Der Deutsche Handball-Bund (DHB) kämpft weiter um die Männer-WM 2005 und will die Vergabe des Championats an Tunesien rechtlich klären lassen. Das DHB-Präsidium gab am Sonntag im Anschluss an eine Sitzung bekannt, dass bei der mit 44:46 verlorenen Abstimmung auf dem Kongress des Weltverbandes IHF am vorigen Wochenende in St. Petersburg offenbar nicht stimmberechtigte Delegierte mitvotiert hatten. Deshalb will der DHB die WM-Vergabe schriftlich anfechten und förmlich überprüfen lassen.
Entgegen erster enttäuschter Reaktionen will der mit rund 830 000 Mitgliedern stärkste nationale Handball-Verband der Welt seine Zusammenarbeit mit der IHF fortsetzen. «Der DHB ist sich der Verantwortung für den internationalen Handball bewusst und wird auch weiterhin eine Führungsrolle beanspruchen», sagte DHB-Präsident Ulrich Strombach nach der umfangreichen Analyse des IHF-Kongresses. Der angekündigte Rückzug deutscher Funktionäre aus den IHF- Kommissionen sei vom Tisch. «Im Gegenteil, wir beabsichtigen, unser Engagement in der IHF - und auch in der EHF - mittelfristig zu verstärken», erklärte Strombach.
Im Kampf um die Männer-WM bemängelt das DHB-Präsidium neben dem Abstimmungsverhalten, dass nach vorliegenden Informationen Tunesien keine Hallen besitzt, deren Größenordnung den IHF-Kriterien für die Ausrichtung von WM-Spielen entsprechen. Unter anderem sollen die Hallen in denen die Vorrundenspiele ausgetragen werden mindestens 5.000 Zuschauer fassen, die für die Finalrunde sogar 10.000. «Aus der tunesischen Präsentation war nicht annähernd zu erkennen, wie diese auch von bedeutenden Sponsoren genannten Forderungen erfüllt werden können», sagte DHB-Sportdirektor Peter Sichelschmidt.
Eine förmliche Überprüfung könnte demnach zu einer veränderten Ausgangslage führen. Dem DHB geht es vor allem um eine grundsätzliche Diskussion über die Durchführung von Abstimmungen. «Es darf nicht wieder vorkommen, dass Wahlen in einer Form stattfinden, die demokratischen Ansprüchen zuwider laufen», erklärte Rainer Witte, der in seiner Funktion als DHB-Vizepräsident für Recht nicht nur die schriftliche Anfechtung, sondern auch einen Forderungskatalog für die korrekte Durchführung von Wahlen ausarbeiten wird.
Sollten die nachträglichen Bemühungen des DHB um die WM in drei Jahren nicht von Erfolg gekrönt sein, will sich der Verband um andere Titelkämpfe bewerben. «Nach der Entscheidung von St. Petersburg sind wir von allen relevanten Seiten augefordert worden, unser hervorragendes Konzept weiter zu verfolgen», erklärte der für den Leistungssport zuständige Vize-Präsident Horst Bredemeier. Der DHB halte die Durchführung eines internationalen Wettbewerbs im Männer- Handball für notwendig. Möglich sind die Kandidaturen für die Europameisterschaft 2006 oder WM 2007.
Quelle: Handball-World