Spieler retten Flensburg Gehaltsverzicht wendet Insolvenz ab von Erik Eggers
Erstmals nach 2002 hatte sich die SG Flensburg-Handewitt nicht für die Champions League qualifiziert. Zudem fielen wegen der Finanzkrise einige Sponsoren aus. Erst ein Gehaltsverzicht der Profis verhinderte nun die Insolvenz des Traditionsklubs.
„Die klare Ansage war, dass, wenn wir nicht im Lohn runtergehen würden, der Verein Konkurs gehen würde. Um den Verein zu retten, haben wir zugestimmt.“ SG-Kapitän Knudsen Sie hatten über Wochen verhandelt. Auf der einen Seite bat die Führung des Handball-Bundesligisten SG Flensburg-Handewitt seine Profis um eine 15-prozentige Gehaltskürzung, auf der anderen Seite sahen die Spieler nicht ein, warum bestehende Verträge keine Gültigkeit mehr haben sollten.
Erst eine Krisensitzung am Montag brachte eine Einigung. "Präsidium, Beirat und Geschäftsführung der SG bedanken sich in Namen aller Kommanditisten, Sponsoren und Fans für dieses weitgehende Entgegenkommen der Mannschaft", erklärte SG-Geschäftsführer Holger Kaiser hernach in einer Pressemitteilung.
Das klang nach einem harmonischen Pakt. In Wirklichkeit aber war die Lage des Deutschen Meisters von 2004 dramatisch. Erst die Drohung der Vereinsführung, im Falle keiner Einigung wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz beantragen zu müssen, bewegte die Spieler, sich mit der Gehaltsreduzierung einverstanden zu erklären.
"Die klare Ansage war, dass, wenn wir nicht im Lohn runtergehen würden, der Verein Konkurs gehen würde. Um den Verein zu retten, haben wir zugestimmt", sagt SG-Kapitän Michael V. Knudsen. Der dänische Europameister von 2008 vertrat gemeinsam mit Lars Christiansen und Annelise Vido, Anwältin der dänischen Spielergewerkschaft, die Interessen der Spieler.
Vorausgegangen waren nach Informationen von ZDFonline heftige Konflikte zwischen den Parteien. Als SG-Präsident Frerich Eilts den Spielern schriftlich unverblümt mitteilte, dass der Klub auf die Gehaltskürzung angewiesen sei, forderte die Juristin Vido Einsicht in die Geschäftsunterlagen des Klubs. Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer soll daraufhin die wirtschaftliche Lage des Klubs eruiert haben - erst auf der Grundlage dieser Zahlen stimmte der Mannschaftsrat schließlich dem Ansinnen der Klubführung zu.
SG-Geschäftsführer Kaiser dementiert die Aussage von der drohenden Insolvenz nicht. "Wenn die Gehälter so bleiben wie jetzt und die Einnahmesituation sich nicht ändert, dann gibt es ein großes Minus", antwortet Kaiser, der erst am 1. Juli als Geschäftsführer fungiert, auf entsprechende Fragen. "Die Spieler müssen die Zeichen der Zeit erkennen. Sie verdienen viel zu viel. Es ist keine einfache Situation derzeit." Man habe den Spielern erklärt, "Ihr müsst Euch an dem großen Minus mit 20 oder 25 Prozent beteiligen". Die Spieler müssten in solch einer Lage "Solidarität üben und Verantwortung übernehmen".
Zitat „Die Spieler müssen die Zeichen der Zeit erkennen. Sie verdienen viel zu viel. Es ist keine einfache Situation derzeit.“ SG-Geschäftsführer Kaiser Sportliche und wirtschaftliche Gründe Gesellschafter Manfred Werner erklärt, wie die SG in wirtschaftliche Probleme geriet: "Wir spielen nach langer Zeit nicht mehr Champions League." Dadurch entfielen Einnahmen aus fünf Heimspielen. Zudem habe man "im April und Mai eine erhebliche Summe von den Sponsoren nicht bekommen".
Bekannt ist, dass wichtige SG-Partner wie Motorola und Danfoss, die ihre Filialen in Flensburg schlossen, ausgefallen sind. Hinzu komme, dass die allgemeine Wirtschaftskrise auch die Ticketnachfrage bremse. "Wir haben rund 300 Dauerkarten weniger verkauft", sagt Werner. "Ein ordentlicher Kaufmann hat dann die Pflicht, das alles auf ein normales Niveau zu bringen." Die Vereinbarung betrifft laut Werner bislang nur die Saison 2009/10.
"Wir laufen auch nicht blind durch die Gegend und können die Situation gerade in unserer Region gut einschätzen", sagt Mannschaftsführer Knudsen. Die ganze Mannschaft wolle im Verein bleiben und habe ein Interesse daran, der SG zu helfen. "Die Mannschaft steht da zusammen."
Aber Knudsen äußert auch Kritik. Es sei "auch klar, dass in der Leitung Fehler gemacht worden sein müssen. Ein schwaches sportliches Jahr kann nicht alles kaputtmachen und den Verein zu solch einer Handlung zwingen."
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