Ordnungshüter / von Hans-Peter Seubert
Hübsch sehen sie aus, in ihren neongelben Leibchen und schwarzen Hosen, die Dänen, Schweden, Slowenen. Die Russen kommen schon mal ganz in Weiß daher. Schiedsrichter setzen bei der Handball-WM modische Zeichen. Vorbei ist die Zeit, da Unparteiische in klassischem Schwarz auftraten. Jetzt ist Farbe im Spiel. Nicht nur die Karten leuchten grün, rot und gelb.
Handball ohne Schiedsrichter, das läuft nicht. Die Gespanne haben einen schweren Stand. Amateure wachen über die Regeln, die hoch dotierte Profis bisweilen arg und trickreich strapazieren. Erfolg kennt kein Pardon.
Die Unparteiischen sollen Autorität ausstrahlen, Fingerspitzengefühl haben, Durchsetzungsvermögen, Kondition und Konzentration. Regelsicherheit versteht sich von selbst. „Am besten ist, man spürt sie nicht im Spiel“, sagt ein Beobachter, der die Leistung der Spielleiter statistisch aufdröselt. Denn auch sie unterliegen Erfolgskontrollen sowie Auf- und Abstieg. Daten lügen nicht.
Schiedsrichter sind Menschen. Vor 11 000, 12 000 Zuschauern pfeifen sie auch nicht alle Tage und eine WM bedeutet für die internationale Elite (18 Gespanne) ein Erlebnis erster Güte. Zu beneiden sind die Ordnungshüter auf dem Platz nicht. Zum einen nimmt sie der Weltverband an die Kandarre. Akribisch sollen sie leiten. Schubsen, Stoßen, Theater der Stürmer, wildes Draufgängertum in der Abwehr und Verzögerungstaktik unterbinden, zugleich den Spielfluss pflegen.
Doch was erwartet die Paare in der Halle? Hitze, Lärm, Druck, ein aufgeputschtes Publikum und hoch motivierte Spieler. Auf dem Parkett wird geklammert, gezogen, gestoßen, getreten. Fäuste, und Ellenbogen sind im Einsatz, wenn Handball gearbeitet wird. Alles geschieht auf engstem Raum und im Expresstempo.
Da können einem die Gespanne Leid tun. Sechzig Minuten plus Extrazeit Schwerstarbeit in Sekundenbruchteilen. Vier Augen sehen viel und doch nicht alles. Wehe, wenn Unparteiische Fehler machen: Zuschauer buhen, Trainer fluchen, Spieler stampfen aufs Parkett. Peinlich achten die Unparteiischen bisher darauf, dass der Heimvorteil nicht überhand nimmt, zum Ärger der Deutschen.
Es allen recht zu tun tan, ist eine Kunst die niemand beherrscht. Die Gespanne brauchen eine Linie. Kleinlich oder großzügig: Hauptsache eindeutig und einig. So schlecht sind die Schiedsrichter bisher bei dieser WM eigentlich nicht.
quelle