So, hier ist ein weiterer Bericht. Ein Gespräch mit Klaus Schorn geführt mit Sport 1.
München - Erstmals in der Geschichte der Bundesliga-Geschichte wurde in erster Instanz mit Essen, Schwerin und Wallau gleich drei Vereinen aus finanziellen Gründen die Lizenz für die kommende Saison verweigert.
Eine Woche haben die Klubs Zeit, Berufung einzulegen. Europapokal-Sieger TuSEM Essen will diesen Weg gehen, sieht sich selbst als Opfer.
"Wir arbeiten wirtschaftlich solide", sagt Essens Vereinsboss Klaus Schorn im Gespräch mit Sport1.de, "der Etat für die kommende Saison ist gesichert."
Sport1: Jetzt ist das Kind wohl erst mal in den Brunnen gefallen. Wie konnte es so weit kommen?
Klaus Schorn: Langsam, langsam. Wir haben vom Lizenzentzug per Pressemitteilung erfahren. Und die Begründung ist uns noch nicht zugestellt worden. Erst dann können wir reagiern und uns dazu äußern. Aber bis jetzt war ich immer der Meinung, dass man Dinge im Sport auf einer fairen Grundlage regelt.
Sport1: Passiert das momentan nicht?
Schorn: Nur eins: Unter dem Dach des DHB wäre das nicht passiert. Die Interessenslage ist dort eine ganz andere.
Sport1: Das ist ein brisantes Thema: Pfullingen sitzt beispielsweie mit im achtköpfigen Gremium, dass über den Lizenz-Entzug entschieden hat. Nun müsste Pfullingen nicht absteigen...
Schorn: Zum Beispiel. Ich möchte da keinen anschwärzen, aber wie soll man solche Entscheidungen unabhängig von eigenen Interessen treffen?
Sport1: Von der Selbstverwaltung der Liga scheinen Sie nicht viel zu halten.
Schorn: Wohin das führt, das sieht man doch jetzt. Das ist nicht nur schlecht für Essen, dieser vorläufige Lizenzentzug ist schlecht für den gesamten deutschen Handball.
Sport1: Aber Sie können doch nicht leugnen, dass Ihnen durch die Zahlungsunfähigkeit Ihres Sponsors Weinerplan 2,77 Millionen Euro fehlen.
Schorn: Ja, das stimmt. Aber das muss man anders sehen. Wir sind Opfer kriminelle Machenschaften. Und in dem man uns die Lizenz nicht erteilt, nimmt man uns auch die Möglichkeit nachzubessern.
Sport1: Sehen Sie denn die Chance nachzubessern?
Schorn: Ja natürlich. Wir haben vor einer Woche den Europapokal-Titel gewonnen. Diesen Titel kann man vermarkten, richtig gut vermarkten. Das sollten auch die Herren im HBL-Vorstand sehen, statt uns jetzt mit dem Lizenz-Entzug zu bestrafen.
Sport1: Unabhängig von der Begründung für den Lizenz-Entzug haben Sie bereits angekündigt, Berufung einzulegen. Glauben Sie, das hat Erfolg?
Schorn: Warum, es entscheiden doch die selben acht Leute. Das wird keinen Erfolg haben. Die Sache endet vor dem Schiedsgericht.
Sport1: Aber da scheinen Sie sehr zuversichtlich zu sein. Wie sieht es denn wirtschaftlich bei Ihnen aus, ist der Etat für die kommende Saison gesichert?
Schorn: Ja, das ist er. Und da sind die 2,77 Millionen von Weinerplan nicht miteinberechnet. Wir arbeiten wirtschaftlich solide.
Das Gespräch führte Anja Schramm
Also ich bin überrascht, wie entspannt er das sieht und zudem hat er mit einigen Dingen nicht Unrecht.