Beiträge von brodie79

    Sportarten wie Handball, Basketball oder Eishockey funktionieren in erster Linie als Live-Sportarten in der Halle, aufgrund der Energie, die das mit sich bringt. Ich habe über Jahre sehr viele Leute "bei uns" im Basketball gesehen, die zu jedem Spiel in der Halle kommen, aber nichts mit der Sportart im TV gucken. Oft hatten die Leute nicht mal Plan von den Regeln oder kannten die Spieler so richtig, aber haben sich von der Atmosphäre in den Bann ziehen lassen. Weil sich die Live-Energie nicht so richtig transportieren lässt und die meisten kaum eigenen Bezug zur Sportart haben, können die Sportarten trotz starker Zuschauerzahlen in den Hallen kaum TV-Quote generieren.

    Ich weiß nicht, ob sie wirklich Zeit für Kopfschütteln haben. Bisher hat Dyn so überhaupt nicht das gezeigt, was angekündigt worden ist. Wer Muße hat, kann den Podcast aus dem letzten September bzgl. den Plänen nochmal anhören.

    OMR #524 mit S-Nation-Gründer Christian Seifert
    Christian Seifert hat aus der Fußball-Bundesliga ein Milliarden-Produkt gemacht. Andere Sportarten konnten mit dieser Entwicklung in Deutschland nicht…
    omr.podigee.io

    Da war angekündigt, dass Dyn ab dem Frühjahr bereits als Content-Plattform für die Sportarten sichtbar ist, eine Community aufgebaut werden soll, u.a. als interessanter Werbemarkt. Seifert sagt auch nochmal explizit, dass die eigentliche Arbeit von Dyn eben nicht das Übertragen der Spiele ist. Die Ligen sind ja nicht zu Dyn gegangen, weil sie moderne Technik für die Übertragung der Spiele wollten. Da war die BBL z.B. mit Magenta Sport schon seit neun Jahren.

    Insofern kann ich mir nicht vorstellen, dass man bei HBL und BBL besonders glücklich damit ist, dass aktuell das einzige Thema ist, wie man die Spiele überhaupt sehen kann und noch einige eigentlich ganz etablierte Wege erst noch angekündigt sind.

    2014 haben sie dann aber geliefert und haben Brasilien klar und deutlich geschlagen und auch Argentinien... Schweinsteiger war angeschagen und spielte und kämpfte trotzdem. Wahrscheinlich müssen wir bis 2034 warten ehe da wirklich wieder was passiert.

    Beide waren 2014 bei ihrem 6. großen Turnier fast 30. Beide haben 2004 bei der EM ihr erstes Turnier gespielt inkl. Vorundenaus. Beide galten lange als Symbol, was mit dem deutschen Fußball nicht stimmt, weil sie die Bravo-Boys Schweini und Poldi und keine Musterprofis waren. Wenn man nach der EM 2004 gesagt hätte, dass Deutschland mit den beiden mal Weltmeister wird, hätte das niemand geglaubt. Insofern muss man beim Fußball immer recht vorsichtig sein.

    Seifert hatte vor ein paar Monaten in einem Interview erzählt, dass es die Technologie für so einen Dienst bereits fertig einkaufbar gibt. Das klang eigentlich nicht danach als müsste man hier größere Dinge selbst entwickeln (lassen). Insofern hätte ich eigentlich gedacht, dass der Fokus von Dyn in der möglichst frühen Erzeugung von Content liegt und hier sehr schnell erkenntlich ist, wohin die Reise geht. Überrascht mich etwas, dass noch (fast) nichts sichtbar ist.

    Im Fußball ist das schwer vorherzusagen. Bei der EM 2016 war Deutschland immerhin noch im Halbfinale und war gegen Frankreich nicht unbedingt unterlegen. Insofern begann der Abwärtstrend erst mit der WM 2018. Vor der WM 2006 hat auch niemand Deutschland irgendwas zugetraut. Wenn man sich da an die Untergangsstimmung nach dem 1:4 gegen Italien in der Vorbereitung erinnert. Da waren Schweinsteiger und Podolski in der Öffentlichkeit noch die Bravo-Boys, die alles, aber nicht den sportlichen Erfolg im Kopf haben.

