Sport1: Herr Rose, plötzlich überschlagen sich die Ereignisse bei der SG Wallau. Wurde die Mannschaft von den Vorkommnissen überrascht?
Christian Rose: Es hat sich angebahnt. Über einen längeren Zeitraum haben wir unsere Gehälter nicht bekommen. Da weiß man, dass etwas nicht in Ordnung ist. Hinzu kam der Managementwechsel. Mit Bülent Aksen haben wir einen Mann, der vom Fach ist. Er war derjenige, der endlich auf den Tisch gehauen hat. Alles kam aber schon sehr kurzfristig.
Sport1: Ist die Mannschaft verärgert über die Verantwortlichen, die zuvor das Heft in der Hand hatten?
Rose: Natürlich ist man nicht erfreut. Ich habe in den drei Jahren, in denen ich da bin, kein einziges Mal auf mein Gehalt verzichten müssen. Aber davor gab es auch schon einmal eine Zeit, in der Spieler auf Gehälter verzichten mussten. Einige davon sind immer noch im Team. Die sind nicht angetan, denn sie haben gedacht, der Verein hätte aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt. Außerdem wird erst seit einer Woche Klartext gesprochen. Das hätte früher geschehen müssen.
Sport1: Wie ernst ist die Situation?
Rose: So ernst, dass wir uns jetzt keine Gedanken mehr machen müssen. Die Mannschaft hat sich bereit erklärt, einen geringen Gehaltsverzicht einzugehen. Aber auch die Gesellschafter haben einen Beitrag dazu beigetragen. Die Saison ist gesichert. Jetzt können wir uns endlich auf Handball konzentrieren.
Sport1: Es sind viele Nationalspieler im Team, die sofort einen neuen Verein gefunden hätten. Spricht diese einheitliche Reaktion der Mannschaft gerade für den Teamgeist?
Rose: Ja. Es gibt einen Mannschaftsgeist, der in anderen Vereinen seines gleichen suchen würde. Das kommt auch daher, dass viele Spieler schon lange im Verein sind und wir viele deutsche Spieler haben. So gibt es einen regen Austausch. Jeder versteht sich mit jedem. Man fragt sich gleich: Was ist mit den anderen Jungs? Es hätten sicherlich zwei, drei Leute sofort einen neuen Verein gefunden. Aber es hätten auch sechs, sieben Spieler nicht ohne Probleme einen neuen Klub gefunden. Da nimmt man natürlich Rücksicht und lässt sie nicht hängen.
Sport1: Haben Sie Angst, dass nun große Vereine kommen und die Spieler wegholen?
Rose: Nein. Wir haben als Mannschaft gesagt: Wir ziehen das zusammen durch. Natürlich haben wir auch ein paar kleine Forderungen gestellt. Aber es kann nun nicht sein, dass einige abspringen.
Sport1: Könnte die Unruhe Auswirkungen auf die ehrgeizigen Ziele haben? Immerhin spricht Trainer Martin Schwalb von der Meisterschaft...
Rose: Ich hoffe, dass sie eher positive Auswirkungen hat. Natürlich waren die Gedanken in den vergangenen Tagen nicht klar. Wichtig war, dass ein Schlussstrich gezogen wurde. Jetzt herrscht Klarheit. Wir können uns wieder aufs Sportliche konzentrieren.
Sport1: Hofft die Mannschaft, dass die Fans auch den Ernst der Lage erkannt haben und den Verein noch mehr unterstützen?
Rose: Natürlich. Es ist eine schwierige Situation, die Leute in Frankfurt in die Halle zu locken. Unsere einzige Chance ist es, ganz oben mitzuspielen. Dass wir eine gute Truppe haben, wissen wir. Aber das Ziel ist ehrgeizig. Da muss schon alles passen.
Sport1: In der Bundesliga gab es zuletzt immer wieder Hiobsbotschaften wegen wirtschaftlicher Probleme. Als Spieler bekommt man sicher viel mit. Glauben Sie, dass die Bundesliga gefährdet ist?
Rose: Nicht die Bundesliga. Aber ab und an sitzen Leute im Management, die vielleicht nicht das nötige Know-how haben. Man sollte das Lizenzierungsverfahren neu überdenken. Vielleicht sollte man auch mit einer Art Spielergewerkschaft für Regularien sorgen, die eine grundsätzliche Sicherheit bringen. Es wird sonst immer wieder solche Fälle geben. Das ist für das Image des Sports alles andere als förderlich