Beiträge von brodie79

    Grundsätzlich gab es in Thüringen insgesamt zunächst kaum Infektionen. Jena war hier aber der Ausreißer nach oben mit Zahlen, die auf dem Bundesdurchschnitt lagen. Das lag aber daran, dass eben diese große Reisegruppe für 40% aller Fälle an einem Tag gesorgt hat. In den Tagen davor und danach gab es im Vergleich zu Gesamtdeutschland sehr wenige Fälle. In den 10 Tagen, bevor die Maskenpflicht kam (geschah am 5.4.) sind die Zahlen bereits wieder sehr niedrig gewesen, niedriger als zu Beginn vor der Reisegruppe. Wenige Tage nach Einführung gab es dann gar keine Neuinfektionen mehr für mehr als eine Woche. In dieser Zeit ist die Zahl der Neuinfektionen in Jena tatsächlich weniger stark in absoluten Zahlen gesunken im Vergleich zum Rest von Deutschland. Nicht weiter verwunderlich, weil Jena eben viel weniger Neuinfektionen hatte vor der Maske. Wenn man böse ist, könnte man sogar behaupten, ohne Maske bringt mehr, rein mathematisch gesehen. Ist aber natürlich Unsinn. Wo nicht viel ist, kann nicht viel wegfallen. Ich fand es nur etwas skurril, dass sich Jena in der Zeit ohne Neuinfektionen gefeiert hat für die Einführung der Maske und parallel z.B. eine Stadt wie Rostock, die doppelt so groß ist, zu diesem Zeitpunkt nicht mal mehr einen aktiven Corona-Fall hatte. Noch vor Einführung der Maskenpflicht. Und eben, dass die Städte um Jena herum genau denselben Fall der Zahlen hatten wie Jena, aber ohne Maske. Vor kurzem ist dann Thüringen aber doch wieder in die News gekommen, weil der Kreis Greiz plötzlich von den Fallzahlen über der Grenze von 50 war. Wohl offenbar durch eine Verbreitung in einem Altenheim.

    Zu den Wissenschaftlern. Man hat reale, lokale, und halbwegs vergleichbare Bedingungen in mehreren Städten in Thüringen. Die einen führen die Maske ein, die anderen nicht. Die Zahlen entwickeln sich überall gleich. Und dann geht man hin und konstruiert ein virtuelles Szenario. Warum? Sorry, ich will den Leuten nichts unterstellen, aber ich verstehe es nicht. Mich würde z.B. auch interessieren, warum es in Rostock gar keine Fälle mehr gab. Was haben die denn anders gemacht, dass es bei denen ohne die Maskenpflicht keine Fälle mehr gab.

    Oder auch jetzt in Dänemark. Es war total komisch, dass man in Dänemark keine Maske trägt. Es kam einen sogar erstmal irgendwie falsch vor. Man hat sich fast unsicher gefühlt. Aber irgendwie hat man sich auch nicht getraut, der einzige mit Maske zu sein. Die Dänen hat das aber überhaupt nicht gejuckt. Dass man im Supermarkt der Ferienhäuser keinen trägt, wo sowieso mehr Deutsche sind als einheimische: okay. Aber dann in Städten, wo sich keine Touris hinverirren? Die feiern alle ihre Abschlüsse mit den weißen Kappen, die Lokale sind voll, die Stadt ist voll, die Geschäfte sind voll. Überall keine Maske. Und trotzdem haben die die selben Fallzahlen. Wie kommt das denn?

    Bevor ich Szenarien konstruiere, die es nicht wirklich gibt, gucke ich mir das doch erstmal an. Und vor allem ergebnisoffen. Warum mich das ärgert? Weil es Wasser auf die Mühlen derjenigen ist, die dann sonst was vermuten.

    Die Leute an den Universitäten sind auch nur Menschen. Du musst doch nur mal in wissenschaftliche Magazine gucken, wie groß der Diskurs über die verschiedensten Themen ist. Da kommt die eine Gruppe zu dem Ergebnis und die nächste zum komplett gegenteiligen. Da werden teilweise Kleinkriege veranstaltet, die haben mitunter fast Kindergartenniveau, weil jeder unbedingt um jeden Preis recht haben will und es ja nicht sein kann, dass man sich irrt. Jeder, der schon paar Tage auf der Welt ist, der wird dort ggf. schon mal erlebt haben, dass man zu drei Doktoren geht und dort drei komplett verschiedene Meinungen zu seinem Problem hört, die dann komplett auseinandergehen. Mein Raumteilerin ist vor Corona bei acht Ärzten und in zwei Krankenhäusern gewesen und keiner konnte ihr sagen, was sie hat und woher ihre Probleme kommen. Und auf einmal bei Corona ist alles eindeutig? Ist alles klar?


