Nach dem dritten Spiel jenes Turniers von Auswahlmannschaften hätte ich mir allerdings auch körperlose Abwehr gewünscht. Eine Mannschaft tat sich - sehr erfolgreich - dadurch hervor, jeden Schlagwurf, jeden Sprungwurf von der Seite durch einen Schubser zu begleiten. Meine Mädels rollten reihenweise über den Boden und es gab einen Freiwurf nach dem Anderen. Nach etwa sechs nicht gegebenen Hinausstellungen gab die Mannschaft schlichtweg auf und die perfide Taktik des späteren Turniersiegers ging auf. Das hatte allerdings genausowenig mit Handball zu tun, wie in der D den Körperkontakt zu unterbinden.
das erinnert mich stark an eine meiner bittersten Stunden, als eines meiner Mädels, damals allerdings auch schon wB, 4-5 mal beim Sprungwurf seitlich gestoßen wurde und jeweils übel zu Boden ging. Beim letzten Mal ist sie nicht mehr aufgestanden, musste sich dann Halswirbel einrenken lassen, hatte wochenlang Schmerzen und konnte auch mehrere Wochen nicht trainieren.
Schiri war ein ca 70 jähriger Opa, der das ganze Spiel von der Mittellinie aus "geleitet" und nicht bei einer dieser Aktionen gepfiffen hat. Jedes Mal wurde der Jubel und das hämische Lachen der gegnerischen Heimfans lauter. Den ca 10 Tore Vorsprung haben die Mädels nach dem knock out ihrer Spielmacherin gerade noch mit +1 über die Zeit gerettet.
Nach dem Abpfiff bin ich zum gegnerischen Trainer und habe ihn gefragt, wie er, der er auch als Auswahltrainer tätig sei (!) und damit eine besondere Verantwortung wahrnehme, das mit ansehen könne, ohne auf seine Mädels mäßigend einzuwirken. Er meinte nur, was ich hätte, es wäre ja nichts gewesen, der Schiri habe ja nicht gepfiffen. Und liess mich mit offenem Mund stehen. Jedes weitere Wort über diesen Menschen erübrigt sich und für mich ist er seither gestorben.
Hauptproblem war/ist für mich jedoch, dass ein Verband überforderte Schiris in eine Altersklasse schickt, in der sie mit der Geschwindigkeit nicht (mehr) zurecht kommen und die Spielerinnen diesen dann völlig ausgeliefert sind.
Später habe ich dann noch erfahren, dass der Schiri vor Anpfiff zu meinen Mädels sagte, falls sie sich über eine Entscheidung beschweren würden, würde er sie das den Rest des Spiels spüren lassen.
Dieser Nachmittag war für mich vielleicht der Tiefpunkt in meinem Handballleben.
Das kam mir gerade wieder hoch, als ich deine Zeilen las und musste raus. Sorry und Danke für die Beihilfe zur Traumatherapie.