"Das war überhaupt nicht geplant"
Der Geschäftsführer der Rhein-Neckar Löwen, Ulrich Schuppler, zum Pokal-Final-Four in Hamburg
Vom 08.04.2006
MANNHEIM / HAMBURG Er ist der Macher bei den Rhein-Neckar Löwen, Geschäftsführer Ulrich Schuppler. Wir haben vor dem Pokal-Final-Four mit ihm über Vorfreude, Prestige und die Chancen auf einen Titelgewinn gesprochen.
Herr Schuppler, hat Sie das Pokalfieber schon gepackt?
Ulrich Schuppler: Wir sind gerade auf der Autobahn Richtung Hamburg unterwegs. Bislang blieb kaum Zeit, darüber nachzudenken.
Dann steigt die Spannung vermutlich von Kilometer zu Kilometer...
Schuppler: Eigentlich stehen wir gerade im Stau. Spaß beiseite, das Kribbeln wird wohl erst so richtig einsetzen, wenn wir in der Halle stehen und das Spiel gleich angepfiffen wird.
Würden Sie es als sensationell bezeichnen, dass die Rhein-Neckar Löwen als Aufsteiger beim Final Four am Start sind?
Schuppler: Klar, aber das war ja überhaupt nicht geplant. Unsere Priorität lag immer auf dem Klassenerhalt, der Pokal lief mehr nebenher. Sensationell waren aber ganz sicher die beiden Pokalspiele, in denen wir jeweils einen Sieben-Tore-Rückstand aufgeholt haben. Das zeigt unsere Kampfkraft und den absoluten Siegeswillen.
Ist allein schon das Erreichen der Pokal-Endrunde ein Prestigegewinn für die Rhein-Neckar Löwen?
Schuppler: Klar. Das ist für einen Verein, der erst seit 2002 existiert, unheimlich wichtig. Allein wegen der Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Das ist genau das Richtige.
Wir groß schätzen Sie die Chancen ein, dass die Löwen den Titel holen?
Schuppler: Beim Final Four an diesem Wochenende gehen nur absolute Top-Teams an den Start. Es ist schon schön, dass wir uns in Hamburg überhaupt präsentieren dürfen. Aber der Pokal, und das ist ja gemeinhin bekannt, hat auch seine eigenen Gesetze. Man wird sehen.
Sie bezeichnen die anderen Teilnehmer in Hamburg als Spitzenteams. Was fehlt den Löwen noch, um eine Top-Mannschaft zu werden?
Schuppler: Die Breite im Kader, ganz klar. Alle Teams, die in der Tabelle vor uns stehen, sind auf allen Positionen mit Top-Leuten doppelt besetzt. Unser Kader ist dagegen klein, aber fein. Wir haben durch die Verletzung von Oleg Velyky unseren stärksten Mann verloren und können trotzdem mithalten.
Auf welche Spieler wird es in Hamburg besonders ankommen?
Schuppler: Auf alle. Wir haben nur eine Chance, wenn wir als Kollektiv auftreten.
Man konnte in den letzten Wochen den Eindruck gewinnen, dass die Mannschaft nicht mehr so unbefangen wie noch in der ersten Saisonhälfte auftritt. Zeigt die Leistungskurve nach unten?
Schuppler: Das ist Quatsch. In Minden haben wir zum Beispiel 50 Minuten lang überragenden Handball gespielt. Individuelle, dumme Fehler haben uns den Sieg gekostet. Wir befinden uns in einem Lernprozess, der noch nicht beendet ist.
Sie sind in der Bundesliga überaus heimstark. Ist es ein Nachteil, dass das Final Four in Hamburg ausgetragen wird und Sie damit praktisch ein Auswärtsspiel haben?
Schuppler: Man darf nich zu viel erwarten. Hätten wir auch alle Auswärtsspiele gewonnen, dann wären wir jetzt Erster oder Zweiter. Wir spielen schließlich nicht in einer Spaßliga, sondern in der stärksten der Welt. Außerdem standen wir auswärts oft vor einem Sieg und haben dann doch mit einem Tor Rückstand verloren. In einer fremden Halle muss man immer zehn Prozent mehr geben. Das haben wir auch in Hamburg vor.
Lassen Sie sich zu einem Tipp hinreißen?
Schuppler: Lieber nicht. Ich wünsche mir nur ein möglichst gutes Abschneiden.
Das Gespräch führte Simon Richter
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