Das kleine Wunder der HSGNiestetal/Staufenberg mit Heimstärke auf dem Weg zum Klassenerhalt
Von Gerald Schaumburg
Niestetal. 17 Punktspiele haben die Handballer der HSG Niestetal/Staufenberg bislang absolviert und drei Einsätze im DHB-Pokal. Und dennoch stand der Sport beim Zweitligisten in den vergangenen Monaten viel zu selten im Blickpunkt. "Diese Saison kann ich sportlich gar nicht bewerten, so viel wie sich da abseits des Spielfeldes ereignet hat", sagt Hans-Joachim Ursinus.
Tatsächlich hat der Trainer mit seinen Mannen ein halbes Jahr hinter sich, in dem die wirtschaftlichen Sorgen der Sportmarketing-Gesellschaft immer wieder für Negativmeldungen sorgten. "Es war kaum möglich, sich auf Handball zu konzentrieren", sagt Ursinus rückblickend. Und ist zurecht stolz auf das Auftreten der Mannschaft: "Dass wir uns derzeit mit 17:17 Punkten im Mittelfeld der Tabelle behaupten, das ist aller Ehren wert und ein kleines Wunder."
Ursache dafür ist der großartige Zusammenhalt in seiner Resttruppe und die beeindruckende Heimstärke. 15:1 Zähler wurden in der Festung Leuschnerschule geholt, nur gegen Fredenbeck (38:38) gab es einen Punktverlust. Und es gab die Glanzlichter beim 35:28 gegen Rostock, in den Pokalspielen gegen Hildesheim (32:31) und Bundesligist Hamburg (23:34) in voller Halle, sowie kurz vor Weihnachten beim 27:19 gegen die Reinickendorfer Füchse.
Nicht zuletzt, weil die Personalpolitik der HSG voll aufging. Hüter, Heinemann, Drobek und Nincevic - vier von fünf Neuzugängen schlugen voll ein; allein Jungspund Schwurack als dritter Torwart bekam kaum Spielanteile. "Es hat alles gepasst, es gab keinen Fehleinkauf", sagt Ursinus - und kann sich zudem darüber freuen, dass Dauerbrenner Petrauskas (35) seinen x-ten Frühling erlebt. Für den Trainer ist es keine Frage: "Mit klaren Konturen bei den Finanzen und etwas weniger Verletzungspech hätten wir unser Ziel einer Platzierung unter den ersten Fünf allemal in Reichweite. Das war eine ganz realistische Vorgabe."
Dass inzwischen lediglich der Klassenerhalt als Ziel ausgegeben werden kann, ist dem enormen Aderlass geschuldet. Hinz (SVH Kassel), Prokopec (Hamburg) und Drobek (Rostock) - gleich drei tragende Säulen haben das Niestetal verlassen, enormes Verletzungspech tat ein Übriges. Hermenau, Luca, Rui und Nincevic, auch Drobek und Prokopec waren lange angeschlagen, so dass über Wochen kaum ein geregeltes Training möglich war. Und nun hat es mit Benjamin Trautvetter auch noch einen Motor des HSG-Spiels ganz schwer am Knie erwischt. "Wir brauchen dringend Verstärkung auf zwei, drei Positionen", fordert Ursinus, "denn auf Dauer sind wir mit dieser Minitruppe nicht konkurrenzfähig."
Vor allem auswärts. Denn mit nur sieben, acht Feldspielern steht die HSG auf verlorenem Posten. Nur in Magdeburg (30:29) wurde gepunktet, bei den Topteams in Hildesheim (32:33) und Hamm (29:30) waren die Niestetaler ganz dicht dran, allein in Altenholz gab’s eine echte Klatsche (30:48).
Da ist es gut, dass die HSG am 13. Januar mit einem Heimspiel in das Restprogramm startet. Gegen Dessau, den Tabellennachbarn.
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