Die Partie gegen Hamburg war das erste Handballspiel in Deutschland, das für eine Virtual Reality mit einer 360-Grad-Ansicht live produziert wurde.
Virtual-Reality-Brillen gehören in vielen Sportarten bereits zum Standard. Der THW Kiel ist der erste Handballclub weltweit, der die Technik einsetzt.
„Das ist eine Weltpremiere“, so stellt Alisa Türck, die sechs neuen Virtual-Reality-Brillen vor. „Ich möchte neue und jüngere Zielgruppen erreichen, mehr Digitalisierung und ein paar Highlight-Projekte umsetzen“, sagt sie. Während der Pandemie habe sie sich bereits mit VR auseinandergesetzt, jetzt die Testung für den THW Kiel organisiert. „Ich erhoffe mir davon, noch mehr Fannähe zu schaffen, eine unserer tragenden Säulen.“
Götz Kursawe macht seit sieben Jahren VR und erklärt die Technik. Sein Motto: „Wenn du nicht in die Arena kannst, bringen wir die Arena zu dir.“ Die Möglichkeiten gefühlt endlos: von einer Lounge mit Avataren über den Einsatz von AI mit zugeschnittenen Highlights bis hin zu Wiederholungen. Zwei Kameras sind beim Tor befestigt, eine weitere am Kampfgericht auf Kopfhöhe der Spieler.
… Timeout: ich möchte vom Kampfgericht aus genau verfolgen können, was besprochen wird. Zwei Spieler werden ausgewechselt und laufen geradewegs auf mich zu. „Da hat sich die Brille gelohnt“, denke ich…
…eine Zwei-Minuten-Strafe. Gerechtfertigt? Ich bin mir nicht sicher, schaue mir die Wiederholung an und komme zu dem Schluss: Ja, die Entscheidung des Schiris war völlig verständlich… Heute habe ich Einblicke erhalten, die ich als Fan in der Halle nicht bekommen hätte.
Das war ein zunächst einmaliger Test mit anschließender Befragung, parallel zu einem Event beim Open Campus sowie einem E-Sports-Turnier, wo zahlreiche Personen die Brillen testen konnten. Doch in der THW-Fanwelt können die Brillen weiterhin ausprobiert werden. Die Firma YBWR stellte die Brillen, finanziert von der Förde Sparkasse. Zwischen 350 und 500 Euro kostet ein Gerät.
Seit Juni 2024 ist Alisa Türck Geschäftsführerin des THW – die einzige Top-Managerin in der Handball-Bundesliga.
Sie will den THW Kiel neu aufstellen: „Sind noch nicht da, wo ich sein möchte“ und ist gespannt, welche Geschäftsmodelle sich aus dieser Technik entwickeln lassen. „Es könnte mehr Menschen ermöglichen, dabei zu sein.“ Etwa altersbedingt können einige treue Fans nicht mehr kommen. „Wenn man es nicht wagt, kann man es nie besser wissen. Das wird die Zukunft sein“, sagt sie. „Ohne Mut kommt man nicht weiter. Und diese Technik auszuprobieren, ist nicht nur mutig, sondern auch sinnvoll.“
Quelle KN