Was mir an der ganzen Geschichte aufstößt, ist das Geschwätz von den "Altlasten". Das klingt so, als wären dies irgendwelche Betonringe, die dem Verein aus grauer Vorzeit anhängen und die es ihm unmöglich machten, heute vernünftig zu wirtschaften.
Tatsache ist, dass diese "Altlasten" aus dem unseriösen Geschäftsgebahren der letzten Jahre herrühren. Für jedermann/-frau nachlesbar ergibt sich aus den veröffentlichten Bilanzen, dass der Nicht durch Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag am 30.06.09 (aktuellere Zahlen sind leider noch nicht veröffentlicht) von 4,438 Mio. im wesentlichen durch die laufenden Defizite seit dem 01.07.05 entstanden sind: Die Jahresergebnisse in diesen 4 Jahren summieren sich auf ein Defizit von 2,703 Mio., also waren in diesem Zeitraum die Aufwendungen im Jahresdurchschnitt zu 676.000 nicht durch Erträge gedeckt. Das entspricht den Personalkosten von 1-2 sehr guten Spielern, die der VfL gehalten hat, obwohl er sich diese nicht leisten konnte.
Diese Zahlen sind dabei noch geschönt durch die Erlöse aus dem Verkauf von Tafelsilber, sprich: die erzielten Ablösesummen. Wenn man diese für den Zeitraum 2005-2009 auf 1,5 Mio. schätzt und mal herausrechnet, ergibt sich für diese 4 Jahre ein durchschnittliches jährliches betriebliches Defizit von über 1 Mio.
Selbst wenn die schnelle Entschuldung jetzt durch einen gewaltigen Kraftakt gelingen sollte, ist mir ist nicht klar, wie sich an der grundsätzlichen Problematik, dass die laufenden Einnahmen deutlich geringer sind als die laufenden Ausgaben (und genau das ist die Ursache der "Altlasten"), etwas ändern soll, wenn der Gürtel nicht enger geschnallt wird und weiter mit Etats von 4,2 Mio. geplant wird. Hier anzusetzen, ist aus meiner Sicht die viel größere Baustelle.
Um nicht missverstanden zu werden: mir ist der VfL sympathisch. Er war für mich lange Zeit in meinem Handballerleben DAS Synonym für erfolgreichen Handball und ich erinnere mich gerne zurück an so manchen Festtag in der Ostseehalle, wenn Gummersbach in den Achzigern zu Gast war. Ich würde es sehr schade finden, wenn dieser große Name von der Karte der Handball-Bundesliga verschwindet.
Aber ich muss auch sagen, dass mir diese ewige Hängepartie und diese ständigen leeren Versprechungen zum Hals raushängen. Ich glaube nicht daran, dass eine plötzliche Entschuldung irgendetwas verbessert, solange man nicht akzeptiert, dass das Zuschauer- und Sponsoreninteresse im GM eben nur für kleine Brötchen reicht.
Ist ein "Ende mit Schrecken", verbunden mit einem echten Neuaufbau, nicht vielleicht doch die bessere Lösung?