    Wobei man sagen muss, dass Landin in der CL in den letzten beiden Jahren oft nicht absolut top aussah. Mrkva insgesamt auch mit besserer Quote (29,3% vs. 26,3%) letzte Saison. Hat aber natürlich auch andere Spiele bekommen. Der Liga-Landin war irgendwie ein anderes Biest. Da fallen mir spontan eine Reihe von Spielen ein, die er dem THW gewonnen hat. In der CL gab es die bestimmt auch, aber mir fällt da jetzt ohne zu Kramen keins der (großen) Spiele in jüngster Vergangenheit ein. Ich kann mich da an einige Spiele aus der vorletzten Saison erinnern, wo er nicht viel gehalten hat, der THW große Mühe hatte, er aber trotzdem weitergespielt hat, weil Jicha offenbar Quenstedt (nicht unberechtigt) gar nichts mehr zugetraut hatte.

    Da muss man wirklich etwas vorsichtig sein. Die Wellenbewegungen in den Generationen wurden schon genannt.

    Deutschland ist nach der EM 1996 heftig abgestürzt und hat zehn Jahre gebraucht, bis sie wieder oben waren. Danach bei den Franzosen genau dasselbe. Nach dem EM-Titel 2000 ging wenig. Nochmal für die WM 2006 mit der Reaktivierung der Spielergeneration zuvor das Finale und dann hat es auch zehn Jahre gedauert bis sie wieder bei der EM 2016 weit gekommen sind mit dem Finale. Spanien ist nach den EM-Titeln 2008 und 2012, dazwischen 2010 WM-Titel auch nicht mehr richtig dabei gewesen. Drei große Turniere in Folge gewonnen und dann ging fast zehn Jahre nicht mehr viel, bis sie 2021 mal wieder in einem Halbfinale waren. Da siehst man einfach immer wieder, dass es nach einer erfolgreichen Zeit oft bis zu zehn Jahren dauert.

    In Deutschland war auch mal die Frage: Wo sind die Matthäus, Klinsmanns oder Kohlers hin? Die Franzosen trauerten lange Zidane, Thuram oder Deschamps nach. Die Spanier Xavi, Iniesta oder Torres. Es gibt im Weltfußball so gut wie keine Nation, die einen Generationenwechsel wirklich nahtlos hinbekommen hat.

    Was heißt Standby. Aber warum gebe ich einem in letzter Zeit viel verletztem Spieler, den ich kadertechnisch nicht zwingend brauche, einen 3-Jahresvertrag, wenn ich kein Geld drucken kann? Ich gehe mal davon aus, dass die Löwen sicherlich nicht finanziell komplett sorglos Verträge raushauen. Vlt. ein Jahr, wenn man sich (zu dem Zeitpunkt "damals") absichern will, weil man nicht genau weiß, wie gut es bei Späth nach der Verletzung geht und Appelgren jemand ist, der menschlich super passt, auch wenn er vlt. nicht so viel spielt.

    Aber macht es Sinn sich einen extra Torhüter zu leisten (über Jahre hinweg), wenn es im Kader durchaus andere Verwendung für das Geld gäbe? Vlt. unterschätze ich die finanziellen Möglichkeiten der Löwen komplett, aber das wäre doch ein Move für Teams, die finanziell soviel über haben, dass sie über Geld nicht wirklich nachdenken müssen und der restliche Kader auch in der Breite nicht besser geht.

    Es sei denn es gibt mit Appelgren andere Themen abseits des Parketts oder man geht davon aus, dass über kurz oder lang (eher kurz) einer der anderen beiden doch geht? Wenn man z.B. davon ausgeht oder weiß, dass Späth 2024 nicht verlängern wird, dann macht das natürlich Sinn.

    Dass sich Appelgren zurücknimmt kann man sich so von außen betrachtet auch sehr gut vorstellen. Interessant wäre, was der Plan der Löwen bei der Verlängerung für so einen Zeitraum war. In der PM zur Verlängerung war von Schlüsselfigur für die nächsten Jahre die Rede. War das rein sportlich auf dem Parkett gemeint? Angesicht der Verletzungsgeschichte in jüngster Zeit war es doch, so von weit weg, recht überraschend, dass man ihm einen so langen Vertrag gibt. Noch dazu mit den Alternativen im Kader. Dass man nach der Verletzung von Späth vlt. nochmal ein Jahr plant, weil man dachte, dass Spät vlt. noch nicht so weit ist, wäre denkbar, aber bei einer Verlängerung von drei Jahren muss doch eigentlich ein Plan da gewesen sein. Und wenn Appelgren zu, sagen wir mal, günstigen Bezügen verlängert hat mit dem Wissen, dass Späth und Birlehm bleiben und spielen werden, dann wäre es doch sinnvoll seine Zeit ggf. auch anders zu nutzen.

