Mangelnde Unterstützung von den Rängen beim Göppinger 26:29-Debüt gegen Magdeburg
Bundesligist SC Magdeburg hat im Kampf um den erhofften Champions-League-Startplatz einen weiteren wichtigen Sieg verbucht. Die Mannschaft von Trainer Bogdan Wenta setzte sich am Samstagabend beim letztjährigen EHF-Cup-Finalisten Frisch Auf Göppingen mit 29:26 (14:11) durch und fuhr den 17. Saisonerfolg ein. Die Schwaben verlieren durch die Niederlage weiter Boden im Kampf um den internationalen Wettbewerb. Vor allem die schwache Wurfquote der Gastgeber machte es den ersatzgeschwächten Magdeburgern recht leicht, zwei von Bitter nacheinander parierte Siebenmeter verhinderten, dass Göppingen in der Schlussphase noch einmal herankommen konnte.
Frisch Auf-Coach Velimir Petkovic war zwar nach der Niederlage gegen Magdeburg auch mit der Leistung der eigenen Spieler, vor allem im Angriff, unzufrieden, aber noch mehr störte ihn die Stimmung in der Porsche-Arena. Nur zu Beginn verbreiteten einige Anhänger Lärm, danach mühte sich eine Fankurve nach Kräften, den Funken auf die anderen Zuschauer überspringen zu lassen. „Es ist eine tolle Halle, aber für mich reicht das nicht. Wir haben in der wichtigen Schlussphase nicht die nötige Unterstützung bekommen. Die Leute wollten heute Handball gucken, aber nicht Frisch Auf!“, klagte Petkovic. Göppingen war beim 19:21 (47.) auf zwei Tore herangekommen, nachdem kurz nach Beginn der zweiten Hälfte beim Stand von 12:17 (34.) bereits entschieden schien. Denn während der SCM das Spiel zwar aufgrund der personellen Notsituation zwar langsam, aber meist konzentriert anging, leisteten sich die Gastgeber unter anderem sechs Holztreffer und drei vergebene Strafwürfe. Mit etwas mehr Glück hätte gegen das angeschlagene Ostteam vielleicht ein Sieg herausspringen können. „Ich bin mit unserer geschlossenen Mannschaftsleistung zufrieden“, analysierte SCM-Coach Bogdan Wenta, der besonders auf seinen Torhüter Johannes Bitter, den siebenfachen Strafwurfschützen Joel Abati und Stefan Kretzmar (8 Treffer) stolz sein konnte.
Diese geschlossene Mannschaftsleistung präsentierte Magdeburg vom Anpfiff ab. Nikola Manojlovic und Michael Kraus bissen sich auf der linken Angriffsseite die Zähne aus, fanden aber in der von Oliver Roggisch organisierten Abwehr weder eine Lücke, noch eine Möglichkeit, Kreisläufer Manuel Späth in Szene zu setzen. Nur die eigene gute Defensivleistung bewahrte Göppingen in dieser Anfangsphase vor einem Rückstand, denn Frisch Auf verlor immer wieder den Ball und lud Magdeburg zu Kontern ein, die allerdings nicht verwertetet wurden. Erst nach über 200 Sekunden war es dann Routinier Stefan Kretzschmar, der Magdeburg mit zwei Toren in Führung brachte.