    Mich nerven die Leute, die jetzt alle schreien, wie falsch doch alle Maßnahmen sind, aber mal komplett und ich kann keinen verstehen, der mutwillig dagegen verstößt, weil man sie selber falsch findet. Ich trage die Maske, weil ich hoffe, dass es etwas bringt und anderen hilft und ich keinen Bock andere zu gefährden, wenn es wichtig ist sie zu tragen. Aber ganz ehrlich, man kann wirklich ohne jede Mühe sich Szenarien konstruieren, die auch die Nichtwirksamkeit belegen. Um konkret zu bleiben. Ich kann doch nicht ernsthaft hingehen und sagen: ich ignoriere, dass es direkt neben Jena eine Stadt gibt, welche dieselben Erfolge bei der Senkung der Zahlen hat, komplett ohne Maskenpflicht. Sorry, aber das ist in etwa so, als würde ich jetzt einen Kreis in Dänemark ohne jede Maskenpflicht mit dem Kreis Güterslohn vergleichen und zum Ergebnis kommen: Hey, in Gütersloh sind seit Einführung die Neuinfektionen explodiert und in Dänemark nicht. Das muss also heißen, dass die Maske Schuld ist. Da würde doch jeder sagen, dass ich einen an der Waffel hab, so einen Schwachsinn zu behaupten. Rein mathematisch betrachtet ist es aber so, aber das Thema ist viel zu komplex, um das so einfach runterzubrechen.


    Ich finde es völlig legitim zu sagen, dass wir Masken tragen sollten, in der Hoffnung, dass sie helfen, dass die Zahlen so bleiben, dass die Kinder in die Schule gehen können, usw. Ich kann nur hoffen, dass man diese ganzen angeblichen Beweise nur deswegen fährt, weil man weiß, dass die Leute bei einer Empfehlung vermutlich so weiter leben würden, wie bisher und man dann ggf. die Folgen entsprechend hätte. Aber mich nervt einfach brutal, dass so getan wird, als wäre das alles total eindeutig und belegbar und dann immer wieder Jena hergenommen wird. Ich bin zwar gerade im Zweiwohnsitz in Kiel, aber Jena triggert halt. :)

    brodie

    die studie der 4 unis weist daraufhin, dass gleiche begleitumstände/ mit jena vergleichbare
    als maßstab genommen wurden-
    also hat die studie doch mit deinen ausführungen nciht viel gemeinsam- weil tatsächlich "waffengleichheit" angenommen wurde...

    resultat der studie trotzdem : maske ist von grossem vorteil

    Naja, in der Wissenschaft gilt eigentlich immer, dass es bei Versuchen eine Kontrollgruppe gibt. Es gibt rund um Jena andere Städte, die keine Maskenpflicht hatten, aber exakt dieselbe Entwicklung genommen haben. In jeder wissentschaftlichen Arbeit würde man an dieser Stelle zum Ergebnis kommen, dass die These nicht bewiesen werden konnte. Aber irgendwie sind alle so damit beschäftigt, ihre subjektive Wahrnehmung zu belegen, dass jeder wissenschaftliche Standard vergesen wird.

    Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, was genau etwas bringt und was nicht. Ich glaube hier im Thread gab es einen sehr guten Beitrag, dass unterschiedliche Maßnahmen zu gleichen Erfolgen geführt haben und auf der anderen Seite aber auch dieselben Maßnahmen ganz unterschiedliche Ergebnisse zur Folge hatten. Das fasst doch die Lage sehr gut zusammen. Das ganze Thema ist offenbar so komplex und von verschiedenen Faktoren abhängig, dass es nicht sinnvoll ist, sich einzelne Dinge rauszupicken und die dann für gut oder schlecht zu erklären.

    So grundsätzlich habe ich erstmal jedes Verständis für Politiker, die angesichts der unklaren Lage, erstmal die Variante sicher wählen. Ich möchte da nicht in der Position sein, wo ich dann verantwortlich dafür bin, dass Menschen sterben, weil ich beschlossen habe, ein gewisses Risiko einzugehen. Ich fand in dem Zusammenhang eben auch Schweden interessant, wo dann im Juni eingestanden wurde, dass es nicht gelungen ist, die Risikopatienten mit der eigenen Strategie zu schützen. Ich weiß nicht, wie das Echo in Schweden auf so etwas ist, aber hier bei uns wird doch von jedem Politiker verlangt, dass er sofort alles richtig macht, sonst ist er ein ahnungsloser Idiot, der abgesetzt gehört.