    Es ist noch keiner Sportart gelungen, egal mit welchen Erfolgen der Nationalmannschaft, das auf den Ligaalltag zu übertragen. Das sind einfach zwei paar Schuhe. Bevor ich in die Nähe von Kiel gezogen bin und einfach aufgrund der Nähe heraus zu Spielen gegangen bin, um mir Handball auf dem Niveau einfach mal live anzusehen und so den Zugang zur HBL bekommen habe, wäre ich nie auf die Idee gekommen mir irgendwas zu kaufen, um Ligaspiele anzusehen, obwohl ich seit Kindheitstagen immer alles von der Nationalmannschaft angesehen habe.

    Grundsätzlich brauchst Du für die Vermarktung immer Gesichter, um die man herum Geschichten aufbaust. Du brauchst Wiedererkennungswert. Die BBL hat z.B. das Problem, dass sie eine reine Sprungbrettliga ist, wo kaum ein Star länger in der Liga bleibt, weil Basketball auch in Europa so populär ist, dass man dort viel mehr verdienen kann. Die Spitzenverdiener in Europa kommen auf bis zu 5 Mio pro Jahr, was für eine deutsche Mannschaft nicht machbar ist.

    Da hat die HBL den großen Vorteil, dass die meisten Top-Spieler mehrere Jahre bleiben und man so den Mannschaften auch Gesichter zuordnen kann. Daraus kann man ggf. mehr machen, allerdings nur, wenn man Leute findet, die den Sport wirklich lieben und es schaffen diese Liebe zu transportieren. Wenn es eine reine Reißbrett-Marketing-Linie wird von Leuten, die das eher technisch professionell angehen, dann wird das eher nichts. So wie man bei Sky auch oft das Gefühl hatte, es wird einfach was abgespult als das wirkliche Begeisterung für den Sport der Antrieb ist.

    Die aufgezählten Defizite in der Ausbildung sind absolut richtig, aber man darf nicht vergessen, dass die deutsche U21 2017 und 2021 Europameister geworden ist und dazu noch 2019 im Finale war. 2017 mit einem B-Team, weil die großen Talente (Kimmich, Goretzka, Werner, Brandt, Ginter) parallel beim Confed-Cup als Vor-Turnier der WM 2018 in der A-Mannschaft gespielt haben, den Deutschland auch noch gewonnen hatte.

    Du musst im Fußball aber abseits von jedem Talent vor allem als Mannschaft funktionieren. Das ist eine komplett andere Welt als Handball, Basketball oder Volleyball, wo das individuelle Talent viel wichtiger ist. Mit Stefan Kuntz (und davor auch Horst Hrubesch) hatte die deutsche U21 während dieser Jahre einen Trainer, der es geschafft hat eine richtige Mannschaft herauszubilden, weil er auch immer die Balance im Auge hatte. Seit Kuntz in die Türkei gewechselt ist, gehen die Ergebnisse deutlich bergab. Kuntz hatte vorher auch keine endlose Reihe von Mega-Talenten, aber er hat sich nie davor gescheut Spieler einzubauen, die vlt. nicht das ganz große fußballerische Talent haben, aber wichtig für die Mentalität und das Mannschaftsgefüge waren.

    Wer könnte denn selbst als Fußball-Fan heute noch viele Spieler der Mannschaft des aktuellen Europameister aus Italien nennen? Oder man schaue sich die Mannschaft der Argentinier an, die im Winter Weltmeister geworden ist. Das ist nicht gerade eine Mannschaft voll mit Top-Stars. Aber beide haben als Mannschaft hervorragend funktioniert. Und das fehlt Deutschland gerade in der Nationalmannschaft enorm. Mit Flick haben sie dafür auch den falschen Trainer. Nicht, weil er per se ein schlechter Trainer ist, aber Flick hatte bei Bayern schon das Problem, dass er der Mannschaft in seinem ersten richtigen Jahr keine (defensive) Stabilität verleihen konnte und sich in Versuchen des Offensiv-Pressings verrennt.

