nix mehr von Bild und Co. weils meistens nicht stimmt oder total übertrieben wird. Für mich sind das eher schlechte Comics für Erwachsene. Mehr aber auch nicht. Ich kenne viele Leute, die das genauso sehen und handeln. Ergo wird es schwierig über die Klatschpresse die Leute vom Handball zu begeistern.

    Ich persönlich fühle mich von der BILD oder Bild.de auch nicht angesprochen und vermeide beides als Informationsquelle, aber nichtsdestotrotz gilt: "Das Nachrichtenportal Bild.de verzeichnete im Juni 2023 laut Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) rund 503,6 Millionen Visits und war damit die meistbesuchte Nachrichtenseite in Deutschland." (Quelle: Statista.com)