Überhastete Angriffe und Ballverluste von FAG hätten Magdeburg vorzeitig hohe Führung ermöglicht
Rajkovic und Oprea, der einen geblockten Ball verwertete, besorgten zwar bald darauf den Ausgleich, doch die Offensive der Gastgeber agierte zu fahrig um nun ins Spiel zu kommen. Während sich der SCM immer wieder geduldete, bis eine Lücke vorhanden war, brachte ein weiterer überhasterer Angriff die Grün-Weißen nach elf Minuten zwischenzeitlich mit 2:5 in Rückstand. Doch Göppingen kämpfte sich wieder heran, denn der SCM zeigte weiterhin schwache Tempogegenstöße und hätte in der ersten Viertelstunde bereits 10 Tore erzielen können. Stattdessen stand es 5:6, da Michael Kraus sich endlich ein Herz fasste und mit Durchbrüchen durch die nun weniger sattelfeste SCM-Abwehr erfolgreich war. Außerdem zeigte Martin Galia Mitte der ersten Hälfte einige gute Paraden, die Göppingen aber aufgrund weiterer technischer Fehler im Angriff lediglich zum 6:6 / 7:7-Ausgleich (18.) - Kraus hatte Späth am Kreis gefunden - nutzen konnte. Sofort erzielte Tkaczyk, dem zuvor wenig gelungen war, den Führungstreffer und während FAG eine Chance vergab und im Folgeangriff erneut den Ball herschenkte erhöhten die Routiniers aus dem Osten auf 7:10 (20.).
Dann versuchte es Göppingens Trainer Velimir Petkovic mit Michael Schweikardt als Regisseur, der konnte aber keine Impulse setzen und der Coach nahm schließlich nach 25 Minuten als letztes Mittel die Auszeit um seine Mannschaft neu auszurichten. „Wir hatten uns viel vorgenommen und haben in der Abwehr gut gekämpft, aber im Angriff haben wir zu viele Fehler gemacht“, merkte Petkovic an. Dabei fiel sicher auch ins Gewicht, dass sich im rechten Rückraum neben Vukasin Rajkovic, der erneut durchspielen musste und erneut einer der besten Spieler war, auch Volker Michel eine Handverletzung zugezogen hat. Er laboriert an einem Haarriss. Doch auch nach dem Timeout vergab Göppingen weit mehr Chancen, als man verwerten konnte, vor allem Nikola Manojlovic hatte einen rabenschwarzen Tag. Dass der Rückstand bei Halbzeit (11:14) lediglich drei Tore betrug, lag einzig daran, dass SCM-Shooter Bielecki kurz zuvor eine Zeitstrafe erhalten hatte und die Offensive der Gäste in dieser Phase merklich erlahmte.
Folgerichtig war es kurz nach Beginn der zweiten Hälfte die Aufgabe von Michael Schweikardt, Karol Bielecki in Manndeckung zu nehmen. Bis dahin mussten die Grün-Weißen aber wieder eine miserable Startphase durchleiden, die durch eine merkwürdige Entscheidung der wenig überzeugenden Schiedsrichter noch verschärft wurde. Als Manojlovic den frisch ins Spiel gekommenen Silviu Baiceanu in Szene setzen wollte, verhinderten dies zwei Spieler regelwidrig, im nächsten Gästeangriff bekam Bartosz Jurecki den Strafwurf zugesprochen. Danach war es dann jedoch erneut eine Göppinger Unkonzentriertheit, die Kretzschmar den Kontertreffer zum 12:17 (34.) erlaubte.
Manndeckung gegen Bielecki zeigt Wirkung
Die Manndeckung zeigte dann allerdings recht schnell Wirkung. Schöne traf per Gegenstoß zum 13:17, und kurz darauf während einer sehr gut gelösten Unterzahlsituation waren es Schweikardt und Kraus, die mit den Treffern zum 16:19 (39.) den alten Abstand wieder herstellten. Indessen hatte sich der SCM von einem kleinen Schock zu erholen. Mit Erik Göthel war der letzte etatmäßige Rechtsaußen umgeknickt und Marc Hohenberg musste ihn eine Zeitlang ersetzen. Göppingen konnte dies allerdings, wieder in Gleichzahl spielend, nicht weiter nutzen, da sich erneut die kleinen Fehler und schwachen Würfe einschlichen. Erst während der folgenden (zeitweise doppelten) Unterzahl ab der 44. Minute gelangen den Gastgebern wieder Treffer und dies zum Teil aus den schwersten Winkeln. Manojlovic traf endlich zum 17:21 (44.), Rajkovic und Schweikardt besorgten die weiteren Treffer zum 19:21 nach 47 Minuten. Beim SCM lief in dieser Phase wenig zusammen, in der Offensive machte vor allem Marc Hohenberg immer wieder mit eigensinnigen Aktionen auf sich aufmerksam.
