Verein und Gesellschafter wollen die Club-Frauen (zumindest über die Saison) retten
Trotz drohender Insolvenz: Handballerinnen hoffen
NÜRNBERG - Die Telefone laufen heiß, ein Treffen jagt das nächste, Krisensitzungen füllen die Terminkalender der Verantwortlichen bei den Handballerinnen des 1. FC Nürnberg. Wie es weitergeht mit dem Bundesliga-Spielbetrieb und vor allem mit Spielerinnen und Trainer-Duo, das ist nach wie vor offen. Aber es wird alles getan, damit es weitergehen kann.
«Wir führen intensive Gespräche in der Sache», sagte der Vorsitzende des 1. FCN Handball e. V., Hans-Georg Woertge. Der Rechtsanwalt konnte zum Stand der Dinge zumindest so viel sagen: «Wir gehen davon aus, dass es in der bisherigen Konstellation mit der Sportförderung Noris nicht weitergeht.» Möglicherweise muss die Bundesligabetreibergesellschaft, deren Geschäftsführer Andreas Michallek gestern nicht zu erreichen war, in diesen Tagen Insolvenz anmelden. Denn die GmbH wurde zu rund 80 Prozent von Wilhelm Schelsky finanziert, der seit Mitte Februar in Untersuchungshaft sitzt. «Wir sind nicht mehr in der Lage, weitere Zahlungen zu leisten», bestätigte Rechtsanwalt Gunter Wagner, einer der Hauptgesellschafter der GmbH, die prekäre Lage gestern.
Einen persönlichen Kontakt zu Schelsky gebe es immer noch nicht; der Generalbevollmächtigte des 58-Jährigen habe aber erklärt, dass ab sofort kein Geld mehr für die Handballerinnen zur Verfügung stehe. Gehälter oder Reisekosten können daher nicht mehr aufgebracht werden. «Die Insolvenz ist sehr wahrscheinlich», sagte Wagner, betonte aber auch, dass die GmbH «momentan nicht überschuldet» sei, da es bis einschließlich Januar keinerlei Probleme gegeben habe. «Ich war von der Situation völlig überrascht», sagte der Rechtsanwalt, früher selbst aktiver Handballer unter anderem bei Tuspo Nürnberg. «Es ist alles äußerst bedauerlich, besonders für die Spielerinnen, deren Existenz bedroht ist.»
Die Verträge, die der Großteil der Handballerinnen mit Schelskys Unternehmensberatung hatte, wurden von dieser gekündigt. Die bei der Sportförderung Noris angestellten Spielerinnen waren gestern laut Wagner «noch nicht» gekündigt.
«Wir tun alles, damit die Saison zu Ende gespielt werden kann», betonte Ludwig Glaßer, geschäftsführender Vorstand des FCN Handball e. V. Rund 50 000 Euro wären dafür nötig. Die Bitte an den Fußballverein um Hilfe wurde dort postwendend abgelehnt: Man solle sich an den Dachverein wenden. Der wurde allerdings bereits in Sachen Finanzmisere des Handball e. V. (die NZ berichtete) um ein Darlehen gebeten. Zudem werden nun vom Vereinsvorstand Gespräche mit der Agentur für Arbeit geführt, inwieweit hier Unterstützung für die Spielerinnen zu erwarten ist.
Noch ist unklar, ob die Mannschaft zum Auswärtsspiel am Mittwoch in Buxtehude fahren kann. «Davon gehe ich aus», sagte Woertge. Für die Spielerinnen ist diese Situation der Ungewissheit nicht neu: Vor zwei Jahren bekamen sie ebenfalls kein Gehalt mehr; wenig später meldete die damalige Handball Marketing GmbH Insolvenz an. Dann kam Schelsky und rettete die Club-Frauen. Aus diesem Grund sind ihm Trainer und viele Spielerinnen nach wie vor verbunden. «Wir stehen hinter ihm», sagt FCN-Trainer Herbert Müller, der noch auf eine Wende zum Guten hofft, eventuell mit einem neuen Marketingberater. «Wer soll Hoffnung haben, wenn nicht ich? Die Mädels wollen, dass es weitergeht. Egal wie.»
Melanie Bachhuber
Quelle: http://www.nz-online.de/artikel.asp?art=615442&kat=32