    Die Probleme mit dem EU-Recht im Fußball sind lange durch. Die gab es Ende der 90er, Anfang der 2000er Jahre, wo es wirklich kaum Spieler gab, weil extrem wenig für die Ausbildung gemacht wurde und die Bundesliga fast nur aus Ausländern bestand. Einbürgerungen für die Nationalmannschaft notwendig wurden, etc. "Höhepunkt" der Entwicklung war dann hier: https://www.transfermarkt.de/vor-19-jahren-…iew/news/358235

    Danach kam die Verpflichtung zu den NLZs und der Talente-Pool wurde wieder größer. Außerdem sorgte die erste Generation der jungen Wilden beim VfB Stuttgart für so viel Aufsehen, dass man auch den PR-Nutzen gesehen hat, wenn man auf Spieler aus dem eigenen Nachwuchs setzt. Die Entwicklung in den NLZs hat aber auch zu sehr großen Nachteilen geführt und die kommen jetzt zum Tragen, was auch die Probleme der Nationalmannschaft bedingt. Aber das ist ein anderes Thema.

    Ich gönne das Gisli und dem SCM über alle Maßen, die Entwicklung ist herausragend. Das man von Seiten des THW allerdings zum zweiten Mal nach Lauge einen direkten Konkurrenten aufbaut und quasi unmittelbar die Quittung bekommt lässt mich bei diesem Dilettantismus einfach nur in einem andauernden Lachanfall verharren.

    Schau dir Harald Reinkind an. Der bringt beim THW Leistungen von denen bei den RNL nicht viel zu sehen war. Manchmal braucht ein Spieler eben den richtigen Trainer und die richtige Spielweise.

    Wie ist das eigentlich bei der anderen Sportart mit dem größeren Ball und der etwas anderen Schritte Regeln?

    Gibt's da auch so ein Ungleichgewicht zwischen Regel und was tatsächlich gepfiffen wird?

    Hab länger keinen Basketball mehr geguckt.

    Früher, als ich noch beides gespielt hatte, fand ich die Basketball Regeln einfacher, sowohl sich als Spieler dran zu halten als auch Verstöße zu erkennen.

    Ja, die Entwicklung ist quasi dieselbe gewesen. Die Regelung hat sich nicht verändert und es wird immer mehr erlaubt. In der NBA ist die Regel auch etwas anders als bei der FIBA, weshalb die Spieler, die nur NBA kennen sich dann international immer sehr umstellen müssen. Im Prinzip ist es so, dass die NBA spätestens in den 90er Jahren gemerkt hat, dass die Vermarktung von einzelnen Spielern viel besser funktioniert als von Mannschaften. Viele junge Fans sind auch eher Fans von Spielern und wechseln dann mit diesem auch den Verein. Man sieht das auch im Fußball, wo große Fanscharen mit Spielern wie Messi oder Ronaldo von Verein zu Verein ziehen. Das hat dazu geführt, dass die Regelauslegung sich immer weiter in Richtung individuelle Action der Starspieler angepasst hat. Nicht nur beim Schrittfehler. Deswegen wird man sicher auch im Handball nicht erleben, dass Dinge unternommen werden, welche die Vermarktung von Einzelspielern verschlechtern. Insbesondere, weil gerade auch Spektakel von eher kleineren Spielern immer gut ankommt. Die Durchschnittsgröße in der NBA wurde auch immer kleiner. Die Folge waren viele Jahre ISO-Ball, heißt den Ball in die Hand vom Star-Spieler und der Rest sorgt für Platz (Spacing genannt), sodass der Spieler im 1:1 "nur" seinen Gegner schlagen muss, was aufgrund der großzügigen Regelauslegung beim Schrittfehler einfacher ist. Mittlerweile ist auch wieder etwas her, weil vor allem Steph Curry das Spiel vor einigen Jahren komplett geändert hat.

    Hinter Dazn steht ein mittlerweile Dazn Group genannter Eigentümer, der früher Perform Group hieß. Die haben u.a. auch spox.com gekauft. Dahinter steht wiederum als Mehrheitseigener eine Beteiligungsgesellschaft, die gegründet wurde von Leonard Blavatnikm, dem man wohl um ca. 30 Mrd Vermögen zuschreibt. Aus Nächstenliebe macht der das natürlich auch nicht. Dazn betreibt ein recht klassischen Ansatz im Geschäft, wo man mit Kapital versucht die Preise auf ein Level zu drücken, wo die Konkurrenz irgendwann aufgeben muss und wenn man dann den Markt "gewonnen" hat, auf "richtige" Preise zu gehen, weil es keine Konkurrenz mehr gibt.

