Erfurter Sportgymnasium erstmals Bundessieger
Der fünfte Platz beim vorjährigen Bundesfinale des Schulwettbewerbs "Jugend trainiert für Olympia" und insbesondere die knappen Niederlagen gegen die späteren Finalisten ließen nur eine Schlussfolgerung zu: Wir wollen in das Finale! Schulverantwortlicher Rainer Usko, Coach Wolfgang Mosebach und insbesondere die Mädchen der WK II vom Erfurter Sportgymnasium "Pierre-de-Coubertin" dachten so.
Doch ähnlich wie im Vorjahr – schlechte Vorzeichen – unsere Kreisspielerin Mariana Krasemann brachte sich mit einer Undiszipliniertheit um die Teilnahme, Trainer Wolfgang Mosebach strich sie konsequenterweise aus dem Kader und Ersatzspielerin Jenny-Marie Mörstedt bekam ihre Chance.
Vorrunde
Wiederum hatten wir Berlin in der Vorrunde „zugelost“ bekommen, eine weitere Hochburg des Schulhandballs in Form eines weiteren Sportgymnasiums blieb uns in diesem Jahr erspart.
1. Spiel – Gegner Gymnasium Ottweiler (Saarland)
Ein Satz mit X – das war wohl nix!
Da in Begegnung zwei das Sportgymnasium Berlin unser nächster Gegner war, ein guter Auftakt, die Saarländerinnen sollten wahrlich zu schlagen sein.
Leider wurde nichts daraus, die Saarländerinnen kamen zu spät und wir hatten unsere ersten zwei Punkte – wenig berauschend!
2. Spiel – Gegner Pierre-de-Coubertin-Gymnasium Berlin
Au weihe – das tat weh!
Von wegen Endspiel – so eine „grottenschlechte“ Leistung muss man erst einmal hinbekommen. Es standen alle „neben der Mütze“. Nervös, ohne kämpferische Leidenschaft, viele Fehlabspiele, das Zulassen von schnellen Mitten und Gegenstößen – so soll ein Finalteilnehmer aussehen?
Spielfilm:
Wir kommen nicht in das Spiel, Berlin führt schnell mit 3 : 1, trotz einiger Glanzparaden von Isabell Roch fand unsere Mannschaft wenig Bindung und kein Konzept. Das schnelle Berliner Spiel war Gift für unsere unsicher agierende Abwehr. Im Angriff konnte auch Julia Wenzl keine Akzente setzen, sie wurde von den Berlinerinnen gekonnt gedoppelt. (Halbzeitstand: 3 : 6)
Auch nach dem Wechsel keine Besserung, Berlin führte in der 18. Minute 13:8, erst in der Schlussphase gelangen unserer Mannschaft drei Tore in Folge, doch viel zu spät!
Endstand: 11 : 14
Tore erzielten: Wenzl (4), Bolze (3), Göhl (2), Wenke (1), Eber (1)
Zur abendlichen Besprechung wurden von beiden Betreuern kritische Worte an die gesamte Mannschaft gerichtet, trotzdem hieß es das Spiel schnell abhaken und Betreuer Usko war in einem Interview mit dem Journalisten der „Finalzeitung“ der festen Überzeugung, dass sich Erfurt und Berlin im Endspiel wiedersehen.
3. Spiel – Gegner Altes Gymnasium Flensburg (Schleswig-Holstein)
Na bitte – es geht doch!
Natürlich war Rehabilitation angesagt – und sie gelang, zwar nicht überzeugend aber wir waren auf dem Weg der Besserung. Trotz schneller Führung zum 3 : 0 durch Tore von Katharina, Tina und Juliane war unser Spiel nicht überzeugend. Verbesserung in der Abwehr und im Umkehrspiel wurden allerdings deutlich. Doch wiederum durch fehlende Konzentration bekam Isabell im Tor immer wieder Schwierigkeiten: Halbzeit 9:6.
In den zweiten zehn Minuten lief es dann phasenweise besser, die Flensburgerinnen wurden klar beherrscht. Trotzdem ließ unsere Mannschaft weitere Steigerungsmöglichkeiten offen. Endstand: 17 : 11
Tore: Loest (5), Michel (4), Bolze (3), Minewskaja (2), Wenzl (2), Wenke (1)
Kuriosität:
Der Trainer des Saarlandes bat uns, das Spiel Nr. 1 doch noch auszutragen, wir ließen sportliche Fairness walten und sagten zu.
