Bevor Ihr euch weiter über die Finanzen in Nordhorn unterhaltet empfehle ich euch noch mal die Stellungsnahme vom Spielausschuss Vorsitzenden über die Lizenzierung durchzulesen. Dort haben Fachleute entschieden aber scheinbar haben hier im Forum fast alle mehr Ahnung und auch bessere Unterlagen denn sonst kann ich diese Sachen die hier geschrieben werden nicht mehr nachvollziehen.
Außerdem ist seit kurzem ein 7 Köpfiges Gremium eingesetzt worden die die Wirtschaftlichen und Sportlichen belange überprüfen.
Von Heinz Jacobsen
Die zum Teil in unerträglicher Weise in der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit der Lizenzentscheidung zugunsten der HSG Nordhorn gemachten Äußerungen von Bundesliga-Vertretern veranlassen mich, einige Dinge klarzustellen.
Die Lizenzerteilung für die HSG Nordhorn, mit allerdings erheblichen Auflagen, beruht auf der Vorgabe des Gutachterausschusses, der die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der HSG Nordhorn zu bewerten hatte. Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens wurden die Gründe, die in der ersten Entscheidung zur Lizenzverweigerung führten, nach Prüfung durch den Gutachterausschuss beseitigt, so dass der Beschwerde abgeholfen werden konnte und musste.
Gemäß § 2 der Lizenzierungsrichtlinien ist die Beurteilung des Gutachterausschusses zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Antragstellers für die Lizenzentscheidung durch Ligaausschuss oder Präsidium verbindlich. Die Empfehlung zur Lizenzerteilung durch den Gutachterausschuss im Hinblick auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit hatte also genau diesen verbindlichen Charakter. Und nur darum ging es bei dieser formalen Entscheidung durch den Ligaausschuss.
Der Vorsitzende des Gutachterausschusses hat im übrigen auf Befragen darauf hingewiesen, dass es keinerlei Ansatzpunkte gegeben hat, die darauf schließen lassen könnten, dass die HSG Nordhorn falsche Angaben bei der Vorlage der Antragsunterlagen gemacht habe.
Der Ligaausschuss hat sich daher auch bei seiner Ablehnung in der ersten Entscheidung auf die vom Gutachterausschuss vorgebrachten Gründe berufen. Die wurden im Rahmen der festgelegten Frist abgearbeitet. Danach können vom Antragsteller keine weiteren neuen Tatsachen vorgebracht werden, die bei der Entscheidung über die Beschwerde zu berücksichtigen sind. Diese Frist gilt natürlich auch für den Ligaausschuss. Danach war eben nur noch über diese Beschwerde zu entscheiden.
Entscheidungen des Ligaausschusses müssen satzungskonform und den gültigen Ordnungen und Richtlinien entsprechend getroffen werden. Hierfür trägt dieses Gremium die volle Verantwortung. Andere Entscheidungen, die emotional erfolgen, werden jedenfalls von mir nicht mitgetragen. Die sich daraus ergebenden Konsequenzen wären unübersehbar.
Wenn jetzt von einzelnen Ausschuss-Mitgliedern darüber geklagt wird, dass man im vorliegenden Fall keinen Entscheidungsspielraum habe, sei darauf hingewiesen, dass die derzeitig gültigen Lizenzierungsrichtlinien von allen Bundesliga-Vereinen einstimmig gebilligt wurden. Dieses sollte auch den Ligaausschuss-Mitgliedern bekannt sein. Diese Klagen sind daher für mich überhaupt nicht nachvollziehbar. Die zum Teil im Rahmen des Lizenzierungsverfahrens der HSG Nordhorn erhobenen Vorwürfe und Unterstellungen sind auf Grund der vorliegenden Fakten in keinster Weise gerechtfertigt.
Es muss außerdem darauf hingewiesen werden, dass aus dem Ligaausschuss in unzulässiger Weise Informationen öffentlich gemacht wurden, obwohl alle Ligaausschuss-Mitglieder eine Verpflichtungserklärung zur Verschwiegenheit über Vorgänge, die ihnen im Zusammenhang mit dem Lizenzierungsverfahren bekannt werden, unterschrieben haben.
Dieses ist im Interesse aller Betroffenen nicht hinnehmbar. Jeder Verein hat in diesem sensiblen Bereich ein absolutes Recht auf Vertrauensschutz. Abschließend bleibt festzustellen, dass die öffentlichen Äußerungen einiger Bundesliga-Vertreter im Zusammenhang mit der Lizenzerteilung für die HSG Nordhorn der Handball-Bundesliga mindestens genau so geschadet haben wie die öffentlich gemachten finanziellen Turbulenzen in Nordhorn. Die so häufig und gern zitierte Professionalität ist mit dieser Handlungsweise völlig auf der Strecke geblieben. Ich denke, jeder hat vor seiner eigenen Tür genug zu kehren. Keiner von uns sollte öffentlich mit dem Finger auf andere zeigen. Sonst könnte sich die immer wieder beschworene Solidarität innerhalb der Bundesliga sehr schnell als Seifenblase erweisen. Die Folgen für die Gründung des neuen Ligaverbandes wären unabsehbar.
In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal auf ein Zitat von Bundestrainer Heiner Brand im Online FAZ.NET. hingewiesen: "Vereine und Verband müssen noch einheitlicher und weniger eitel und eigennützig zusammen wirken. Zu oft zählt letztlich das eigene Interesse, und das Ganze muss darunter leiden. Egoismen und Profilierungsdrang aber müssen abgebaut werden."
Heinz Jacobsen