Konkurrenten in aller Freundschaft
25.02.2008, SABINE HANNEN
HANDBALL-BUNDESLIGA. Mittwoch-Gegner Gummersbach drückt Tusem die Daumen für den Klassenerhalt. Höchste Belastung.
Die Zeiten, in denen der VfL Gummersbach mit Freikarten für die Handball-Bundesligaspiele in der Kölnarena nur so um sich werfen konnte und volle Ränge hatte, sind lange vorbei. "Unsere Zuschauer müssen sich erst daran gewöhnen, dass sie für den Eintritt zahlen", so Stefan Hecker, Sportlicher Leiter beim VfL und ehemaliger Tusem-Torwart, beim Besuch in der Redaktion. Jetzt muss der Traditionsverein auf die eigene Zugkraft bauen oder auf einen attraktiven Gegner hoffen. Oder auf alte Bekannte setzen. Wie den Tusem.
Gute Drähte nach Essen
Der Aufsteiger gibt nach drei Jahren wieder ein Gastspiel in der Domstadt. Da rührt Stefan Hecker höchst persönlich die Werbetrommel. Der 48-Jährige nutzte alle guten Drähte nach Essen, um für das Spiel am morgigen Mittwoch (20.15 Uhr) Reklame zu machen.
"Der Tusem hat noch immer einen guten Namen in der Szene. Es bestehen viele Kontakte und für die Essener hat sich die Tabellensituation ziemlich zugespitzt. Jedes Spiel und jedes Tor zählt. Der Kampf um den Klassenerhalt ist super spannend in dieser Saison", so Hecker, der auf ein entsprechend großes Interesse bei den Tusem-Fans hofft.
Besondere Anziehungskraft
Den Minusrekord gab es in der Halle des deutschen Weltmeisterschafts-Triumphes gegen Nettelstedt-Lübbecke, ebenfalls ein Abstiegskandidat. Da verliefen sich nur 2000 Handball-Insider in dem großen Rund. Von Atmosphäre konnte da nicht mehr die Rede sein.
Der Tusem, da sind sich Stefan Hecker und Trainer Alfred Gislason einig, übt da schön eine viel größere Anziehung aus. "5000 Zuschauer wären toll. Dann herrscht eine gute Stimmung in der Halle", meint das Duo.
Für die Partie ließ man beim VfL eigens zwei verschiedene Plakate drucken. Eines, das in Köln verteilt wurde. Und eines, das in Essen für einen Besuch wirbt mit dem Slogan "Essen goes Köln".
Bei aller Freundschaft auch zum jetztigen Tusem-Trainer Kristof Shargy haben die Gummersbacher im Rennen um den erhofften vierten Tabellenplatz nichts zu verschenken. Beide drücken dem Tusem jedoch heftig die Daumen, dass er den Klassenerhalt schafft. "Als Essen gegen uns in der Hinrunde gespielt hat, hätte ich nicht gedacht, dass sie solche Probleme bekommen," wunderte sich Alfred Gislason, der das Potenzial der Mannschaft höher einschätzt, als es der Tabellenplatz bisher aussagt. "Der Spielplan müsste Tusem helfen, es aus eigener Kraft zu schaffen. Aber dann müssten sie auch auswärts mal überraschen. Nur bitte nicht bei uns."
Sorge um die Gesundheit
Während sich der Tusem voll auf den Überlebenskampf in der Bundesliga konzentrieren kann und muss, tanzt der VfL Gummersbach auf mehreren Hochzeiten. Dabei grassiert ständig die Sorge um die Gesundheit der Spieler. "Früher, zu unseren besten Zeiten, hatten wir 50 Spiele pro Saison, inclusive Europapokal. Heute kommen die Spieler der Top-Vereine locker auf 100 Spiele", rechnet Gislason vor.
Kein Wunder, dass die heutige Spielergeneration viel gesundheitsbewusster lebt als es sich ein Gislason oder Hecker in ihren besten und erfolgreichsten Zeiten jemals hätten vorstellen können. Der dichtgedrängte Terminkalender lässt nicht viel Spielraum für ausgelassene Freizeitgestaltung. Selbst der berühmte Kasten Bier, der bei Trainer Gislason nur nach Auswärtssiegen im Mannschaftsbus erlaubt ist, wird heutzutage nicht einmal bis zur Hälfe geleert. "Für uns damals undenkbar", grinsen die Beiden.
Außerdem ist bei weitem nicht nicht jeder Verein in der glücklichen Lage wie der THW Kiel, komplett durchwechseln zu können, ohne an Qualität einzubüßen. "Wenn einem unserer Stammspieler was passiert, müssen wir 18-jährige Talente aus unserem Internat ranholen", so Hecker.
Vor allem diese Saison hat es in sich wegen der Olympischen Spiele. Qualifikationsturniere für Peking stehen im Mai an, das olympische Turnier folt Ende August, in der ersten Septemberwoche geht die Bundesliga schon wieder los. Da bleibt gerade einmal eine Woche Urlaub für die Nationalspieler. Ein Wahnsinn, finden die beiden Verantwortlichen des VfL und plädieren für die Rückkehr zum Vier-Jahres-Rhythmus.
Als Essener Fans im Jahre 2003-2005 gesagt haben , das viele Eintrittskarten gesponsert wurden hat man uns als Lügner und Neider beschimpft !
