"Daniel wird nicht hier auftauchen"
Neuer VfL-Sportdirektor Houlet glaubt nicht an eine Rückkehr seines Landsmannes Narcisse
Seit dem vergangenem Sonntag ist François-Xavier Houlet Sportdirektor beim VfL Gummersbach. Ulrich Klein sprach mit dem Ex-Handballprofi über seine neue Aufgabe und Daniel Narcisse.
Herr Houlet, seit ein paar Tagen sind Sie offiziell Sportdirektor des VfL Gummersbach. In ein paar Tagen beginnen Ihre ehemaligen Kollegen mit der Saisonvorbereitung. Wie schwer fällt der Rollenwechsel?
Das kann ich erst in einigen Wochen konkreter beantworten. Aber ein komisches Gefühl habe ich schon in der Magengegend bei dem Gedanken.
Sie können doch noch ein bisschen bei der Mannschaft mittrainieren, um sich fit zu halten . .
Das werde ich ganz sicher nicht machen. Um fit zu bleiben, werde ich privat ein bisschen was machen.
Wie definieren Sie denn Ihren neuen Job?
Ich werde mich um engen Kontakt zu den Jungs bemühen. Dabei ist es sicher ein Vorteil, dass ich bis vor ein paar Wochen selber Profi war. Ich weiß also ziemlich gut, wie ein Spieler fühlt und kann mich gut in seine Situation versetzen.
Das gilt auch für Daniel Narcisse, den Sie als Ihren Landsmann ja besonders gut kennen müssten . . .
Ich habe mit Daniel lange nicht mehr gesprochen. Fakt ist nur, dass er am 16. Juli zum Trainingsauftakt hier in Gummersbach erscheinen müsste.
Sie sagen "müsste". Narcisse möchte aber für Chambery spielen und ist nach Frankreich zurück gekehrt. Der VfL pocht jedoch auf seine Option. Wie soll es weiter gehen?
Die Lage ist in der Tat kompliziert und wir sind noch weit von einer Lösung des Problems entfernt. Ich gehe nicht davon aus, dass Daniel am übernächsten Montag hier auftauchen wird. Für uns ist aber klar: Entweder er spielt weiter für den VfL oder Chambery muss eine angemessene Ablösesumme zahlen.
Aber die Franzosen haben doch kein Geld - sagen sie jedenfalls . .
Ach, diese Klagen hört man doch immer wieder in Frankreich und zeigt dabei mit dem Finger auf die Bundesliga, wo man angeblich genug Geld hat. Allerdings ist es bestimmt nicht so, dass die französischen Clubs alle am Hungertuch nagen. Wenn Chambery nicht zahlt, wird die Sache eben bei der EHF, dem Europäischen Verband landen.
Mit welchen Folgen?
Vermutlich wird man schon in Kürze einen Gütetermin zwischen Gummersbach, Chambery und Daniel ansetzen.
Halten Sie es für denkbar, dass Narcisse gesperrt wird, wenn es zu keiner Einigung kommt?
Daniel ist ein absoluter Weltklassemann. Die EHF dürfte sich schwer tun, so einen großen Spieler ein Jahr vor Olympia in Peking zu sperren.
Was bleibt als Alternative?
Chambery könnte die Ablösesumme (350 000 Euro/Anm. der Redaktion) beispielsweise in Raten bezahlen. Wobei ich die Geschichte aus Daniels Sicht nur schwer nachvollziehen kann: Ein Spieler von seinem Format verlässt den VfL vielleicht, um in Barcelona oder bei Ciudad Real anzuheuern. Aber was will er sportlich gesehen in Chambery?!
(Quelle:http://www.rundschau-online.de)