Starker Johannes Bitter verhindert Göppinger Anschlusstreffer
Dann war es der sechste verwandelte Strafwurf von Joel Abati, der Magdeburg wieder auf drei Tore Abstand brachte, aber ein jetzt schwungvoller Göppinger Angriff arbeitete sich zwei Strafwürfe heraus. Erst trat Schweikardt an und Bitter hielt, dann versuchte sich Oprea und scheiterte ebenfalls. Auch der blasse Martin Galia machte dann immerhin mit einer Parade gegen Tkaczyk auf sich aufmerksam. „Ich habe gewartet, ob er sich wie beim Spiel gegen Wilhelmshaven am Ende noch steigern kann, leider hat er das nicht gezeigt“, lautete die mithin ernüchternde Bilanz von Petkovic über seinen ersten Torwart, der in der zweiten Hälfte nur fünf Bälle abwehren konnte. Und so agierte der FA-Angriff zwar jetzt konzentriert und hatte auch beim Publikum eine gewisse Unterstützung gefunden, doch die Defensive machte es den SCM-Routiniers in dieser Schlussphase zu leicht. Eine gute Leistung von Stefan Kretzschmar, der aus allen Lagen traf, ein sicherer Joel Abati als Strafwurfschütze und ein Grzegorz Tkaczyk in Normalform reichten den Magdeburgern aufgrund der Göppinger Abschlussschwäche aus, um nach 57 Minuten beim 24:28 dicht vor dem zwölften Sieg gegen Göppingen zu stehen. Man merkte den Gästen zwar den Verschleiß an, aber Energieleistungen von Kraus, der sich endlich einmal in WM-Manier durchsetzen konnte und mit sieben Treffern am Ende bester Göppinger Schütze war und ein Treffer von Michael Schweikardt war alles, was Göppingen als Antwort einfiel. Jurecki war schließlich der letzte Treffer zum 26:29 vorbehalten.
Stimmen:
Bogdan Wenta, SC Magdeburg: „Wir haben eine geschlossene Mannschaftsleistung gezeigt. Bei Frisch Auf hat mir Michael Kraus gut gefallen, der viel Bewegung ins Spiel gebracht hat. Davor hatten wir ein bisschen Respekt.“
Velimir Petkovic, Frisch Auf Göppingen: „Wir hatten uns etwas vorgenommen für dieses Spiel und wir haben gut gekämpft, vor allem in der Abwehr. Aber mit nur elf Toren in der ersten Halbzeit, insgesamt sechs Holztreffern und drei vergebenen Strafwürfen kann man nicht gewinnen. Vor allem nicht gegen Magdeburg, gegen eine so gute Mannschaft muss alles passen, das war heute nicht der Fall. Dann hatten wir auch noch Pech mit den Strafwürfen in einer wichtigen Phase, dann war es auch schon vorbei. Ich habe erwartet, dass dann die Unterstützung von den Zuschauern kommt, die wir brauchen, aber die kam nicht. Bei Galia habe ich gewartet, ob er wie in Wilhelmshaven am Ende noch kommt, aber er kam nicht. Die Porsche-Arena ist eine tolle Halle, aber für mich recht das nicht. Ich will nicht sagen, dass wir in der Hohenstaufenhalle gegen diesen SC Magdeburg gewonnen hätten, aber wir bekommen die Unterstützung. Wir hätten mit der Porsche-Arena zwar mir finanzielle Möglichkeiten und könnten uns vielleicht zwei, drei gute Spieler mehr leisten, aber ohne das Publikum bringt das nichts. Die Leute wollten heute Handball gucken, aber nicht Frisch Auf!“
http://www.handball-world.de