    DAZN Group – Wikipedia
    de.wikipedia.org
    DAZN-Inhaber - Der Pseudo-Oligarch Leonard Blavatnik
    Er gehört zu den geheimnisvollsten Figuren im internationalen Sportbusiness: Leonard Blavatnik. Der in der Sowjetrepublik Ukraine geborene Staatsbürger, ist…
    www.deutschlandfunk.de

    Springer wird mit Sicherheit eine sehr erhebliche Anschubfinanzierung leisten müssen über einen längeren Zeitraum hinweg. Auch wenn das Modell sicher darauf aufgebaut sein wird, dass man nicht selber die ganze Vermarktung machen will, sondern darauf baut, dass das andere mit machen. Das Ganze ist sicherlich nicht mit den Milliarden-Verlusten von Dazn vergleichbar, die dort seit Ewigkeiten Jahr für Jahr eingefahren werden. Dennoch würde es Dyn so in der Form bestimmt nicht geben, wenn Springer nicht versuchen müsste, für sich eine Zukunft in digitaler Form zu finden.

    Genau das war das Problem und der Grund für die Einführung der NLZ-Regelung. Die Vereine haben lieber günstige Ausländer geholt und nichts dafür getan, moderne Trainingsmethoden im Nachwuchs einzuführen, mehr Trainer einzustellen, usw. Man musste sie quasi zwingen mit den NLZs. Die Logik der Vereine war schlicht, warum soll man den Aufwand und die Kosten für die Ausbildung machen, wenn man fertige Spieler holen kann, die im Ausland ausgebildet worden sind? Das führte dann dazu, dass man sogar Spieler wie Paolo Rink oder Sean Dundee in fragwürdigen Verfahren eingebürgert hat für die Nationalmannschaft, weil gar nichts mehr aus dem Nachwuchs nachkam auf einem gewissen Level.

    Lahm ist mit 11 oder 12 zum FC Bayern gegangen, Schweinsteiger mit 14 oder 15. Die haben wie fast alle bei anderen Vereinen angefangen und haben sich bewusst früh dafür entschiedenen dorthin zu wechseln, wo die Konkurrenz groß ist und auch das Trainingspensum ein anderes. Schweinsteiger hätte z.B. auch in Rosenheim bleiben können. Die spielen im Herrenbereich jetzt auch nicht viel niedriger als Bayern II, wo Schweinsteiger und Lahm dann in den Profi-Bereich gekommen sind. Hier kann man auch sagen, dass sie gerade, weil sie in NLZ-mäßiges Konstrukt bei Bayern gegangen sind und nicht bei ihrem Heimatverein geblieben sind, aus ihnen etwas geworden ist. Ob man das ganze jetzt NLZ nennt oder nicht ist doch recht egal. Im Osten der Republik, wo ich herkomme, gibt es seit jeher die Sportgymnasien, wo die Schule sich auch eher dem Sport unterordnet.

    Zum Thema Belastung kann man sich bei Youtube gerne die Clips der Stories von Schweinsteiger und Hermann Gerland ansehen. Wenn man den Tiger zuletzt gehört hat, dann war der Grund für den Weggang bei Bayern u.a. auch, dass für ihn mittlerweile viel zu wenig trainiert wird im NLZ und zuviel geredet über Belastungssteuerung, etc.

    Im Basketball hat man als Antwort auf den Talentemangel die JBBL und die NBBL eingeführt. Schlussendlich hat sich dadurch die Förderung klar zentralisiert, was vielen kleinen Vereinen überhaupt nicht gefällt, weil die Standorte, die in den Ligen spielen die besten Spieler abwerben. So spielen die wenigen Talente, die man als Nicht-Fußball hat, jetzt an wenigen Standorten. Wenn man sieht, was "oben" rauskommt, dann hat das funktioniert. Da kann es genauso gut sein, dass die Zentralisierung eben dafür sorgt, dass die richtigen Trainer nun mit den wirklich talentierten Spielern arbeiten, weil es weniger verstreut ist. Trotzdem muss in der Zentralisierung auch sinnvoll gearbeitet, sonst bringt das auch nichts.

    Im Basketball haben wir zwar mehr NBA Spieler, aber auch hier keine Ikonen wie Schrempf oder Nowitzki mehr. Wagner kann einer werden, braucht aber Zeit.

