25.04.2007 - Heinz Büse - dpa
Diskussion trübt Freude über Erfolg: Kluft zwischen Brand und Clubs
Der deutsche Handball ist erfolgreicher denn je - doch hinter den Kulissen sorgt ein Streit zwischen dem Bundestrainer und der Bundesliga für anhaltende Spannungen. Auch der WM-Triumph der Nationalmannschaft und der Einzug von insgesamt vier deutschen Clubs in die Finals der drei wichtigsten Europacup-Wettbewerbe trugen nicht zu einer Annäherung der verschiedenen Standpunkte bei. Aus seiner Verärgerung über die strikte Weigerung der Vereine, vier deutsche Profis pro Spiel aufzubieten, macht Heiner Brand nach wie vor keinen Hehl. "Ich finde es lächerlich, über zwei bis vier deutsche Spieler in einem 14er Kader diskutieren zu müssen", klagte er in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa), das sie folgend im Wortlaut finden.
Die Haltung der Clubs, die Brands Vorschlag im Dezember vorigen Jahres abgelehnt hatten, bereitet dem Bundestrainer Kopfzerbrechen. Ungeachtet des umjubelten Siegeszuges seiner Mannschaft bei der WM Anfang des Jahres im eigenen Land sorgt er sich um deren Zukunft. Schon in drei bis vier Jahren bestehe die Gefahr, nicht mehr zwischen genügend heimischen Top-Spielern auswählen zu können. Deshalb geißelte er die Liga unlängst als "egoistisch und stur".
Die verbalen Konter der Club-Bosse ließen nicht lange auf sich warten. Uwe Schwenker hält die Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt für deplatziert. "Statt sich über die Erfolge der Nationalmannschaft und der Clubs zu freuen, reden wir nun wieder über die Ausländer- Beschränkung. Das Thema langweilt mich", klagte der Manager von Liga- Krösus THW Kiel in einem Gespräch mit "Sport1.de".
Ähnlich wie Schwenker hält auch Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), bei allem Verständnis Barnds Kritik für übertrieben: "Es spricht einiges dagegen, dass wir bald nicht mehr genügend starke deutsche Spieler haben. Die Liga hat in den vergangenen Jahren eine tolle Entwicklung genommen - auch wegen der Ausländer. Aber prinzipiell sollten wir diese Diskussion nicht über die Medien führen."
Ein von Bohmann angedachtes Schlichtungsgespräch mit Brand tut Not. Schließlich hat sich das Klima trotz der jüngsten Erfolge eher verschlechtert. So wurde liga-intern Kritik laut, der Bundestrainer nutze den WM-Titel zu lauteren Forderungen und drohe sogar damit, seinen im Jahr 2008 auslaufenden Vertrag ohne ein Entgegenkommen der Clubs nicht verlängern zu wollen. Auf solche Vorwürfe reagiert Brand mit Unverständnis: "Ich habe davon gelesen - und mich gewundert. Was dieses Thema anbetrifft, erzähle ich seit über zehn Jahren als Bundestrainer das Gleiche. Deshalb kann man schlecht davon sprechen, ich würde den WM-Titel ausnutzen. Ich habe die Meinung vorher vertreten und werde davon nicht abrücken."
Heiner Brand im Interview: "Profitiere von einer starken Bundesliga"
Nach dem WM-Titel für Ihr Nationalteam können gleich drei Bundesliga-Clubs am Ende dieser Woche europäische Titel gewinnen. Überrascht Sie dieser Höhenflug des deutschen Handballs?
Heiner Brand:
Das zeigt, dass wir eine starke Liga haben. Die besten Handballer der Welt spielen - von wenigen Ausnahmen abgesehen - in der Bundesliga oder in Spanien. Ich glaube sogar, dass die Bundesliga in der Breite etwas stärker ist.
Das klingt nach idealen Zeiten für einen Bundestrainer, der in Zukunft aus einem reichen Fundus an Spielern schöpfen kann.
Heiner Brand:
Natürlich profitiere ich von einer starken Bundesliga. Davon, dass einige Spieler sich mit den weltbesten Stars messen und auch international Erfahrungen sammeln können. Aber man sollte das nicht in allen Fällen überschätzen. Was habe ich als Bundestrainer zum Beispiel für einen Vorteil, wenn der größte Teil der Spieler im Champions League-Finale zwischen Kiel und Flensburg Ausländer sind?
Sie deuten es an. Obwohl der deutsche Handball derzeit erfolgreicher denn je ist, scheinen die Spannungen zwischen dem Bundestrainer und den Vereinen wegen der Ausländeregelung zu wachsen?
Heiner Brand:
Von Spannungen würde ich nicht sprechen. Aber ich habe zu diesem Thema eine deutliche Meinung. Ich finde es lächerlich, über eine Mindestzahl von vier deutschen Spielern in einem 14er-Kader diskutieren zu müssen. Aber mittlerweile habe ich mich mit der Entscheidung der Vereine abgefunden und eigentlich keine Lust mehr, mich zu diesem Thema zu äußern.
Es wurde Ihnen aber vorgeworfen, Sie würden Ihre Position als Weltmeister-Trainer ausnutzen, um Ihren Forderungen nach vier deutschen Spielern pro Team Nachdruck zu verleihen. Was halten Sie von dieser Kritik aus der Bundesliga?
Heiner Brand:
Ich habe davon gelesen - und mich gewundert. Was dieses Thema anbetrifft, erzähle ich seit über zehn Jahren als Bundestrainer das Gleiche. Deshalb kann man schlecht davon sprechen, ich würde den WM-Titel ausnutzen. Ich habe die Meinung vorher vertreten und werde davon nicht abrücken.
Angeblich sind Sie aus Verärgerung über die uneinsichtige Bundesliga sowohl der Pokal-Endrunde in Hamburg als auch den beiden Champions League-Endspielen fern geblieben. Stimmt das?
Heiner Brand:
Das hatte damit nichts zu tun. Beim ersten Champions League-Finale war ich auf der Anreise zum Länderspiel gegen die Schweiz. Und beim zweiten Endspiel habe ich einen anderen Termin. Das war übrigens auch bei der Pokal-Endrunde der Fall.
Erst der WM-Titel, nun die drei Europacup-Endspiele. Eine bessere Werbung kann es für die Sportart nicht geben. Kann der Handball diese Chance nutzen?
Heiner Brand:
Wir sind auf gutem Weg, aber man kann keine Wunderdinge erwarten. Jeder Nationalspieler bekam in den vergangenen Wochen fast täglich zu spüren, was der WM-Titel bewirkt hat. Natürlich machen sich auch die Erfolge der Vereine positiv bemerkbar. Das Interesse am Handball wächst. Wenn es uns gelingt, die Basis zu erreichen, bin ich optimistisch, dass wir längerfristige Synergieeffekte erzielen. Unser Schulprojekt in Nordrhein-Westfalen geht in die richtige Richtung.
Im Sommer soll es Gespräche über die Verlängerung Ihres im kommenden Jahr auslaufenden Vertrages geben. Wohin geht die Tendenz?
Heiner Brand:
Ganz ehrlich, ich bin seit dem WM-Titel noch nicht dazu gekommen, mir in Ruhe Gedanken darüber zu machen. Im Prinzip gilt noch immer, was auch schon vorher galt. Mein Verhältnis zur Verbandspitze ist positiv, die Arbeit mit der Mannschaft macht mir großen Spaß. Dennoch werde ich mir gründlich Gedanken machen, es ist für mich eine wichtige Entscheidung.