Beiträge von Hereticus

    Ich folger das daraus, weil in der Spielzeit 08/09 genauso in der Frauenbundesliga bei Nürnberg gemacht wurde. Platz 6 mit 22:18 (weil 4 Pluspunkte abgezogen wurden, aber keine Minuspunkte aufaddiert wurden), auch die Erklärung mit der entsprechenden Bedeutungslosigkeit der Tordifferenz kommt aus der damaligen Zeit. Das war übrigens die erste Saison, in der offiziell Plus- und Minuspunkte eingeführt wurden. So wie ich es im letzten Jahr telefonisch von Rolf Nottmeier verstanden habe, folgt man zumindest in der HBL-Lizenzierungskommission der gleichen Interpretation.

    Da war aber auch niemand punktgleich mit Nürnberg, und das ist ja die entscheidende Frage. Gilt dann der eigentlich unfaire Vorteil der wenigeren Minuspunkte des bestraften Teams gegenüber einem nicht bestraften. Ich habe ja oben schon mal ausgeführt, daß das de facto einem Punkt weniger Abzug gleichkäme. Entscheidend ist, ob die Minuspunkte ein Tie-Breaker sind und das ist in keinem Regularium ausgeführt. Wenn Du mich fragst, ist das nicht geregelt und kann damit nicht angewendet werden. Zumindest halte ich das für anfechtbar durch das dann u.U. benachteiligte Team, denn das gehört eigentlich in den DF-Best. ordentlich ausgeführt. Aber schlußendlich wird das wirklich nur die HBL beantworten können (Am Ende machen die eh was sie wollen).

    Ich hab da mal 'ne Frage:

    Dass der DHC am Saisonende 8 Pluspunkte abgezogen bekommt, ist ja klar.
    Aber wie genau lautet das Kriterium für die Sortierung der Abschlusstabelle?
    Pluspunkte oder Punktdifferenz? In den Durchführungsbestimmungen habe ich nichts gefunden.
    Anscheinend gehen hier alle von Pluspunkten aus, aber wo steht das?

    Wenn man nämlich von Punktdifferenz ausgeht, wäre der DHC derzeit mit -10 nur 2 Punkte hinter Friesenheim und damit auf dem 16. Tabellenplatz

    Wir hatten das hier schon. Die Formulierung "Punkte" ist etwas schwammig, aber noch ein Überbleibsel aus der Zeit, als es in der HBL offiziell noch keine Minuspunkte gab, und das ist noch gar nicht so lange her (die wurden erst ca. 2005/6 ? eingeführt, davor gab es offiziell nur Pluspunkte). Es kann darum davon ausgegangen werden, daß mit "Punkte" in erster Linie mal die gewonnenen Punkte, also Pluspunkte gemeint sind. So etwas wie eine "Punktedifferenz" gibt es nicht. Im Normalfall (also ohne Punktabüge) sind ja Minuspunkte am Saisonende auch immer gleich, wenn die Pluspunkte gleich sind. Ergo ist auch die "Punktedifferenz" bei Punktgleichheit im Regelfall ja immer identisch. Bei Punktabzug wäre die "Punktedifferenz" einer bestraften Mannschaft sogar immer besser als die der Konkurrenz und das kann ja nicht im Sinne des Erfinder sein.

    Regulär wird in der HBL primär nach (Plus-)Punkten sortiert, anschließend nach Tordifferenz und wenn beides gleich ist, gibt es Entscheidungsspiele, sofern die in Frage stehenden Platzierungen für Meisterschaft, EC, Auf- oder Abstieg entscheidend sind. Das Torverhältnis (d.h. die Anzahl der erzielten Tore bei gleicher Tordifferenz) wird dabei im Übrigen nicht berücksichtigt. Das ergibt sich so aus Punkt 12 der HBL-Durchführungsbestimmungen:

    Zitat

    Nach Abschluss der Meisterschaftsspiele entscheidet über die für
    Meisterschaft, Auf- oder Abstieg maßgeblichen Tabellenplätze bei
    Punktgleichheit die bessere Tordifferenz. Bei gleicher Tordifferenz sind
    Entscheidungsspiele gemäß § 44 SpO anzusetzen
    [...]

    Der Punktabzugsfall ist aber leider nur in §42 (4) der DHB-Spielordnung erwähnt, und da fehlt eben der entscheidende Halbsatz:

    Zitat

    Werden einer Mannschaft Punkte außerhalb der Spielwertung aberkannt, sind sie am Ende der Meisterschaftsrunde von den Pluspunkten abzuziehen.

