Exkurs:
Spielerwechsel im DHB-Jugendbereich eingeschränkt
Unter den Regeländerungen, die für die Saison 2000/2001 im Gespräch waren, war auch eine, die den "Spezialistenwechsel" verhindern sollte. International fand sich hierfür aber keine Mehrheit. Da es sich um eine Änderung handele, die die Struktur unseres Spiels grundlegend verändern könne, wünschten verschiedene Länder zunächst Testphasen.
Unabhängig davon ist die fragliche Änderung im Jugendbereich des DHB bereits beschlossen worden.
Nur gültig für den Bereich des DHB:
Im Jugendbereich ist ein Spielerwechsel nur möglich, wenn sich die betreffende Mannschaft in Ballbesitz befindet, oder während eines Time-outs.
Durch die Einfügung dieser Bestimmung hinter Regel 4:4 (für den Jugendbereich im DHB) wird die Durchführung eines ansonsten regelgerechten Spielerwechsels eingeschränkt:
Der richtige Zeitpunkt
Der richtige Zeitpunkt für einen Wechselvorgang (Beginn und Abschluß) ist
-bei Ballbesitz (beginnt mit dem "in Besitz nehmen") oder
-bei Time-out (Regel 2:8, Erl. 2)
Um Regelsicherheit zu schaffen, wird der Begriff "Ballbesitz" für diese Regel wie folgt definiert:
„In Ballbesitz befinden"
Ballbesitz bedeutet nicht nur, Körperkontakt mit dem Ball zu haben, also ihn z.B. in der Hand zu halten, sondern auch, ihn zu werfen, zu fangen, zu stoßen, zu schlagen oder einen Paß zu spielen. Man kann
1. ohne Spielunterbrechung in Ballbesitz kommen, z.B. durch Blocken eines Wurfes, Herausspielen des Balls, oder
2. durch eine Entscheidung eines Schiedsrichters auf
- Anwurf (Regel 10:2),
- Einwurf (Regel 11:1),
- Abwurf (Regel 12:1, 6:5)
- Freiwurf (Regel 13:1).
Hat ein Schiedsrichter in diesem Sinne entschieden, ist dies bereits gleichbedeutend mit Ballbesitz, denn es wäre dem Spielgedanken nicht dienlich, wenn der Werfer den Ball erst in der Hand halten oder gar den Anpfiff zum Anwurf abwarten müssen sollte, um den Wechselvorgang beginnen zu dürfen. Dies würde u.a. eine unnötige Verzögerung bedeuten.
Also: Hat eine Mannschaft das Recht, den Ball in Besitz zu nehmen, ist das der Zeitpunkt, ab dem im DHB-Jugendbereich ein Wechsel erlaubt ist: Ein Spieler betritt vom Spielfeld aus regelgerecht den Auswechselraum und bleibt dort, wenn seine Mannschaft in Ballbesitz bleibt. Ein Mitspieler wechselt korrekt ein.
Kommt es aber zum Ballbesitzwechsel, während sich beide Spieler im Auswechselraum befinden, darf zwar der erste über seine Auswechsellinie auf das Spielfeld zurücklaufen. Liefe aber statt dessen jetzt der "einwechselnde" Spieler auf das Spielfeld, während seine Mannschaft nicht mehr in Ballbesitz ist, wäre er hinauszustellen!
Merke: Wechseln außerhalb von Ballbesitz der eigenen Mannschaft bedeutet Wechselfehler; eine Hinausstellung des Einwechselnden ist dann zwingend vorgeschrieben (16:3a).
Kontrolle des Wechselvorgangs
Die Kontrolle üben Zeitnehmer und Sekretär in gemeinsamer Verantwortung aus (18:1), jedoch ist nur der Zeitnehmer berechtigt, das Spiel zu unterbrechen (Natürlich auch der Schiedsrichter - wie bei allen anderen Wechselfehlern -, insbesondere in niedrigen Jugendklassen, wo ohne Zeitnehmer/Sekretär gespielt wird).
Später ankommende und hinausgestellte Spieler sind nicht betroffen
Spieler, die nach Spielbeginn ankommen (4:1), und hinausgestellte Spieler nach Ablauf ihrer Hinausstellungszeit
müssen natürlich nicht warten, bis ihre Mannschaft in Ballbesitz ist. Sie "wechseln" nämlich nicht ein, sondern ergänzen ihre Mannschaft.
Während eines Time-Outs
Das Time-out wird in Regel 2:8 und Erl. 2 behandelt. Da im Jugendbereich neben Ballbesitz auch das Time-out einen Spielerwechsel erlaubt, erlangen die drei kurzen Pfiffe hier zusätzliche Bedeutung. Der Wechsel während Time-Outs ist zügig vorzunehmen, wobei der Schiedsrichter das Spiel natürlich trotzdem erst dann anpfeifen darf, wenn der Grund für die Spielunterbrechung entfallen ist. Vorher überzeugt er sich, ob die Mannschaftsstärken auf der Spielfläche korrekt sind. Andererseits wird er das Spiel während eines zügig erfolgenden Wechselvorgangs nicht anpfeifen. Hier unterstützt ihn der Zeitnehmer stets durch ein Handzeichen.
Scheint ein Spieler, der gerade im Angriff agierte, verletzt zu sein, darf er nur ausgewechselt werden, wenn der Schiedsrichter Time-out gibt. Da ein Spieler umgehend ausgewechselt werden muß, wenn er blutet oder Blut am Körper oder der Spielkleidung hat, muß der Schiedsrichter in diesen Fällen Time-Out geben. Ansonsten darf ein verletzter Spieler das Spielfeld zwar sofort regelgerecht verlassen, ein anderer aber erst einwechseln, wenn seine Mannschaft wieder in Ballbesitz kommt.
Übrigens ermöglicht jedes Time-Out zum Wischen (soll eingeschränkt werden) beiden Mannschaften auch ein Wechseln, was z.B. beim Time-Out vor der 7-m-Ausführung willkommen sein kann, weil nur dadurch ein Torwartwechsel möglich wird.
Anmerkung: Die zur Saison 01/02 beschlossene Regeländerung, für jede Hinausstellung zwingend Time-Out vorzuschreiben, kommt der Absicht der Einschränkung der Spielerwechsel nicht gerade entgegen...