    In Jena selbst ging der Aktionismus bzgl. Maßnahmen so richtig los, als der Oberbürgermeister in Quarantäne musste, weil ein direkter Mitarbeiter infiziert war oder auch nur Kontakt hatte. Das weiß ich gar nicht mehr genau. Man hatte den Eindruck dieser Fall im Amt hat die Entschlussfreudigkeit bei den Maßnahmen so richtig angekurbelt.

    Ich mein, mal so generell gesprochen: Wir alle treffen Entscheidungen und Einschätzungen rein subjektiv. Man sieht in der Hirnforschung immer sehr gut, dass keiner von uns wirklich objektiv oder logisch denken kann, wirklich niemand. Unser Gehirn hat sich einen schönen Mechanismus gebaut, der es schafft, dass wir Informationen so verarbeiten können, dass sie zu unserer instiktiven Einschätzung passen, ohne dass wir das selbst merken. Deswegen funktioniert das so wunderbar, dass wir alle mit den selben Informationen zu ganz unterschiedlichen Schlüssel kommen. Selbst gestandene Wissenschaftler sind aber nicht in der Lage das zu erkennen. Und so erleben wir nun endlos viele Leute, die davon überzeugt sind, dass mit Zahlen oder Zusammenhängen genau das erklären können, was sie instinktiv für richtig oder falsch halten. Insofern ist mein Schluss fürs Leben immer der gewesen, dass ich sehr vorsichtig damit bin, dass was ich für logisch halte, auch für logisch zu erklären.

    Üblicherweise sind alle Dinge im Leben so komplex, dass man selbst nie alle Blickwinkel, nie alle Informationen hat, um überhaupt zu einem Schluss zu kommen, der wirklich alles berücksichtigt. Insofern sind mir persönlich Menschen, die auftreten, als wüssten sie Dinge aber mal so ganz genau, immer sehr suspekt, egal was sie wollen.

    Ich komme aus Jena und wohne weiterhin dort. Ich verstehe bis heute nicht, warum Jena als Beispiel für den Erfolg der Maskenpflicht steht und selbst Wissenschaftler Jena hier verwenden. Jena hat komplett andere Maßnahmen getroffen als der Rest der Republik. In Jena wurden bereits zwei Wochen vor dem Rest der Republik sämtliche Restaurants, Bars, etc. komplett geschlossen. Zu dem Zeitpunkt galt in Deutschland noch nicht einmal eine Begrenzung der Öffnungszeiten. Auch die anderen Geschäfte wurden weit vor dem Rest der Republik geschlossen.

    Zum Zeitpunkt als die Maskenpflicht beschlossen wurde, hatte Jena ungefähr dieselben Zahlen, wie der Rest der Republik im Schnitt. Zum Zeitpunkt als die Maskenplicht in Kraft trat (5.4.) hatte Jena nur noch die Hälfte der Neuinfektionen im Schnitt über die letzten 10 Tage. Ich hatte das damals mal nachgeguckt. Das war auch nicht weiter verwunderlich, wenn man sich die Zahlen ansieht, warum Jena überhaupt im Schnitt der Republik lag.

    Obwohl seit mehreren Wochen neue Fälle auftraten, stammten über 40% der Fälle von einem einzigem Tag. An diesem Tag kehrte eine sehr große Reisegruppe zurück. Ich weiß nicht, ob aus Südtirol oder sogar Ischgl, aber auf jeden Fall aus dem Skiurlaub. Der zweithöchste Wert war dann 15 oder 16. So in etwa. Zu keinem Zeitpunkt gab es in Jena eine vergleichbare Ausbreitung wie in anderen Teilen der Republik. Nur dank dieser Reisegruppe war es überhaupt relevant. Insofern verstehe ich einfach nicht, wie man Jena mit anderen Orten vergleichen kann.

    Nicht falsch verstehen. Ich habe nicht wirklich was gegen die Masken. Ich habe sie im Schnitt vlt. 5 Minuten am Tag auf, insofern betrifft mich das nich wirklich und mir ist es lieber man macht sowas als dann hinterher zu sagen: Ach hätten wir mal, aber Jena hat wirklich null Aussagekraft, ob Masken etwas bringen oder nicht.

    Fun Fact am Rand: In Jena waren sie so "engagiert", dass zwischenzeitlich sogar das Hinsetzen verboten wurde. Man hat auf alle potentiellen Sitzflächen in der Stadt Zettel geklebt, dass hinsetzen verboten ist.