    Aus der Formulierung "von den Pluspunkten abzuziehen" wird von einigen gefolgert, daß die Minuspunkte unberührt bleiben, so daß bei gleicher Anzahl Pluspunkte der DHC durch seine dann wenigeren Minuspunkte besser stünde als der Konkurrent. Die Krux daran ist, daß das erstens unlogisch wäre (rechnerisch würde das de facto einen Punkt weniger Abzug bedeuten) und es zweitens kein veröffentlichtes Schriftstück gibt, in dem das geregelt wäre.

    Falls diese Folgerung so angewendet wird, stünde der DHC bei gleicher Anzahl Pluspunkte am Ende der Saison immer besser als die Konkurrenz. Anderenfalls tritt bei Punktgleichheit in dieser Saison für den DHC sowieso ein Sonderfall ein, da der DHC das Spiel in Schwerin am grünen Tisch gewonnen hat. Weil in einem Spiel mit Tischwertung keine Tordifferenz gewonnen werden kann, würde bei Punktgleichheit die Tordifferenz nur dann berücksichtigt werden, wenn sie besser ist als die des/der Konkurrenten. Sollte die Tordifferenz des DHC schlechter sein, gäbe es Entscheidungsspiele. Das ergibt sich ebenfalls aus Punkt 12 DF-Best. HBL:

    Zitat

    Entscheidungsspiele sind auch dann durchzuführen, wenn
    a) die Tordifferenz für Mannschaften, denen Punkte ohne Torwertung zuerkannt wurden, schlechter ist als diejenige punktgleicher Mannschaften

    Für Schwerin gilt ganz nebenbei bemerkt übrigens der umgekehrte Fall. Sollte der SV Post am Saisonende (mit besserer Tordifferenz) punktgleich mit dem ersten Absteiger sein, wäre der SVP nicht besser platziert, sondern es gäbe Entscheidungsspiele.

    Die Grundlagen für die Ermittlung des Achtel- und Viertelfinales nach den Regularien:


    Der letzte Absatz gilt wohl hoffentlich nicht für das Aufeinandertreffen zweier Teams aus dem gleichen Land? :D

    Vielleicht sollte der Artikel erst zum 1. April veröffentlicht werden. :lol:

    Wie viele Spiele wären es denn wenn man auch die Division de Honor mit einrechnen würde (einschließlich aller Meisterrunden und Abstiegsrunden, die es früher mal gab)? Ich würde mal so auf 13.000 bis 14.000 tippen.
    Aber die Geschichte wird vom Ligaverband wohl ignoriert (so wie die EHF die Europapokale unter IHF-Regie verschweigt).

    Weiß ich auch nicht genau, aber wohl nicht viel mehr als 15.000. In der Bundesliga sind es seit 1966 bis heute alles in allem knapp 10.300 Spiele gewesen, mit Play Off usw.

    hw.com meldet heute den 5.000 Sieg für Barca in der ASOBAL seit 1990. Wow. Liest sich beeindruckend, vor allem im Vergleich damit, daß der THW Kiel zum Beispiel in der Bundesliga erst vergleichsweise läppische 766 Siege vorweisen kann - wohlgemerkt seit 1967. Und unter Berücksichtigung der Tatsache daß man für 5.000 Siege in einer 30er-Liga mindestens 168 Jahre benötigt. Da ist also etwas faul :)

    Barcelona hat zwar "das 5.000. Spiel in der ASOBAL gewonnen" (Original von asobal.es: "El partido 5.000 de la Liga ASOBAL se salda con victoria del FC Barcelona Intersport" = "Das 5.000. Spiel der Liga ASOBAL endet mit einem SIeg des FC Barcelona") allerdings war das das 5.000 Spiel in der ASOBAL insgesamt, nicht der 5.000 Sieg für Barcelona. Barcelonas hat überhaupt "erst" 645 ASOBAL-Spiele absolviert (das sind die aber meisten von allen Teams), die Bilanz ist nach dem Spiel vom Mittwoch 554-23-68.

