HSV siegt - aber mag nicht feiern
Lange Gesichter trotz Hinspiel-Erfolg gegen Leon
DIRK HOFFMANN, NILS WEBER
Sie fluchten, sie ballten zornig die Fäuste, sie schüttelten fassungslos die Köpfe. Nein, nach Feiern war den HSV-Handballern trotz des 28:24 (14:12)-Sieges im Finalhinspiel des Europapokals der Pokalsieger nicht zumute. Acht Tore Vorsprung hätten es gegen Ademar Leon sein können, sogar noch mehr, wäre da nicht diese frustrierende Mischung gewesen aus schlechter Chancenauswertung, katastrophaler Schiedsrichterleistungen - und spanischer Schauspielkunst.
Verkehrte Welt in der Color Line Arena. Die Verlierer klatschten sich lächelnd ab, umarmten sich, die mitgereisten Fans aus Spanien sangen und tanzten.
"Ich habe eine Riesenwut im Bauch", zürnte Matthias Flohr im Kabinengang, riss sich unsanft das Tape vom Finger und feuerte die Fetzen auf den Boden. "Jetzt wollen wir es Leon im Rückspiel erst recht zeigen, dort gewinnen und feiern." Die Partie steigt kommenden Sonntag in Leon.
Der Jubel der 8759 Zuschauer über den Sieg fiel verhalten aus, dafür war das Pfeifkonzert für das Schiri-Gespann Visekruna / Stanojevic massiv. Die Leistung der Serben war eines Europacupfinals unwürdig. "Eine Frechheit", schimpfte Thomas Knorr. Insgesamt bekam der HSV zehn Zeitstrafen, aufgebrummt, die Gäste nur vier.
Nicht weniger wütend waren die Hamburger über die Spielweise der Iberer. "Das war doch kein Handball. Die haben sich am Kreis bei jedem Kontakt fallen lassen, reklamiert", klagte Flohr. Bertrand Gille fast sich an die eigene Nase: "Wir haben dumme Fehler gemacht und hätten viel höher gewinnen können."
Trainer Martin Schwalb blieb trotz allem cool. "Jede Mannschaft der Welt wird Probleme haben, uns mit vier,fünf Toren zu schlagen - auch Leon."
- STATISTIK, Tore HSV: Yoon (10/5), Hens (6), B. Gille, Flohr (je 3), Jansen, G. Gille (je 2), Schröder, Souza (je 1); bester Schütze Leon: Perales (7); Zeitstrafen: 10 / 4; Rote Karte: Knorr (3 x 2 Min.)
(MOPO vom 23.04.2007 / SEITE 1-18-19)
Quelle: Mopo