Volksstimme vom 16.06.2004
Handball-Bundesliga: Ex-Eisenacher entschied sich statt Vereinswechsel für Kampf um einen Platz im SCM-Team
Just: Die zweite ist meine letzte Chance
Magdeburg -"Okay, Jungs, viel Spaß im Urlaub. Also, bis zum Saisonauftakt am 21. Juli in alter Frische." Dass Stephan Just sich kürzlich nach dem letzten Training der abgelaufenen Serie mit diesen Worten abmelden würde, darf als Überraschung betrachtet werden. Denn der SC Magdeburg legte dem Handballer mit Vertrag bis 2005 bekanntlich nahe, den Verein vorzeitig zu verlassen, weil er die Erwartungen nicht erfüllt habe. Just lehnte ab: "Jetzt stehe ich vor der schwersten Saison meines Lebens."
"Nie wieder soll mich ein Klub loswerden wollen"
Der 25-jährige Kreisspieler setzt sich nach seiner Premieren-Saison im SCM-Trikot mit Blick in die Zukunft gewaltig unter Druck. "Ich will das Vertrauen zurückgewinnen, das Trainer, Team und auch Fans bei meiner Verpflichtung in mich gesetzt hatten", erklärte der vom ThSV Eisenach mit hohen eigenen Erwartungen gekommene Hoffnungsträger, der intern in die Kritik geraten war. In seiner Zwölf-Monate-Rückschau räumt Just ein: "Klar habe ich mich gefragt: Wieso? Weshalb? Warum? Es spielen viele Faktoren eine Rolle, die dazu führten, dass es letztendlich nicht nach Wunsch lief. Aber mir ist bewusst: In erster Linie lag es wohl an mir. Ich habe meine Lehren gezogen."
Just liebäugelte bereits damit, den leichteren Weg zu wählen, sprich den Klub zu verlassen. "Nachdem bekannt wurde, dass der Verein mir quasi die rote Karte gezeigt hatte, gab es Interesse seitens der Konkurrenz. Lemgo hatte mich eingeladen, es gab ein interessantes Gespräch mit dem TBV-Beiratsvorsitzenden Paul Gerhard Reimann und Manager Fynn Holpert. Aber ein konkretes Angebot blieb danach aus. Intern schien Lemgo sich über die Personalkonzeption uneinig gewesen zu sein. Daher habe ich entschieden: Ich will es allen Kritikern zeigen."
Magdeburgs Trainer Alfred Gislason akzeptierte den Entschluss von Just, sich trotz "schlechter Karten" erneut dem Kampf um einen Platz im Team zu stellen: "Mit Sigfus Sigurdsson und Christoph Theuerkauf hat Stephan Konkurrenten, die neben ihren Stärken im Angriff als großes Plus zudem Abwehrqualitäten vorweisen können."
Ungelegen dürfte Gislason das weitere Just-Engagement nicht kommen, da "Stephan bereits nachgewiesen hat, dass er als Allrounder auch im Rückraum einsetzbar ist". Nach den Abgängen von Bennet Wiegert (Wilhelmshavener HV) und Nenad Perunicic (SG Wallau) sowie der Tatsache, dass der Transfer des Polen Karol Bielecki (Kielce) noch nicht 100-prozentig perfekt ist, bildet Just eine nicht zu unterschätzende Alternative auf fast allen Rechtshänder-Positionen.
"Dass er uns in diesem Bereich helfen kann, hat nie jemand bezweifelt. Aber das allein reicht nicht", meint der Coach vielsagend. Just hat registriert, was gemeint ist, lässt ein wenig hinter die Kulissen blicken: "Beim SCM erlebte ich erstmals, dass es nicht reicht, im Spiel zu überzeugen. Du spürst in jedem Training, dass du dich zu beweisen hast, sonst bist du außen vor." Was auf ihn zukommt, ahnt "Apollo", wie Just gerufen wird: "Nach dem ,Denkzettel' fange ich wohl nicht bei Null, sondern eher im negativen Bereich an."
Just war "dankbar", dass ihm Stefan Kretzschmar jüngst auf Mallorca bei der Team-Saisonabschlußfahrt in Sachen Professionalität und Beharrlichkeit beim Hinarbeiten auf Ziele die Leviten gelesen hat. "Das hilft ungemein. Ich habe wohl einige Male zu früh resigniert, Entscheidungen des Trainers falsch interpretiert. Und wenn du dich pausenlos ärgerst, mit dir haderst, dich nicht optimal eingesetzt fühlst, strahlt das aus, beeinflusst dich negativ", so der Nationalspieler (14 Einsätze).
Doch Just weiß, wo er den Hebel ansetzen muss: "Ich werde viel konsequenter und willensstärker im Training daran arbeiten, ein guter Deckungsspieler zu werden. Nur dann habe ich eine Chance." So sieht es auch Gislason: "Viele Zuschauer messen die Spieler nur an Toren. Stephan hat aber für seine Einsatzzeit leider auch absolute Liga-Rekordwerte was die Zahl technischer Fehler angeht, die Ursache für Gegentore sind."
Der Kreisspieler (67 Tore in 33 Bundesligaspielen für den SCM) will nach dem Heimaturlaub in Eisenach und "ein paar Tagen Erholung in der Türkei und dann in Norwegen bei meinem Kumpel Preben Vildalen" voll angreifen: "Ein bitteres Lehrjahr habe ich hinter mir. Jetzt werde ich alles geben. Ich will nie wieder in so eine Scheiß-Lage kommen, dass man mich loswerden möchte."