Spielfilm:
Gut dass wir so entschieden hatten, unsere Mädels spielten wie aus einem Guss. Der sowohl körperlich als auch spielerisch völlig überforderte Gegner wurde in Grund und Boden gespielt. Schon nach 11 Sekunden fiel das 1 : 0. Der Auftakt zum Torreigen war gemacht. Isabell legte mit einigen tollen Abwehraktionen den Grundstein, dass die 0 hinten hielt . (Halbzeit 11 : 0)
Auch in er zweiten Halbzeit ein großes Lob. Konzentriert und engagiert wurde den Saarländerinnen unsere Überlegenheit deutlich aufgezeigt. Insbesondere über schnelle Konter in der Vorbereitung durch Julia und Vollendung von Tina wurde ein Tor schöner als das andere erzielt.
Endstand: 22 : 0
Tore: Michel (7), Göhl (5), Kurstedt (4), Wenzl (4), Wenke (2)
Solch ein Ergebnis hat wohl in einem Bundesfinale Seltenheitswert. Für unsere Mannschaft aber Motivation und Bestätigung: Wir können es schaffen!
Spiele der Zwischenrunde
Teilziel erreicht, wir brauchten „nur“ noch die anstehenden Spiele zu gewinnen.....
4. Spiel – Gegner Drei-Burgen-Schule Felsberg (Hessen)
Hessen überrannt – wir melden uns sensationell zurück
Die Hessen waren im Vorfeld der Begegnung relativ siegessicher, ihre „Späher“ hatten unsere desolate Vorstellung gegen Berlin gesehen. Eine große Fangemeinde sollte für die nötige Unterstützung sorgen. Doch unsere Mädchen sorgten schnell dafür, dass Ruhe im hessischen Fanblock einzog. Über die Stationen 2 : 1 (2:40 min). 4 : 2 ( 4:31 min) bis zum Halbzeitstand waren wir aggressiv in der Verteidigung, jeder opferte sich für den anderen und sicher im Abschluss. Insbesondere unseren schnellen Gegenstößen konnten die Hessen wenig entgegen setzen. (Halbzeit: 10 : 2)
Auch in Halbzeit zwei das gleiche Bild, unsere Mädchen spielten den Gegner schwindlig. Isabell vollbrachte insbesondere in den Schlussminuten – die Konzentration ging bei so einer hohen Führung etwas verloren – wiederum einige gelungene Paraden, die ihre Klasse erneut beweisen.
Endstand: 22 : 4
Tore: Michel (5), Wenzl (4) Bolze (4), Wenke (3), Kurstedt (3), Göhl (1), Loest (1), Eber (1)
Nach einigen Experimenten in der Aufstellung hatte Coach Mosebach wohl doch die Ideallösung für die momentane Spielerauswahl gefunden: Tina und Anna auf rechts, Kuri am Kreis und Juliane auf links – so könnte es gehen!
5. Spiel – Gegner Theodor-Heuss-Realschule Walldorf (Baden-Württemberg)
Auch Walldorf gegen Erfurterinnen chancenlos
Die sich im Vorspiel abzeichnende Aufstellungsvariante bestätigte sich schnell. Unser Gegner wurde sofort unter Druck gesetzt und erzielte nach 3:40 min. das erste Tor zum 4 : 1. Konzentriert wurde bis zur Halbzeit weiter Druck gemacht. Julia fand nun doch zu ihrer Form als Spielerin, die schon in der 1. Bundesliga eingesetzt wurde. Überragende Anspiel am Kreis, temporeiche Alleingänge und dynamische Sprungwürfe ließen der gegnerischen Torfrau keine Chance. (Halbzeit: 9 : 2)
Walldorf stemmte sich zwar gegen eine drohende hohe Niederlage, konnte3 sie aber letztendlich nicht verhindern – das Halbfinale war erreicht.
Endstand: 21 : 6
Tore: Wenzl (5), Michel (4), Bolze (3), Wenke (3), Kurstedt (2), Eber (2), Bolze (2), Göhl (1), Minewskaja (1)
Berlin zitterte sich mit einem Unentschieden gegen Hessen und einem knappen Sieg gegen Walldorf zum Gruppensieg. Ob unsere überzeugende Vorstellung in der Zwischenrunde von ihnen wohl registriert wurde??
