Original von willi
Bondars Brandrede
Im Spiel steht Tusem-Trainer Ion Bondar ständig unter Strom. Am Samstag "entlud" er sich nach dem 30:30 gegen Gensungen-Felsberg aber auch in der anschließenden Pressekonferenz. Fotos/Montage: WAZ, Michael Gohl
Der Tusem-Trainer macht nach dem 30:30 gegen den Tabellenvorletzten HSG Gensungen-Felsberg in der Pressekonferenz seinem Unmut Luft. Der emotionale Appell erinnerte an den legendären Trapattoni-Auftritt
HANDBALL 2. BUNDESLIGA Beim Tusem hängt derzeit der Haussegen schief: Nach dem kargen 30:30 gegen Gensungen (Spielbericht siehe unten) setzte Trainer Ion Bondar in der Pressekonferenz zu einer Brandrede an, die in ihrer Emotionalität ein wenig an den legendären Auftritt des damaligen Bayern-Coaches Giovanni Trapattoni erinnerte.
"Es war der schwerste Weg für mich in dieser Saison, heute hierher zu kommen", eröffnete Bondar seine Ausführungen in der Pressekonferenz. Das sagte er noch in ruhigem Ton, doch eine gewisse Erregung in seiner Stimme war bereits zu diesem Zeitpunkt herauszuhören. "Ich habe davor gewarnt, dass die Rückrunde viel schwerer werden wird. Einige Leute scheinen immer noch nicht verstanden zu haben, dass wir die Hinrunde in unseren Köpfen abhaken müssen und eben noch nichts entschieden ist", sagt Bondar und wurde erstmals lauter: "Wenn wir so weitermachen, dann werden unsere Aufstiegs-Chancen immer geringer."
Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nichts von den Patzern der Konkurrenten und der Tatsache, dass der Tusem trotz eines Unentschiedens seinen Vorsprung auf den ersten Verfolger sogar ausgebaut (!) hat.
Was den Essener Trainer wurmt, ist sicherlich das Leistungsloch, in dem seine Mannschaft seit Beginn des Kalenderjahres 2007 unübersehbar steckt. Aber vielmehr ereifert sich Bondar über allzu voreilige Zeitgenossen, die den Bundesliga-Aufstieg bereits als feststehende Tatsache im Kopf abgehakt haben. Am meisten aber verärgern ihn die kritischen Stimmen, die zuletzt außerhalb, im Umfeld sowie vereinsintern laut wurden.
Eine davon gehört auch Tusem-Geschäftsführer Horst-Gerhard Edelmeier. Der hatte in seiner Kolumne im Vereinsheft angemerkt, dass "auch unsere Bank noch lernen muss." Als Musterbeispiel für einen "abgeklärten, souveränen Trainer", der "nie seine Ruhe verliert" bezeichnet Edelmeier den Kieler Coach Serdarusic.
Diese Sätze sind indirekt formulierte, öffentlich publizierte Verbal-Ellbogenstöße des Chefs gegen Bondar. Der hatte zuletzt in Dormagen wegen Reklamierens eine Zeitstrafe gegen die Bank mitverursacht und soll nach der Niederlage gegen Bittenfeld aufgrund der Verärgerung über die Schiedsrichter-Leistung der Pressekonferenz fern geblieben sein. Ärgerliche, aber nicht selten anzutreffende Vorgänge im Handball-Alltag.
Größtes Problem: Edelmeier weilt derzeit im Urlaub. Seine Kritik hat er öffentlich gemacht, ohne eines der vergangenen drei Spiele selbst gesehen zu haben und ohne mit Bondar darüber im Vorfeld gesprochen zu haben. "Wir sollten in dieser Situation, wo es nicht so gut läuft, lieber alle an einem Strang ziehen. So etwas hier hilft keinem", ärgert sich Bondar über diese klubintern erzeugten Querelen.
Edelmeier hatte erst vor zwei Wochen den Vertrag mit Bondar um ein Jahr verlängert und ihn dabei als "Glücksfall für den Tusem" bezeichnet. Wieso Edelmeier jetzt aus der Ferne zündelt, ist ebenso fraglich wie Bondars Schritt, auf die Geschäftsführer-Kritik öffentlich zu antworten.
"Für mich haben beide die falsche Plattform für ihre Meinungsäußerungen gewählt", sagte Tusem-Sprecher Jens Wachowitz gestern mit einem Tag Abstand nach dem Spiel im WAZ-Gespräch. "Solche Angelegenheiten sollten stets intern und nicht in aller Öffentlichkeit geregelt werden. Und das werden wir auch tun, wenn Herr Edelmeier aus dem Urlaub zurück ist." Das wird aber erst am Freitag der Fall sein. Vorher steht am Mittwoch das Spiel in Aue an.
Dort soll der Tusem zu alter Vorrunden-Stärke zurückfinden: "Ich werde an die Spieler rangehen - und schonungslos die Wahrheit sagen. Ich werde nie aufhören die Wahrheit zu sagen", machte Bondar in der Pressekonferenz, der diesmal rund 80 Gäste im VIP-Raum lauschten, seinem Unmut Luft. Und erneut forderte Bondar mehr Harmonie und Respekt ein: "Sind wir nun eine Gemeinschaft - oder sind wir nichts?!? Nur mit Blablabla kommt man nicht zum Erfolg. Wir sind noch nicht aufgestiegen." Diese scharf formulierten Sätze ließ Bondar einige Sekunden verklingen. Dann schmunzelte er selbst. Und sagte: "Ich habe fertig!!!"
25.02.2007 Von Thomas Richter /WAZ
So langsam fliegen die Fetzen in der HSB des TuSEM
Vorbei mit Friede ,Freude ,Eierkuchen
Und der Trainer (vor 2 Wochen wurde der Vetrag auch für Liga 1 verlängert )
knallt jetzt auf die Mannschaft , wo er doch selber den Fehler machte , den Nachwuchs rechtzeitig einzubinden