    Zitat

    TGR
    Erster Elitespieler wurde vom DHB bereits bestraft


    Wenn ich den Artikel mal zusammenfasse, fliegt also ein erwachsener (jedenfalls volljähriger) Mensch aus dem Auswahlkader, weil er einen Vertrag unterschreibt, der die Zeitdauer seiner parallel zu absolvierenden Berufsausbildung berücksichtigt, nach (der für diesen Vorgang völlig unerheblichen) Meinung einiger Verbandsfunktionäre aber eine zu lange Laufzeit hat. Interessant. Wer die Anweisungen seines "Mentors" nicht befolgt, wird also ausgebootet. Eigentlich ist ein "Mentor" ein Förderer und kein Sanktionierer. Aber so ganz neu sind diese Methoden nicht, in der DDR ist man ganz ähnlich mit Sportlern umgegangen, die sich unliebsam verhalten haben.


    Wenn man diesen Artikel und diese seltsame "Vereinbarung" und das dazugehörige Interview mit dem Ex-Bundestrainer liest, dann fragt man sich schon, ob das noch alles ernst gemeint sein kann oder ob da bei Manchem mit der Kopfchemie noch alles in Ordnung ist. Das wird eine ganz fantastische "Elite" werden, die nach den Verbandsvorstellungen zu Befehl und Gehorsam gefördert wird.

    Da wäre ich vorsichtig, könnte eng werden ;)

    In der Tat. Raphael und Dünkirchen sind derzeit Dritter und Vierter in der LNH, beide haben gegeneinander in dieser Saison jeweils das Auswärtsspiel gewonnen (USD - VHB 26:29 / VHB - USD 27:28). Aber am Ende werden wohl auf jeden Fall die Franzosen rausfliegen, um mal den Kalauer weiter zu spinnen. Von den Fahrtkosten her wäre den beiden Franzosen aber wohl eine andere Auslosung lieber gewesen, denn Dünkirchen und St.Raphael liegen fast 1.200 km auseinander - für Dunkerque liegt sogar Magdeburg noch näher dran, Göppingen und Mannheim für beide sowieso (nur je etwa die halbe Strecke...) und von St. Raphael aus braucht man laut Googlemaps nach Velenje 2,5 Stunden weniger als nach Dünkirchen.

    Ein Vorteil kann für alle natürlich das Rückspielheimrecht sein, aber die drei Bundesligaclubs sehe ich allesamt noch lange nicht im Halbfinale. Insbesondere schätze ich Minsk stärker als Göppingen ein. Wer den 5. der LNH und den 7. der ASOBAL rauswirft, ist auch für den 9. der Bundesliga gefährlich. In der heimischen Liga sind sie bisher ohne Punktverlust, haben aber außer Brest (Hinspiel 22:21 für Dinamo) auch keine Konkurrenz. Alle(!) anderen Ligaspiele (13 bislang) hat Dinamo mit mindestens(!) 18 Treffern Differenz gewonnen. Der "niedrige" 18-Tore-Sieg war ein 41:23 beim Tabellenletzten, also eher ein Ausrutscher. Der Tabellendritte, Rekordmeister SKA Minsk (auch erst drei Niederlagen) wurde mit 52:23 weggeputzt. Anders gesagt, der Rest der Liga neben Dinamo und Brest ist kein Maßstab.

    Tatran ist diese Saison noch nicht besonders gefordert worden, hat aber in der 3.Runde schon einen "Punkt" in Funchal gelassen. In der SEHA stehen sie ordentlich da (derzeit 3.), haben aber auch schon gegen Mittelmaß wie Banja Luka und Šabac Punkte verloren. Also auf internationalem Parkett ein bißchen unbeständig. In der heimischen Meisterschaft sind sie erst in der Meisterrunde eingestiegen und putzen da wie gewohnt alles deutlich weg (7 Spiele, 14 Punkte, Tordifferenz +71), haben aber auch keine Gegner von SCM-Niveau. Ich tippe Magdeburg ins Halbfinale.

    Velenje hat bekanntlich in der 3.Runde Valladolid rausgeschmissen und steht in der heimischen Meisterschaft auch fast tadellos da. Den einzigen Punktverlust haben sie sich in Koper geleistet, dort sind sie allerdings auch im Pokal-Achtelfinale ausgeschieden. Meister sind sie aber noch lange nicht, die Liga teilt sich nach der Doppelrunde und die sechs Besten spielen dann alle noch zweimal gegeneinander. Koper und Celje sind Velenje dabei dicht auf den Fersen. Die Löwen sollten stark genug sein, um sich berechtigte Chancen auf das Halbfinale ausrechnen zu können, aber eng kann das werden.

    Brest - Saragossa könnte knapp werden. Ansonsten: Flensburg, Gummersbach und Celje, alles deutlich.

    Motor ZNTU ZAS hat als einzige Mannschaft schon drei Runden überlebt, allerdings ohne dabei auf übermäßig schwere Gegner gestoßen zu sein. In der 2.Runde gegen Peje aus Kosovo zweimal deutlich gewonnen, dann mittels zweier Unentschieden den Stadtrivalen ZTR ausgeschaltet, der aber nicht seine beste Saison hat und nach fünf Serientiteln dieses Jahr wohl mal nicht ukrainischer Meister wird. Novi Sad läuft zwar nicht direkt unter "Kanonenfutter" (derzeit Zweiter in Serbien), aber so ein richtiges Kracherteam sind die auch nicht. Die SG solte zu stark für die Ukrainer sein.

    Bern ist in der SHL Fünfter mit recht mauen 21-19 Punkten und im Pokal im Achtelfinale ausgeschieden (allerdings gegen die Kadetten, das ist Lospech). Gegen die vier besser platzierten Teams in der SHL hat der BSV sieben von acht Spielen verloren, ist also eher "Best of the Rest" als Spitzenteam, der Einzug in die Meisterrunde steht zur Zeit auch noch auf der Kippe (kann aber übermorgen eingetütet werden. Die Konkurrenz hat das schwerere Restprogramm und zwei Konkurrenten spielen noch direkt gegeneinander). Im CWC in Holland verloren (!) und gegen Kaustik dann durch das eine Auswärtstor mehr weitergekommen. Das wird selbst für das Gummersbach von heute keine Hürde.

    Ich bin jedenfalls überzeugt davon, dass die Person Gauck unserer Republik sehr gut tun wird.

    Das bin ich auch. Ich habe Herrn Gauck vor ungefähr drei Jahren auf einem Symposium persönlich erleben dürfen und war damals schon sehr eingenommen von der Persönlichkeit dieses Mannes - was mir nicht häufig passiert. Obwohl er sich ganz offensichtlich am liebsten selbst über sich selbst reden hört, was manchmal ein bischen Onkelhaft wirkt. Aber das ist ja vielleicht auch nicht das Schlechteste nach dem fremdelnden Köhler und dem entrückten Wulff.

    Mit dem Proporz hast Du ja völlig Recht, meine Bemerkung war eher schmunzelnd-ironisch gemeint, nach dem Motto, zwanzig Jahre nach der Wende haben die "Ossis" nun endgültig den Marsch durch die Institutionen geschafft. Wie Du schon richtig anmerkst, hatte sich die "Wessi"-Elite des "System Kohl" das vor zwei Jahrzehnten nämlich sicher nicht so vorgestellt. Wobei ich persönlich natürlich der Letzte bin, der das Ossi-Wessi-Faß ernsthaft wieder aufmachen möchte.

    Unvorstellbar! Gut, dass Gauck kein ostdeutscher Pfarrer, sondern ein norddeutscher Pastor und Merkel gebürtige Hamburgerin ist ... ;)

    Wortklauberei. Gelebt haben beide bis zum Ende in der DDR, darum geht es mir doch. Außerdem ist ein Pastor in der evangelischen Kirche ein Pfarrer, also der Inhaber des Pfarramtes. Er wird nur - regional begrenzt - anders genannt. Eine funktionale Unterscheidung zwischen Pastor und Pfarrer gibt es nur in der katholischen Kirche.

    Ich finde, die CDU hat das ganz gut gelöst, man will halt die große Mehrheit und darum wird er es für sie, nicht unbedingt weil er der beste Kandidat ist ;)

    Ich vermute eher, die Union ist von der FDP erpresst worden, sie hatte es zuletzt nämlich nicht mehr selbst in der Hand. Alleine kriegt die Union in der Bundesversammlung keine Mehrheit zu Stande, sie braucht dazu die Stimmen der FDP. Wohl aber hätte die FDP, die zuletzt ja für Gauck war, zusammen mit SPD und Grünen Joachim Gauck spätestens im dritten Wahlgang durchbekommen. Und in dieser Klemme hat die Union eben nur noch die Wahl, einen gemeinsamen Kandidaten zu unterstützen, der reibungslos gewählt wird oder mit ihrem eigenen im dritten Wahlgang zu scheitern. Das Bild der Union in der Öffentlichkeit wäre im letzteren Fall fatal gewesen und bevor die Kanzlerin nach dem Wulff-Fiasko noch einen weiteren Gesichtsverlust riskiert, gibt sie da eben nach und behält zumindest nach Außen hin die Zügel in der Hand.

    Nebenbei: Wer hätte vor zwei Jahrzehnten gedacht, daß wir mal einen ostdeutschen Pfarrer zum Präsidenten und eine ostdeutsche Pfarrerstorchter als Kanzlerin haben werden...

    Zitat

    Ronaldo
    Meinst Du bei Allgäu etwa Barbarossa?

    Ja. OK, rein kulturgeographisch liegt die Haslachburg viellecht 3,50 Meter außerhalb des (heutigen) Allgäus, aber der Grundbesitz der Abtei Weingarten, zu der die Burg gehörte, reichte bis ins Allgäu. Ich weiß schon, daß Barbarossa ein Schwabe war, aber einen Schwaben hatten wir schon als Präsidenten, der war noch dazu das Musterbeispiel und das passte nunmal nicht zur Argumentation, da mußte ich etwas ausweichen. Geschichte ist ja immer nur die Rekonstruktion einer möglichen Vergangheit :D

    Zitat

    Lothar Frohwein
    Passt!

    Im Wesentlichen funktioniert die Demokratie, was die Affären Sauerland und Wulff bewiesen haben!

    Nun ja, die Demokratie funtioniert ja wohl eher so la-la. Die Bundespräsidenten wird man auch immer noch nicht los, außer wenn sie zurücktreten, und Herrn Sauerland mußte das entsprechende Gesetz erst extra geschrieben werden, sonst säße der jetzt noch drei Jahre im Duisburger Rathaus.

    Auch wenn Herr Sauerland sich durch sein erst völlig unverständliches, dann vollkommen uneinsichtiges Verhalten selbst in diese Situation manövriert hat, und ich als originärer Duisburger, der immerhin seine ersten 29 Jahre in der Stadt verbracht hat, froh bin, daß sie jetzt nicht mehr mit einem handlungsunfähigen
    Verwaltungschef gestraft ist, kann man den Eindruck einer medialen und stadtöffentlichen Hetzjagd in der Causa teilweise nicht
    ganz von der Hand weisen. Menschen mit Ketchup zu bespritzen, mit Gegenständen zu bewerfen und den höchsten Repräsentanten der eigenen Stadt (das war er bis Mittwoch mittag, ob man das gut fand oder nicht) bei jedem öffentlichen Auftritt auszubuhen hat weniger mit funktionierender Demokratie als mit Pöbelherrschaft zu tun.

    Zitat

    Wenn man Hereticus´Ideen aufnimmt, bleibt ja nur Barbarossa. Der wartet
    doch auf im Verborgenen darauf, dass die Raben ihm sagen, dass das Reich
    ihn brauche.

    OK, 'nen Allgäuer hatten wir auch noch nicht. Aber ob wir einen brauchen, der die letzten achthundert Jahre im Harz vor sich hingedöst hat...? Außerdem ersäuft der gerne mal beim Baden, dann steht schon die nächste Staatsoberhauptskrise an. Nee, wenn schon Kaiser dann müssen es die Hohenzollern sein. Dann wird auch wieder Gott mit uns sein :)

    Als moralische Instanz halt ich den Posten keinesfalls für überflüssig. Zu diskutieren wäre eher eine Direktwahl durch das Volk, dessen Moralinstanz der Bundespräsident letztendlich darstellt. Das Volk steht auch nicht in der Gefahr parteipolitisch zu denken.

    Als moralische Instanz hat der bisherige Bundespräsident ja eher nicht getaugt. Davon abgesehen muß man nicht unbedingt ein öffentliches Amt bekleiden, um eine "moralische Instanz" abzugeben.

    Direktwahl kannste knicken. Kommt nicht mehr wieder. Der Bundespräsident wird ja deswegen von so einer merkwürdigen Sonderversammlung aus Repräsentanten gewählt, weil die Direktwahl 1925/32 direkt in die Katastrophe geführt hatte. Nun hat der BP nicht die Kompetenzen des Reichspräsidenten (aus den gleichen Gründen), aber genau das ist das Argument, das auch gegen die Direktwahl spricht, weil ein direkt gewählter Präsident ein Mandat hätte. Ein Mandat erfordert aber eigentlich auch entsprechende Kompetenzen und die kriegt er nicht mehr.

    Der Posten ist politisch so unwichtig, daß eine Direktwahl vom Aufwand und den Kosten nicht zu rechtfertigen wäre. Und natürlich besteht dabei auch immer die zumindest theoretische Gefahr, daß ein Kandidat wie Frank Rennicke gewählt würde, was durch die Bundesversammlung auch verhindert werden soll.

