Kiel zwischen Hoffen und Bangen - Serdarusic: "Lövgren nicht zu ersetzen"
Mit dem DHB-Pokal in der Vitrine, aber voller Sorgen um Kapitän Stefan Lövgren rüstet sich der THW Kiel für einen neuerlichen Kraftakt. Weil der Spielmacher sich beim 33:31- Endspielerfolg gegen die SG Kronau/Östringen am Sonntag in Hamburg einen "Pferdekuß" im linken Oberschenkel zuzog, droht dem deutschen Meister ausgerechnet vor den beiden Finalspielen in der Champions League gegen die SG Flensburg-Handewitt eine erhebliche Verschärfung der Personalnot. "Lövgren ist nicht zu ersetzen", sagte Trainer Zvonimir Serdarusic und hofft auf eine Schnellheilung des Patienten.
Denn der vierte Pokalsieg nach 1998, 1999 und 2000 soll nach dem Wunsch der Kieler nur der erste von drei angestrebten Titeln in dieser Saison sein. An den kommenden beiden Sonntagen geht es gegen den Nordrivalen Flensburg um den seit Jahren ersehnten Champions- League-Titel, und als Bundesliga-Spitzenreiter hat der THW seinen 13. nationalen Meistertitel im Visier. "Ich hoffe, dass es nur der erste Titel war. Wir wollen alle Titel dieses Jahr gewinnen", verkündete der bei der Final Four-Endrunde überragende Rückraumspieler Nikola Karabatic.
Sein Trainer sieht den Wunsch jedoch immer mehr in Gefahr. Drei bis vier Wochen müsste Lövgren schlimmstenfalls pausieren, sollten die Adduktoren betroffen sein. "Ich habe ein Knie unglücklich abbekommen. Ich weiß noch nicht, ob es nächste Woche geht", erklärte der Schwede, der mit dicken Eisbeuteln auf der verletzten Stelle durch den Kabinengang humpelte, direkt nach dem Finale. Später am Abend sprach er im NDR-Fernsehen nur noch von einem Pferdekuß und setzte auf seine Finalteilnahme. Bei der ohnehin angespannten Personallage mit den Langzeitausfällen von Lars Krogh Jeppesen, Viktor Szilagy, Markus Ahlm sowie Torhüter Henning Fritz wäre dieser Verlust wohl nicht zu kompensieren. "Wir dachten schon, das kann doch nicht wahr sein, wenn sich schon wieder jemand verletzt bei unserem kleinen Kader", sagte Rechtsaußen Henrik Lundström. In Hamburg trat Kiel nur mit neun Feldspielern an.
"Wenn er nicht spielen kann, schaffen wir das Rennen um die Meisterschaft nicht", befürchtete Serdarusic, "und unsere nächste Aufgabe ist das Finale der Champions League. Wir sollten nicht so blauäugig sein zu denken, dass ein Linksaußen oder Rechtsaußen einen Weltklasse-Mann wie Lövgren ersetzen kann. Dass man die Zeit überbrücken kann für 15 Minuten oder auch ein Spiel - ja. Aber nicht ersetzen." Doch noch können die Kieler hoffen: Mannschaftsarzt Detlev Brandecker stellte in Aussicht, mit einer Woche intensiver Behandlung den 36 Jahre alten Ideengeber und Spiellenker wieder einsatzbereit zu bekommen.
Zwei spiel- und trainingsfreie Tage hat Serdarusic seinen Akteuren gegönnt. "Aber sie haben die Pflicht, Termine bei der Physiotherapie wahrzunehmen", warnte er vor Nachlässigkeiten. Die Spieler sind nach den Strapazen der letzten Wochen froh über ein bisschen Erholung. "Jetzt werden wir uns erstmal gut ausruhen. Ich werde die paar Tage Zeit ohne Spiel genießen", sagte der Franzose Karabatic, der zum besten Spieler des Final-Four-Turniers gewählt wurde. "Die Champions League ist noch so weit weg, wir sollten uns erstmal erholen", forderte auch Weltmeister-Linksaußen Dominik Klein.