Vorolympischer Dreikampf für GWDer Haaß
Mindens Spielmacher kämpft zusammen mit Martin Strobel und Oliver Köhrmann um ein Ticket nach Peking
Von Jürgen Knicker, Minden
(mt). Stellt der Kreis Minden-Lübbecke nach Frank von Behren (Silbermedaille 2004 in Athen) und Kirsten Münchow (Bronze 2000 in Sydney) wieder einen Olympia-Teilnehmer? Diese Frage wird sich innerhalb der nächsten sieben Tage entscheiden. Michael Haaß, der 24-jährige Spielmacher des Handball-Bundesligisten GWD Minden hat gute Karten.
Der zum Jahreswechsel 2007/2008 von Kronau nach Minden transferierte Nationalspieler bereitet sich derzeit im italienischen Südtirol auf die Olympischen Spiele von Peking vor.
Zwei Auswahlverfahren bereits überstanden
Zwei Auswahlverfahren hat der gebürtige Essener bisher schon überstanden. Bundestrainer Heiner Brand berief zunächst einen über 30 Spieler umfassenden Kader, den er im Mai auf 22 Spieler reduzierte. Seinerzeit fielen die beiden GWD-Mannschaftskameradden Frank von Behren und Arne Niemeyer durch das Brand´sche Sieb. Nach den beiden jüngsten Länderspielen in Hamm und Hannover gegen Afrikameister Ägypten gab es mit Sven-Sören Christophersen (Wetzlar), Michael Müller (TV Großwallstadt), Uwe Gensheimer (Kronau) und Stefan Schröder (Hamburg) vier weitere Streichkandidaten. Oldie Christian Schwarzer (Lemgo) sprang zwischenzeitlich auf den Olympia-Zug auf. In Meran, wo viele Deutsche derzeit die Sonne bei 30 Grad im Schatten genießen, kämpft Michael Haaß jetzt energischer denn je um ein Olympia-Ticket. "Vier Spieler aus dem aktuellen 19er-Kader müssen noch weichen. Michael Haaß befindet sich in einem Dreikampf, von dem man noch nicht weiß, wie er ausgeht", berichtet DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier.
Bredemeier wirft ein Auge auf DHB-Teams
Der Manager von GWD Minden hat seinen Privaturlaub mit seiner Familie mit seinen dienstlichen Aufgaben als DHB-Vize gekoppelt. Abwechselnd besucht "Hotti" die Trainingslager der deutschen Männer in Meran und der DHB-Frauen unter Trainer Armin Emrich in Brixen (ebenfalls Südtirol). "Die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit hier in Norditalien sind vergleichbar mit denen, die uns in Peking erwarten", berichtet Bredemeier von einer sehr schweißtreibenden Vorbereitung. Gestern stand beispielsweise bei den Brand-Männern ein 4600-Meter-Lauf in der Hochlage des Dorfes Tirol auf dem Programm. "Und zwar noch vor dem Frühstück", so Bredemeier. Außerdem lässt Bundestrainer Heiner Brand die Teamarbeit in Kleingruppen trainieren. Dazu müssen die Spieler jeweils zu Viert eine Strecke neben einem kleinen Fluss gemeinsam bewältigen. Einer der Vier darf ein Fahrrad benutzen. Es gilt also, die Stärken und Schwächen der Gruppe optimal auszuloten und möglichst gewinnbringend umzusetzen. "Da hat ´Hassan´ natürlich gute Karten. Die körperliche Fitness ist neben seiner immer deutlicher zutage tretenden Abwehrqualität seine große Stärke", sieht Bredemeier ordentliche Chancen von Michael "Hassan" Haaß in seinem Dreikampf um die zweite Position als Spielmacher neben dem gesetzten Weltmeister Michael Kraus (Lemgo). Die Rivalen des Neu-Mindeners heißen Oliver Köhrmann (früher Wilhelmshaven, jetzt Großwallstadt) und Martin Strobel (TBV Lemgo). Für Köhrmann spricht die Routine, die Fähigkeit, eine Konzeption im Spiel umzusetzen, die Führungsqualität allgemein. Martin Strobel gilt als der Leichtfüßigste der drei rivalisierenden Regisseure, derjenige, der für Schnelligkeit und geniale Pässe sorgen kann. Die nächsten Testläufe für Michael Haaß finden heute und morgen statt. In Meran und Brixen bestreitet die DHB-Auswahl zwei Testspiele gegen eine Südtiroler Auswahl. Eine Vorentscheidung über den Olympia-Kader der Handballer wird dann am kommenden Freitag fallen. In Mainz werden die Brand-Schützlinge dann für Peking eingekleidet. Eine Woche zum Aklimatisieren Danach folgen zwei weitere Vorbereitungsspiele in Mannheim (19.7.) und Stuttgart (20.7.) gegen Ex-Weltmeister Schweden. Es schließt sich für die Brand-Schützlinge ein Lehrgang im westfälischen Halle (23. - 27. Juli) mit zwei Länderspielen in Köln (26.7.) und Halle (27.7.) gegen Russland an. Und am 31. Juli geht es dann in den Flieger von Frankfurt nach Hongkong. "Dort im nahe gelegenen Zhuhai werden wir uns dann eine Woche intensiv auf Peking vorbereiten. Sicherlich wird Heiner Brand noch 18 Spieler mit nach Zhuhai mitnehmen. Denn es könnten ja auch dort noch Verletzungen auftreten", lässt Bredemeier wissen. Die endgültige Nominierung von 14 männlichen Olympia-Handballern (plus einem Ersatzmann) muss der DHB einen Tag vor Eröffnung der Olympischen Spiele (8. bis 24. August) abgeben.