    Vielleicht ist ja Prinz Georg bereit, im Namen seiner Familie wieder Aufgaben in der Repräsentation zu übernehmen. Sehr viel teurer als die vier (bzw. fünf, falls Wulff seinen Ehrensold doch bekäme) noch lebenden Ex-Präsidenten, die wir lebenslang mit Büro, Personal und Ehrensold alimentieren kann die Restitution der Erbmonarchie auch nicht sein. Das Stadtschloß ist ja auch bald wieder fertig aufgebaut. Der Präsident ist weg, es lebe der Kaiser! :)

    Tja, das ist die Frage, ob man so einen Winkeonkel überhaupt noch braucht. Nach den letzten drei Enttäuschungen (Ich verehre Johannes Rau, aber zu seiner BP-Zeit hatte er seinen Zenit politisch und gesundheitlich leider schon überschritten und konnte als BP fast gar nichts bewegen) könnte man sich überlegen, ob man nicht andere Formen des Staatsoberhauptes ausprobiert. Praktikable Beispiele gibt es in der Geschichte und auch in der Gegenwart.

    In der DDR gab es formal (!) nach Piecks Tod 1960 kein persönliches Staatsoberhaupt mehr. Verfassungsgemäßes Staatsoberhaupt der DDR war seitdem der extra dafür geschaffene Staatsrat als Kollektiv - auch wenn der jeweilige Vorsitzende [Ulbricht, Stoph, Honecker, Krenz, Gerlach] die Aufgaben eines Staatsoberhauptes in der Regel alleine wahrgenommen und im Falle Honeckers auch in der Öffentlichkeit so bezeichnet wurde. De jure gab es keine Einzelperson als Staatsoberhaupt mehr.

    Das derzeitige verfassungsgemäße Staatsoberhaupt von Iran ist der legendäre "zwölfte Imam" Muhammad al-Mahdi, der im 9./10. Jahrhundert gelebt haben und sich seither "im Verborgenen" aufhalten soll. Bis zu seiner Rückkehr (der Legende nach zeitgleich mit dem Erscheinen Jesu über Damaskus, der den Imam bei der Errettung der Welt unterstützt und dabei persönlich alle Christien zum Islam bekehrt - sic!) wird er vom Rat der Rechtsgelehrten vertreten.

    Und schließlich ist in Nordkorea immer noch Kim Il-Sung Präsident, der vor 18 Jahren gestorben ist.

    Vielleicht sollte man diesem Beispiel folgen und einfach Richard von Weizsäcker zum "ewigen Präsidenten" erklären. Der wird selbst als Toter noch mehr Format haben als solche Gestalten wie Wulff und Köhler zu Lebzeiten.

    30 Tage Zeit, eine(n) Neue(n) zu wählen. Passenderweise erfolgt der Rücktritt an einem Freitag (wichtige Entscheidungen fallen ja meistens Freitags), so daß der spätestmögliche Wahltermin auf das drittze Märzwochenende fällt. Damit wird die XV. Bundesversammlung wohl am 17. oder 18. März zusammentreten. Das Merkel hat angekündigt, einen konsensualen Kandidaten mit SPD und Grünen suchen zu wollen. Ich tippe auf Lammert oder Gauck, aber auch möglich, daß man diesmal eine Frau nimmt. Ich würd's ja auch machen (... nur wegen der Kohle - 199.000 Euro jährlich bis zum Lebensende sind ja kein Pappenstiel), bin aber am Wahltag leider noch ein paar Monate zu jung :D

    Falls es wieder eine Kampfkandidatur gibt, kann es spannend werden. Union und FDP haben mindestens 622, höchstens 624 Stimmen, die absolute Mehrheit für die Wahl im ersten oder zweiten Wahlgang liegt bei 621. Allerdings kommen noch zehn Stimmen der eher Unionsnahem Freien Wähler dazu und von den restlichen Stimmen fallen 125 auf die Linke und 3 auf die NPD, die ja beide üblicherweise keinen der Kandidaten der anderen Parteien mitttragen. Einen anderen Kandidaten als den von Merkels Gnaden durchzubringen, dürfte also auch dieses Mal nicht gelingen. Die Piraten dürfen diesmal auch mitmachen (2 Stimmen) und die Südschleswiger schicken einen Stimmberechtigten.