Rechtzeitig dicht gemacht
Von Klaus Apitz
Handball - Oh, wie ist das schön“, sangen sie voller Überschwang in der Horkheimer Zuschauerecke, als auf der Hallenuhr die letzten 60 Sekunden runterliefen. 27:23 gewann der Handball-Oberligist TSB gestern Nachmittag beim TV Flein und ist mit 16:2 Punkten wieder Tabellenführer. 4:0 steht es jetzt in der Derbywertung, doch diesmal mussten die Horkheimer die letzten Reserven mobilisieren .
Die Fleiner nämlich kamen gut rein in dieses kampfbetonte Spiel und legten bis zur Halbzeit immer vor. Sie versäumten es aber, ihren Vorsprung auf mehr als drei Tore auszubauen. „Wir haben jedes Mal die Chance weiter wegzukommen und verblasen jeden Siebenmeter“, war Trainer Rudolf Wagner untröstlich. Eine der Schlüsselszenen sahen die rund 900 Zuschauer in der übervollen Fleiner Sandberghalle nach 21 Minuten. Beim 10:7 lief Holger Schaible einen Konter, scheiterte aber am Horkheimer Torhüter Timo Hirschmann (siehe auch „Nachgefragt“). Statt 11:7 stand es wenige Sekunden später 10:8.
Unentschieden Horkheim kam zum 10:10 und lag zur Pause nur mit 13:14 zurück. Und dann war beim TSB Schluss mit Demokratie. „Ich habe die Mannschaft vor dem Spiel gefragt, wie sie in der Abwehr spielen will. Sie hat sich für ein 3 - 2 - 1 entschieden. In der Pause habe ich dann auf 6 - 0 umgestellt, und es war dann viel besser“, sagte Trainer Volker Blumenschein.
Genau. Denn erst jetzt schlug bei den Fleinern durch, dass ihnen Edin Hadzimuhamedovic fehlte. Der Antreiber und Toremacher musste wegen eines entzündeten Nervs an der Achillessehne passen. Markus Denscheilmann machte zwar als Ballverteiler den Job ganz gut, blieb aber ohne ein Tor. Und auf halblinks kam Fabian Gerstlauer nicht mehr zum Zug. Seine zwei Tore in der zweiten Halbzeit warf er erst, als alles gelaufen war. Und ein Oliver Hess, mit sieben Treffern bester Fleiner, konnte es allein auch nicht richten.
Sieg: Stefan Fähnle ballt die Faust in Richtung der Horkheimer Fans.
Zwölf Minuten Torflaute Nach dem 15:13 blieben die Fleiner zwölf Minuten ohne Tor, Horkheim ging erstmals in Führung und gab sie nicht mehr ab. Von der Gummimauer um Stefan Fähnle und den stark haltenden Hirschmann prallte fast alles ab. Und die wenigen Chancen, die Flein sich über die Flügel erarbeitete, wurden nicht genutzt.
Magere sieben Tore machten die Gastgeber bis zur 54. Minute, und da lag Horkheim erstmals mit vier Toren vorn. Auch da gab es zuvor eine entscheidende Szene: Markus Denscheilmann traf beim 20:22 mit einem Strafwurf nicht ins Tor, sondern Hirschmann. Es war der fünfte von sieben Siebenmetern, den der Gästetorwart hielt. Und im Gegenzug sorgte mit dem Horkheimer Stefan Wagner ausgerechnet der Sohn des Fleiner T rainers für die Vorentscheidung. Davon erholten sich die Fleiner nicht mehr.
Rudolf Wagner (Flein) und sein Sohn Stefan (Horkheim) nach dem Spiel.
„Ein Punkt wäre verdient gewesen, heute hat die glücklichere Mannschaft gewonnen“, sagte Rudolf Wagner. So sah es auch Oliver Hess: „Diesmal müssen wir uns ärgern, aber wir haben halt die fünf Siebenmeter nicht reingemacht.“ TSB-Abwehrrecke Stefan Fähnle war hinterher erschöpft, aber froh: „Das war hinten richtig gut in der zweiten Halbzeit. Wir haben sie gezwungen, aus dem Rückraum zu werfen, und unser Torwart hat die Dinger gehalten.“
TV Flein: Hoffmann, Eberle (bei einem Siebenmeter) - Brenner (4), Gerstlauer (5/1), Göppele, Schaible (3), Jelinic (3), Denscheilmann, Vieler (1), Hess (7/1), Trampusch, Geiger.
TSB Horkheim: Hirschmann, Toskic (nicht eingesetzt) - Altmann (1), Kuntzag (2), Stefan Wagner (2), Baum (4), Knoll (1), Jerkovic (1), Huber, (1), Fähnle (2), Schumacher (5), Herrmann (5/3), Tittel (2), Hau (1).
Torfolge: 2:0, 2:2, 5:3, 5:5, 8:5 (14.), 10:7, 10:10 (24.), 12:10, 13:11, 13:13, 14:13 - 15:13, 15:17 (42.), 16:17, 18:19, 20:21, 20:24 (54.), 22:25, 23:27.
Siebenmeter: Flein 7, 2 Tore- Horkheim 4, 3 Tore.
Zeitstrafen: Flein 3 - Horkheim 8.
Schiedsrichter: Moebert/Schnieder (Blumberg).
Zuschauer: circa 900.