    Mit Handball hat das alles ja nicht viel zu tun, aber dennoch. Ich hoffe ihr seht es mir nach. ;) Schrempf war ein harter Arbeiter, der mit 26 so richtig in der NBA angekommen ist und mit 30 das erste Mal All-Star wurde. Er hat es hauptsächlich in der NBA geschafft, weil er immer dran geblieben ist, als es in seinen ersten Jahren nicht so richtig lief. Ähnliches gilt auch für Nowitzki, der es dann nach einem katastrophalen ersten Jahr im zweiten geschafft hat, sich zu etablieren und in ganz andere Höhen gekommen ist. Ein Franz Wagner ist mit 21 einer der zentralen Spieler, der Spiele entscheidet. Da ist ein ganz anderes Grundtalent vorhanden als z.B. bei Schrempf. Wagner mit 20 hat selbst Nowitzki komplett in den Schatten gestellt in dem Alter. Mal sehen, wo seine Reise hingeht, aber dass in Deutschland aus dem Jugendbereich Spieler kommen, die so ausgebildet sind, dass sie wirklich gleich Leistungsträger sind, ist neu.

    Ja, die waren zu alt für den Zeitpunkt, wo NLZs verpflichtend geworden sind. Die erste Generation waren die 2009er U21-Europameister mit Neuer, Hummels, Höwedes, Boateng, Khedira, Özil, die dann 2014 auch Weltmeister geworden sind. Thomas Müller gehört auch in die Generation, der aber trotz Jugend beim FC Bayern immer etwas unter dem Radar lief, weil er mehr Instinktspieler war, während man in den NLZs damals schon anfing stark auf die technische Komponente zu schauen.

    Die Entscheidung die NLZs einzuführen kam eben daher, dass zu dem Zeitpunkt um 2002 die deutsche Nationalmannschaft hauptsächlich über den Kampf kam mit Spielern wie Ramelow oder Jeremies und spielerisch im Grunde nur Bernd Schneider ein gewisses Niveau hatte. Die Hoffnung im deutschen Fußball hieß damals Sebastian Deissler, weil er der einzige war, dem man von der individuellen Qualität Weltklasseniveau zugetraut hatte.

    Das wurde dann mit den NLZs deutlich besser, was die Geschwindigkeit der Spieler betraf als auch die technische Qualität. Trotzdem sind wiederum andere Dinge auf der Strecke geblieben, sodass man mittlerweile in Deutschland sehr viele Spieler hat, die Dinge mit dem Ball können, die früher in Deutschland kaum jemand konnte, aber dafür sind viele der klassischen "deutschen Tugenden" auf der Strecke geblieben. Die NLZs haben den deutschen Fußball dahingehend verändert, dass Deutschland früher erfolgreich war, weil man über Mentalität und Willen die Spiele gewonnen hat, während andere viel besser Fußball spielen konnten, aber nicht effektiv waren. Heute ist umgedreht. Eine gewisse Zeit hatte man eine gute Mischung aus beiden, aber mittlerweile kommen extrem viele Schönspieler aus den NLZs, denen es nicht gelingt den notwendigen Willen zu zeigen, wenn es drauf ankommt.

    Ein Aspekt, der dabei auch immer genannt wurde, ist dass die Spieler sehr früh sehr satt sind. Aufgrund der hohen Qualität der Spieler aus der Jugend heraus, schaffen sehr viele schon in sehr jungen Jahren den Durchbruch im Profi-Bereich und verdienen sehr schnell viel Geld. Genau dann braucht es aber diese intrinistische Motivation weiter dran zu bleiben und nicht mit 20 schon anzufangen zu glauben, dass man alles erreicht hat. Das scheint vielen schon sehr schwer zu fallen. Und dann kann man sich gerade im Fußball natürlich fragen, was bringt einem mehr?

    Im Grunde hatte man damals bei der Einführung die Situation, dass die WM 98 nur über die Ü30 noch gerettet wurde, dann 2000 bei der EM war in der Vorrunde schluss, die WM 2002 war vom Fußball her eine Katastrophe, aber erfolgreich dank Oliver Kahn und 2004 war bei der EM war man in der Vorrunde wieder raus. Nun ist man wieder da angekommen mit Vorrundenaus bei der WM 2018 und WM 2022. Die EM dazwischen war auch eher nichts. Hatte man damals das Problem, dass die Spieler wirklich nur kämpfen konnten und wirklich wenig Fußball spielen, hat man jetzt das Gegenteil.