"Körper signalisiert, dass jetzt Schluss ist"
Frank von Behren im Interview / "Handball hat mein Leben bestimmt, jetzt freue ich mich auf neuen Lebensabschnitt"
Minden (mt).
Man wird sich erst an die neue Rolle des Frank von Behren gewöhnen müssen. Ab sofort ist der 31-jährige Lockenkopf nicht mehr das begehrteste Opfer der jungen Autogrammjäger unter den Spielern des Handball-Bundesligisten GWD Minden. "Franz" wechselt aus Verletzungsgründen die Seiten und rückt früher als erwartet ins Management des Klubs auf.
Von Jürgen Knicker
Das MT sprach mit dem 167-maligen Nationalspieler über die Beweggründe zu diesem Schritt, der von Behren nicht leicht fiel aber auch nicht hinauszuschieben war.
Es wird also keinen Spieler Frank von Behren mehr geben, auch nicht als Stand-by-Akteur bei GWD oder als Rückkehrer beim TV Hille?
Nein, definitiv nicht. Es geht einfach nicht mehr. Ich bin aufgrund meiner schweren Verletzungen berufsunfähig und darf nicht mehr profimäßig Handball spielen. Und auch nur zum Spaß werde ich nicht mehr zum Ball greifen. Dafür brauche ich erstmal genügend Abstand. Bei allen Rückschlägen war ich stets vom Ehrgeiz getrieben. Doch zum Schluss fiel es mir immer schwerer, da es nicht besser wurde, sondern sich immer mehr Baustellen ergaben. Ich hatte es nicht mehr in der Hand. Mein Körper hat mir signalisiert, dass jetzt Schluss ist. Ich bin froh diese Entscheidung getroffen zu haben, auch wenn es weh tut, nie wieder Handball spielen zu können. Der Handball hat mein Leben und das meiner Familie bestimmt. Ich bin für diese Zeit dankbar auch wenn sie schwer war. Nun freue ich mich auf die kommenden Aufgaben. Am 1. Oktober beginnt für mich das erste von vier Semestern, die ich für mein Studium des Sportmanagements in Oldenburg noch zu bestehen habe. Dann werde ich gut gerüstet in den nächsten Lebensabschnitt gehen.
Mindens Trainer Richard Ratka hätte Sie gerne länger im Team gehabt. Er spricht von einer großen Lücke, die gerissen wird. Was gab letztlich den Ausschlag?
Die ewigen Rückschläge durch die Verletzungen. Der zweite Kreuzbandriss im rechten Knie hat mir viele Probleme bereitet. Nach einer Schulterverletzung in diesem März waren Sehnen- und Kapsel beschädigt. Ich musste mit dem Training aussetzen, hab Schmerzmittel genommen und weiter mitgespielt. Den Klassenerhalt haben wir zum Glück geschafft. Aber mein anderes großes Ziel, die Teilnahme an den Olympischen Spielen in China, war nicht mehr realistisch. Jetzt habe ich nach Absprachen mit Heiner Brand, Nationionalmannschaftsarzt Dr. Hallmaier und GWD-Arzt Dr. Pöhlmann einen Schlussstrich gezogen.
Wie wird Ihre neue Rolle im Management von GWD Minden aussehen?
Ich werde zunächst auf der GWD-Geschäftsstelle mitarbeiten und versuchen, Einblicke in alle Belange der Bundesliga-Mannschaft zu gewinnen. Sponsoren-Werbung und -Betreuung werden ebenso zu meinen Aufgaben gehören wie Talentsichtung, die Repräsentation der Mannschaft als Offizieller bei den Spielen und das allgemeine Tagesgeschäft, wobei ich Horst Bredemeier und Günter Gieseking unterstützen werde. Die Voraussetzungen sind gut, ich bin ja kein ganz Unbekannter.
Aber auch der Draht zur Nationalmannschaft wird nicht abreißen?
Nein. Ich war ja bei der Olympia-Vorbereitung seit Januar bis in den Sommer hinein dabei. Ich werden jetzt auch nach China fliegen, um zusammen mit Lemgos Daniel Stephan nah bei der deutschen Mannschaft zu sein, um sie in der Vorrunde zu unterstützen.