Ein neuer Leitwolf
Tusem verpflichtet den weißrussischen Nationalspieler Andrej Siniak, der vom Erstligisten SG Kronau-Östringen kommt. Neuer tschechischer Kreisläufer Vaclav Vrany hat Champions-League-Erfahrung
HANDBALL 1. BUNDESLIGA Der Tusem verpflichtet Andrej Siniak. So steht es auf der Pressemitteilung, die der künftige Handball-Erstligist gestern verteilte. Es hätte aber auch heißen können: "Ein neuer Leitwolf auf der Margarethenhöhe". Denn ein Spieler mit dieser Erfahrung, der auch noch in der Rückraum-Mitte die Fäden zieht, "wird ein ganz wichtiger Baustein sein in der kommenden Saison", legt sich Trainer Jens Pfänder fest.
Andrej Siniak ist zwar schon 35 Jahre alt, aber dafür kennt er sich bestens aus in der deutschen Eliteliga. Seit elf Jahren spielt er dort, wurde mit dem TBV Lemgo unter dem ehemaligen Tusem-Trainer Iouri Chevtsov Deutscher Meister. Und der holte ihn 2005 als "Wunschspieler" zum damaligen Aufsteiger SG Kronau-Östringen, wo Chevtsov selbst gerade erst angeheuert hatte. Zuvor spielte Siniak für Nettelstedt und Hamburg.
"Wir brauchen solche Spieler wie ihn, um bestehen zu können", sagt Pfänder. "Er kennt das Geschäft und wird für uns Gold wert sein." Der Rechtshänder ist seit jeher mehr Regisseur als Torjäger, was auch ein Bericht aus dem Jahr 2003 in der "Welt" unter dem Titel: "Andrej Siniak - der richtige Mann für die entscheidenden Momente" bestätigt. Eine aufschlussreiche Anekdote aus Hamburger Zeiten von dem weißrussischen Nationalspieler (93 Länderspiele): "Nein, Andrej Siniak hatte im Pokalspiel gegen seinen ehemaligen Club TBV Lemgo nicht mit vielen Toren auf sich aufmerksam gemacht, dafür aber mit einem enorm wichtigen Treffer. In der dramatischsten Phase der Partie nahm der Weißrusse seinen ganzen Mut zusammen. Max Ramota hatte für die Gäste gerade zum 22:22 ausgeglichen, da stieg der Spielmacher hoch und versenkte den Ball vier Minuten vor dem Ende zur erneuten Führung des HSV - gleichzeitig die Entscheidung.
Doch nicht nur wegen seines Tores avancierte Siniak zum Matchwinner. In der 49. Minute gekommen (...) übernahm er auf dem Platz sofort die Rolle des Regisseurs, verteilte gekonnt die Bälle und verschleppte das Spiel, als es nötig war".
Und sein damaliger Trainer Bob Hanning, in Essen bestens bekannt, lobte Siniak später: "Wir hatten im entscheidenden Moment einen hoch motivierten Siniak. Er hat mich auf der Bank immer wieder darauf aufmerksam gemacht, was wir wie ändern könnten. Dann habe ich zu ihm gesagt: Geh´ rauf und mach es selbst."
Der Tusem hatte sich die Dienste des Regisseurs schon vor dem Endspiel gegen Dormagen gesichert, und der Zweijahresvertrag wäre auch im Falle des Zweitliga-Verbleibs zustande gekommen. Siniak findet: "Der Tusem ist eine attraktive Adresse."
Ein Mann, der von Siniaks Ballkunst profitieren könnte ist Kreisläufer Vaclav Vrany (24), der ebenfalls den Tusem verstärken wird. Er wiederum gehört zu jenen Spielern, die sich allerdings noch bewähren müssen. Er soll Mark Dragunski unterstützen, der im Dezember dieses Jahres 37 Jahre alt wird. Und Vrany kann zumindest mit 2,02 Meter Körpergröße halbwegs mit dem Hünen mithalten. "Er ist athletisch und für seine Größe sehr schnell", beschreibt Pfänder den Tschechen, der auch zum erweiterten WM-Aufgebot zählte. Außerdem sei Vrany ein Mann für die Abwehr, was ihn für einige Bundesligisten interessant machte. Und die Luft in der Champions-League hat er bei Karivina und Dukla Prag auch schon geschnuppert. Auch er erhält einen Zweijahresvertrag.
Nach Linksaußen Aljoscha Schmidt (SG Achim/Baden) sind es die Zugänge zwei und drei. Und auf zwei, drei Positionen will man sich noch verstärken. "Einen weiteren erfahrenen Spieler hätte ich gerne", sagt der Trainer und denkt wohl an einen Torwart, obwohl Helmuts Tihanovs und Gerrie Eijlers bleiben. "Ich denke, dass wir die Wünsche erfüllen können", sagt Tusem-Geschäftsführer Horst Edelmeier. Der Etat sei gesichert, finanziell stehe man gut da.
24.05.2007 Von Rolf Hantel
Anscheinend schwimmen wir in Geld