Halbfinale
Wir waren gespannt, wer uns wohl am Einzug in das Finale hindern wollte, waren uns aber einig: Wer so souverän durch die Zwischenrunde marschiert, braucht keinen Gegner zu fürchten.
6. Spiel – Gegner Sportgymnasium Magdeburg
Achtung Berlin – wir kommen: Finale!
Der enttäuschte Trainer der Magdeburgerinnen gratulierte uns fair zum Sieg, machte aber deutlich: So eine „Klatsche“ tut weh! Wie kam es dazu? Ganz einfach – unsere Mannschaft setzte nahtlos an den Zwischenrundenspielen fort – sie ließen den Magdeburgerinnen nicht die Spur einer Chance – schnelle 3 : 1 Führung nach 3:40 min und sichere Führung zum Halbzeitstand von 9:5.
Auch in den zweiten 15 Minuten funktionierte die Achse Julia – Tina sensationell, der Gegner fand gegen unsere Gegenstöße einfach kein Mittel. Garant wieder einmal Isabell im Tor, schnelle Weiterleitung zu Julia – weiter Pass auf Tina – Tor! So einfach kann erfolgreicher Handball sein.
Endstand: 18 : 9
Tore: Michel (8 ), Wenzl (6), Wenke (1), Loest (1), Kurstedt (1), Minewskaja (1)
Die Sensation war somit geschafft, nach diesem miserablen Auftakt wurde, erstmalig für Erfurter Handballspielerinnen, das Endspiel erreicht – nun ist alle möglich. Leider einige kleine negative Begleiterscheinungen, sowohl Tina (rechtes Handgelenk), als auch Juliane (Rückenverletzung) könnten für das Endspiel ausfallen.
Finale
Die Verletzungen von Tina und Juliane erwiesen sich nicht so schwerwiegend, ihr Einsatz trotz körperlicher Schwierigkeiten war gesichert.
7. Spiel - Gegner Pierre-de-Coubertin-Gymnasium Berlin
Also doch – wie vorausgesagt – man sieht sich meist zweimal!
Die Anspannung war unseren Mädchen deutlich anzusehen, sie wollten Revanche, sie wollten gewinnen, sie wollten vor einer einmaligen Kulisse von ca. 3000 Teilnehmern den Sieg. Selbstsicherer und konzentrierter Beginn – nach 3:18 min führen wir 3 : 1. Konzentriert und lautstark in der Abwehr, schnelle Gegenangriffe wie inm Vorrundenspiel sofort unterbindend und sicher im Abschluss – das sieht gut aus. Nach einigen Akzenten von Julia wird sie pressgedeckt, doch das gibt Lücken am Kreis – Nadja nutzt dies vorbildlich. Der Gegner ist verunsichert. (Halbzeit 9 : 6)
Auch der Beginn der 2. Halbzeit sieht unsere Mannschaft souverän. Eine zeitweilige Doppeldeckung von Nadja und Julia wird hervorragend zu weiteren Toren genutzt.
Leider handelt sich Nadja mit der dritten Herausstellung Mitte der zweiten Halbzeit die Rote Karte ein. Durch die Berlinerinnen geht nach einem 8 : 12 Rückstand in der 19. Minute ein Ruck und wir werden nervös. So kurz vor dem Ziel möchte keine Spielerin mehr Fehler machen und spielt vorsichtig, teilweise unkonzentriert. Der Gegner nutzt dies gnadenlos aus und erzielt beim 13:13 erstmalig den Gleichstand. Doch wir besinnen uns der Qualitäten aus den Vorspielen und legen jeweils einen Treffer vor. Wiederum wird Isabell zum Turm in der Schlacht. Gästetrainer Funk läuft kopfschüttelnd an der Seitenlinie lang und fleht zum Handballgott: „Was die alles hält, das gibt es doch gar nicht!“ Gibt es aber doch und wir schaukeln das Ding verdient nach Hause. Schlusspfiff und grenzenloser Jubel –
Endstand: 15 : 14 Wir sind Bundesfinalsieger!
Torschützen im Finale: Wenzl (5), Michel (3), Bolze (3), Wenke (2), Kurstedt (1), Eber (1)
Die umfangreiche, emotionale Schilderung für alle, die nicht selbst bei diesem tollen Erfolg für den Thüringer Handball dabei sein konnten, verdanken wir :
Verantwortlicher des SpoGy Erfurt: Herrn Rainer Usko
Quelle: