„Die Spielgemeinschaft war überfällig“
Handball: Die MSG Darmstadt birgt kaum sportlichen Fortschritt, ist aber in der Not von TGB und TG 75 die beste Lösung
Die Handballszene in Darmstadt erlebt einen gravierenden Wandel. Mit dem Zusammenschluss der Männer-Mannschaften von TGB Darmstadt und TG 75 Darmstadt ab der Saison 2006/07 gibt es nach den Rückzügen von SV Darmstadt 98, TSG 46 Darmstadt, Eiche Darmstadt oder Rot-Weiß Darmstadt den nächsten Einschnitt. An die neue Männerspielgemeinschaft (MSG) Darmstadt sind zwar Hoffnungen geknüpft. Vier Mannschaften, in der Landesliga Süd, Bezirksoberliga, Bezirksliga A und D-Klasse werden von ihr gemeldet. Fortschritt ist dies allerdings keiner, unter den gegebenen Bedingungen aber wohl dennoch die beste Lösung.
Obwohl die TGB Darmstadt in der abgelaufenen Saison neben der Oberliga-Meisterschaft die Qualifikation in die erste Hauptrunde im DHB-Pokal erreichte, zerplatzten die hohen sportlichen Ansprüche wie Seifenblasen. Die Verantwortlichen der TGB sahen sich angesichts der wirtschaftlichen Not des Vereins zur Zäsur gezwungen. Auf den Regionalliga-Aufstieg wurde verzichtet und auch die Oberliga-Zugehörigkeit ausgeschlagen. Abteilungsleiter Wolfgang Haker teilte dem Hessischen Handball-Verband (HHV) schließlich mit, dass der Verein in der neuen Runde in die Landesliga Süd eingestuft werden möchte.
Die Kapriolen der TGB riefen bei der Konkurrenz zum Teil Unverständnis und Zorn hervor. Die Entwicklung war aber durchaus vorhersehbar, denn die TGB machte bereits im Januar deutlich, dass die erste Mannschaft nicht mehr zu finanzieren sei. Verhandlungen über eine Spielgemeinschaft wurden geführt.
Auch für die TG 75 war es höchste Eisenbahn die Fühler nach einem Partner auszustrecken. Nachdem mit Paul Schöber einer der besten Angreifer zum TSV Pfungstadt wechselte, stand die Zukunft in der Bezirksoberliga in Frage. Die Entwicklung der Damen, die nach ihrem Landesliga-Aufstieg direkt wieder abgestiegen sind, zeigte ebenfalls den Ernst der Lage. Sie sicherten ihr Überleben, indem sie eine Spielgemeinschaft (FSG) mit der SKG Roßdorf bilden. Besserung im Alleingang ist für den Verein am Ziegelbusch nicht in Sicht. Denn es krankt am Nachwuchs: Bis auf eine E-Jugend, hat die TG 75 kein Jugendteam mehr gemeldet.
Bei der TGB Darmstadt zog Abteilungsleiter Haker angesichts der Schulden die Konsequenzen, als kein Verein die Offerte ergriff, das Aufstiegsrecht in die Regionalliga mit dem Oberliga-Meister wahrzunehmen. „Wir wollen und können keine Spieler bezahlen. Wir hatten überhaupt keine andere Chance“. Dem pflichtete der stellvertretende Abteilungsleiter der TG 75, Jürgen Stuewer, angesichts der dramatischen Entwicklung der letzten zehn Jahren bei: „Die Spielgemeinschaft in Darmstadt war längst überfällig.“
Gespräche über einen Zusammenschluss im Handball standen schon oft im Raum. Die TGB und der SV 98 verhandelten Anfang der neunziger Jahre. Kurz darauf folgte der Übertritt der Männer des SV Darmstadt 98 zur TG 75. Es ging darum, Spielklassenzugehörigkeiten zu sichern. Diesmal ist es kaum anders. Die Spieler der bisherigen zweiten TGB-Mannschaft und die Erste der TG 75 sollen den Grundstock des Landesliga-Teams der MSG Darmstadt bilden. Schon im Vorfeld bekennen die Verantwortlichen beider Vereine: „Der Klassenerhalt ist oberstes Gebot.“ Trainiert wird der Landesligist von Ralf Specht, der zuletzt die TG 75 in der Bezirksoberliga coachte. Thomas Martin (TGB) ist weiter für die Reserve zuständig. Besonderes Augenmerk gilt dem Nachwuchs.
Während die TG 75 dabei kaum etwas einbringt, hat die TGB alle Jugendklassen weiblich und männlich (zum Teil sogar doppelt) besetzt. Was folgen soll, ist eine Anhebung des Niveaus. Dafür sollen erfahrene Spieler wie Thomas Weber, Michael Matschat, Achim Buschmann, Ralf Geselle, Oliver Feuerbach, Gürhan Türkoglu oder Volker Kloss als Trainer sorgen. „Wir haben Synergien mit der TG 75, deren Leute auch bei uns Trainerposten übernehmen können“, unterstreicht Haker. Auch den Frauen stünde der Weg in die Spielgemeinschaft offen. „Es ist sogar gewünscht“, so Stuewer.
Künftig werden die Punktspiele der Männer im Wechsel einmal am Ziegelbusch und in der Sporthalle der Lichtenbergschule ausgetragen. Damit will man auch die Fangemeinde beider Lager zusammenführen.
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